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19.07.2010

Ins schwäbische Paradies mit Retourbillett

In der Gartenwirtschaft "Zur goldenen Traube" treffen sich Rekruten, junge Mädchen, die von Riggele (an der Theke Tanja Ruf) bedient werden, während sich Winzer Stiegele (ganz rechts) Karl, den Liebhaber seiner Enkelin (Achim Straubinger), vornimmt.

Staufen Was vor zehn Jahren mit dem "Entaklemmer" an der Schlösslemauer großartig begann, hat sich zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt. Der Spielort wurde die Waldbühne am Sportplatz der Eintracht Staufen, das Niveau ist geblieben, ja es hat sich gesteigert. Davon konnten sich etwa 50 unentwegte Zuschauer überzeugen, die auf nassen Stühlen und mit Regenschirmen dem munteren Treiben zusahen.

Göttliche Herrschaften im "Petrusreich"

Als sich während der Pause ein Regenbogen über das Obere Bachtal wölbte, hatte der Himmel ein Einsehen. Schließlich spielte das weitere Geschehen auch in himmlischen Gefilden, einem "schwäbischen Paradies", in dem die Mundartkomödie seinem Höhepunkt zusteuerte. In Staufen wurde Manfred Eichhorns schwäbische Version des "Brandner Kaspars" von Franz von Kobell aufgeführt. Es war ein Remake mit wunderschönem Bühnenbild, einer geschmückten Giebelfassade der Gartenwirtschaft "Goldene Traube". Diese wurde in das "Petrusreich" verwandelt, in dem die göttlichen Herrschaften alemannischer Herkunft zugange waren.

Petrus (Hans Kübler), der das Regiment führte, der Erzengel Michele (Dominik Baumann) mit zweckentfremdetem Schwert, der Postengel (Jochen Eggert) mit sprichwörtlicher Langsamkeit, der hl. Nepomuk (Norbert Wöhrle) als religiöses Gewissen, die dienstbaren Himmelspflegerinnen (Karin Unseld-Kübler und Ilona Hartmann) vertrieben sich die Zeit, vom lateinischen Zeigefinger des Rei'g'schmeckten (Gerhard Rommer) bevormundet. In dieser Gesellschaft sollte sich der Winzer Jakob Stiegele (Andreas Rekittke) eigentlich wohlfühlen, dem der Tod (Klemens Ruf) einen Schnupperaufenthalt bei Frau und Enkelin anbietet, die bereits im paradiesischen Zustand sind.

Ins schwäbische Paradies mit Retourbillett

Kartenspiel um zusätzliche Jahre

Eigentlich hätte Striegele noch 20 Jahre sorgenfreies Dasein fristen können, war es ihm doch gelungen, dem Tod mit Weißherbst-Viertele und Kartenspielen zwei Lebensjahrzehnte abzuringen. Jedoch das Schicksal seiner liebenswerten Enkelin Dorle (Janina Stutzmiller) ließ ihn zustimmen. Die Rivalität von Dorles Freunden Karl (Achim Straubinger) und Christian (Daniel Kometer) nutzt der Weinhändler Wucher (Norbert Wöhrle) zu einer Intrige mit tödlichem Ausgang. Dabei ist die Kellnerin Riggele (Tanja Ruf) nicht unbeteiligt, während das Bürgermeisterehepaar (Silke Mayer und Norbert Rekittke) private Streitigkeiten austrägt. Vier Rekruten (Dominik Baumann, Nikola Ruf, Jochen Eggert, Norbert Rekittke) und sieben junge Mädchen (Stefanie Lanzinger, Jasmin Lenzer, Sophie Hoffmann, Sophia Reiter, Carina Ruf, Cilia Tagliamonte, Jenny Jessen) belebten die Wirtshausszene, dem fröhlichen Engelschor mit 15 Kindern galt der spontane Beifall.

Regisseurin Barbara Hoffmann hat die Rollen ideal besetzt, hat die Charaktere individuelle herausgearbeitet; die Handlungsstränge liefen geschickt ineinander und profitierten von der weiträumigen Naturbühne. Die Aufführung ist ein rühmenswertes Beispiel für eine intakte Dorfgemeinschaft, bei der 40 Aktive von Jung bis Alt mit Engagement zu Werke gehen.

Die Nachpremiere am Sonntagabend konnte bei gutem Wetter vor zahlreichen Zuschauern durchgeführt werden.

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