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24.06.2009

Islam und Christentum

Dillingen "Islam und Christentum. Ist eine Verständigung möglich?" Wie brennend die Frage ist, bewies der große Andrang zum Katholischen Akademikerkreis, in den Prof. Ludwig Häring den Neutestamentler und Korankundigen Prof. em. Dr. Joachim Gnilka eingeladen hatte. In einem meisterlichen Referat, das immer wieder klischeehaftes Allgemeinwissen informationsreich, dabei wohltuend klar und eingängig korrigierte und überbot, gab der Referent seine fundierte Antwort.

Monotheismus immer stärker

Gnilka betonte die meist wenig beachtete bleibende Prägung des Islam durch Muhammads Herkunft aus einer nomadischen, von der römischen Zivilisierung unberührten Kultur. Er zeigte auf, wie Muhammad immer stärker den Monotheismus ins Zentrum seiner Predigt rückte. Christen und Juden wurden von Muhammad als "Schriftbesitzer" zwar geduldet und nicht zwangsbekehrt, aber doch zu Bürgern zweiter Klasse - wie es dann umgekehrt den Muslimen in den zurückeroberten christlichen Gebieten erging.

Christlicherseits wurde der Islam lange einfach als Häresie eingestuft, letztendlich aber als Heidentum deklariert. Erst die wissenschaftliche Orientalistik der Neuzeit brachte der "christlichen" Welt solide Kenntnisse über den Koran und versachlichte die Beschäftigung mit dem Islam, in die sich im 20. Jahrhundert auch die Theologie einschaltete. Eine neue Gesprächsgrundlage bot schließlich das II. Vatikanum, das den Glauben der Muslime an den einen Gott "mit Hochachtung" betrachtet, verschiedenen Gottesprädikaten des Islam zustimmt und dessen Frömmigkeit anerkennt.

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Als verbindende Elemente zwischen Christentum und Islam verdeutlichte Prof. Gnilka: Bibel und Koran repräsentieren eine auf Offenbarung gegründete, monotheistische Religion und verstehen die Welt als Gottes Schöpfung; der Koran spricht durchweg ehrfürchtig von Jesus und Maria; Abraham stellt den gemeinsamen Urtyp des Gläubigen dar; Adam mit seinen Fähigkeiten und Grenzen charakterisiert für beide den Menschen; beide erwarten ein Endgericht Gottes nach dem Maßstab der Zehn Gebote, die der Koran allerdings nicht als zusammenhängende "Tafel" aufführt. Beachtlich auch seine Forderung, sich den Armen zuzuwenden (Almosenpflicht).

Trennend bleibt: Für Christen hat sich Gott geoffenbart in einer Person, in Jesus, für Muslime dagegen in einem Buch; für jene ist er demnach geschichtlich erfahrbar, für diese in völliger Transzendenz verbleibend; für Christen ist Jesus Gottes Sohn, während dieser Glaube in muslimischen Augen eine "unvergebbare Sünde" darstellt; dem Islam als reiner Gesetzesreligion ist der Wille Gottes zur Erlösung - noch dazu aller Menschen - völlig fremd, nur einen Teil der Menschheit hält er für das - recht handfest ausgemalte - Paradies vorherbestimmt; schließlich fordert er keineswegs zur Feindesliebe auf.

Einer Verständigung der Religionen könne es nicht dienen, das Trennende einfach wegzulassen, meinte der Theologe. Es gelte vielmehr, das Gemeinsame in den Vordergrund zu rücken. Schwierig bleibt die Situation jedoch dadurch, dass es keine letztendscheidende islamische Lehr-Autorität gebe, sondern dass beispielsweise die einen Muslime (die allermeisten unter uns lebenden) den "Kampf um des Glaubens willen" als friedliche Anstrengung interpretieren, die andern - islamistisch - als wirklichen Krieg.

Dankbarer Applaus und eine angeregte Fragestunde im Anschluss beendeten den höchst gewinnbringenden Abend.

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