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Wertingen

22.08.2019

Ist ein Rechtsrock-Konzert in Wertingen geplant?

Die Band „Schanddiktat“ ist nach Informationen der Behörden im Raum Dillingen zuhause und gehört dem rechtsextremen Spektrum an.
Bild: Bernd Thissen , dpa (Symbol)

Plus Die Behörden sind alarmiert, die Stadt Wertingen hat ein Auftrittsverbot erlassen. Wer ist die Band "Schanddiktat"?

Eigentlich ist der Landkreis Dillingen und speziell die Stadt Wertingen in Polizeikreisen nicht als Hochburg von rechtem Gedankengut bekannt. Doch am Samstag und Sonntag gilt im Bereich der Verwaltungsgemeinschaft Wertingen eine besondere Allgemeinverfügung: „Nichtangezeigte Musikveranstaltungen unter dem Motto ‘Fünf Jahre RAC – fünf Jahre Schanddiktat’ und etwaige Ersatzveranstaltungen“ werden verboten.

„Schanddiktat“ ist eine Band aus dem rechten Spektrum, die laut Behördenangaben im Raum Dillingen verwurzelt ist. Songs der Band tragen Titel wie „Roter Dreck“ oder „Zerschlag deine Ketten“. Das Logo der Band, welches auf deren Facebook-Seite zu sehen ist, zeigt die Buchstaben „S“ und „D“ innerhalb eines Fadenkreuzes. Im Hintergrund sind Blitze zu sehen.

Auftrittsverbot als "Absicherungsmaßnahme" der Stadt Wertingen

Die Polizei habe Hinweise erhalten, dass in Wertingen am Wochenende ein Konzert der Band stattfinden könnte. Wo und wann genau, darüber könne man bei der Polizei keine Angaben machen, sagte ein Sprecher gegenüber unserer Zeitung. Es handele sich bei der Allgemeinverfügung um eine „Absicherungsmaßnahme“, welche die Stadt in Rücksprache mit der Polizei erlassen habe. Damit im Fall der Fälle ein entsprechendes Verbot auch durchgesetzt werden kann, sollen am Wochenende zusätzliche Polizeikräfte nach Wertingen kommen, heißt es weiter. Auch zu deren Anzahl gibt es von der Polizei keine genauen Angaben. Man werde diese aber auf jeden Fall bemerken, so der Sprecher.

Ist ein Rechtsrock-Konzert in Wertingen geplant?

Mehrere rechtsextreme Bands in Bayern aktiv

Die Band Schanddiktat wird von den Behörden als extremistisch eingestuft. Auf der Webseite der „Bayerischen Informationsstelle gegen Extremismus“ unter www.bige.bayern.de taucht der Name Schanddiktat in einer Aufzählung rechtsextremistischer Bands auf. Andere Gruppen aus dem Raum Schwaben und der Umgebung sind demnach „Sturmtrupp“ aus Neuburg an der Donau sowie „Kodex Frei“ aus dem Allgäu.

Als „Schanddiktat“ wird in der rechten Szene oft der Vertrag von Versailles bezeichnet, der Deutschland nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg von den Alliierten aufgezwungen wurde. Die Abkürzung R.A.C., welche in der Allgemeinverordnung ebenfalls erwähnt ist, steht meist für „Rock against Communism“, zu deutsch „Rock gegen Kommunismus“. In der rechten Szene dienen Kommunisten und andere „linke“ Gruppierungen neben Ausländern und dem Judentum oft als zentrales Feindbild.

Auf ihrer Facebook-Seite postete die Band „Schanddiktat“ am Donnerstagabend das Foto einer Bühne mit Instrumenten und darunter die Sätze „Mitteldeutschland statt bayern“, „Katz und Maus spiel gewonnen“ und „Freitag wird laut, sehr laut“. (mit bmi)

Die Allgemeinverfügung im Wortlaut:

1. In der Zeit vom 24. August 2019, 0 Uhr, bis einschließlich 26. August 2019, 0 Uhr, werden für den Bereich der Verwaltungsgemeinschaft Wertingen (Stadt Wertingen, Binswangen, Laugna, Villenbach, Zusamaltheim) alle nichtangezeigten Musikveranstaltungen unter dem Motto „ 5 Jahre RAC – 5 Jahre Schanddiktat 24.8) und etwaige Ersatzveranstaltungen verboten. 2. Für den Fall einer Zuwiderhandlung gegen das Verbot in Ziffer 1 wird das Zwangsmittel des unmittelbaren Zwangs angedroht. 3. Die sofortige Vollziehung der Ziffern 1 und 2 dieser Allgemeinverfügung wird angeordnet. 4. Die Allgemeinverfügung ergeht kostenfrei. 5. Diese Allgemeinverfügung gilt am Tag nach ihrer Bekanntmachung als bekannt gegeben.

Allgemeine Hinweise: 1. Gemäß Art. 41 Abs. 4 Satz 1 Bayerisches Verwaltungsverfahrensgesetz ist nur der verfügende Teil einer Allgemeinverfügung öffentlich bekannt zu machen. Die Allgemeinverfügung liegt mit Begründung und Rechtsbehelfsbelehrung im Ordnungsamt der Verwaltungsgemeinschaft Wertingen, Schulstraße 10, 86637 Wertingen (Zimmer-Nr. 7) aus. Sie kann während der allgemeinen Dienststunden von Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr und zusätzlich am Donnerstag von 14 bis 18 Uhr eingesehen werden. 2. Mit einer Geldbuße bis 1000 Euro kann belegt werden, wer der unter Ziff. 1 genannten vollziehbaren Anordnung zuwiderhandelt (vgl. Art. 19 Abs. 8 Nr. 2 Halbsatz 2 LStVG). 3. Für die Anwendung unmittelbaren Zwangs seitens der Polizei gelten die Vorschriften des PAG (Art. 58, 60).

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