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17.05.2019

Jasmin und Juliana wollen heiraten - müssen aber für ihre Liebe kämpfen

Jasmin (links) und Juliana sind zwei junge Frauen, die sich lieben. Die gemeinsam ihre Zukunft verbringen wollen – mit Haus und Kind. Seit knapp drei Jahren sind sie ein Paar.
Bild: Simone Bronnhuber

Plus Jasmin und Juliana aus Höchstädt sind seit drei Jahren ein Paar. Sie planen ihre Zukunft, wollen heiraten und Eltern werden - obwohl sie oft schiefe Blicke bekommen.

An diese eine Situation kann sich Jasmin sehr genau erinnern. Es ärgert sie bis heute. Und tut vielleicht sogar noch ein wenig weh. Die junge Frau war an diesem Tag mit ihrer damaligen Partnerin in der Augsburger Innenstadt unterwegs. Vor ihnen drehte sich eine Gruppe von Leuten um. Dann fiel der Satz: „Igitt, die sind lesbisch.“

Lesbisches Paar aus Höchstädt: "Es ist die große Liebe"

Ein Satz, der mitten ins Herz ging. Den Jasmin nicht vergisst, aber worüber sie mittlerweile nur noch den Kopf schütteln kann. „Die Leute sollen reden, was sie wollen. Aber sie können uns ja damit in Ruhe lassen“, sagt sie und lächelt. Denn glücklicherweise, so erzählt es Jasmin, habe sie seit ihrem Outing als 14-Jährige keine schlimmen Erfahrungen mit Diskriminierung aufgrund ihrer sexuellen Orientierung machen müssen. Auch, weil die selbstbewusste Bürokauffrau zu ihrer Liebe zu Frauen steht – vor allem zu ihrer zukünftigen Ehefrau Juliana.

Die beiden sind seit knapp drei Jahren ein Paar und leben fast genauso lange in einer gemeinsamen Wohnung in Höchstädt. „Ich habe sie auf einem Handyfoto gesehen und gewusst, dass ich sie will. Und was ich will, das kriege ich auch. Zumindest lasse ich nichts unversucht“, sagt die 23-jährige Jasmin und grinst. Freundin Juliana nickt kräftig und fügt hinzu: „Sie hat immer einen Plan, und der wird umgesetzt.“ Erfolgreich. Denn zwischen Kennenlernphase und Umzug nach Höchstädt lagen knapp drei Wochen. „Es ist die große Liebe“, sagt Jasmin. Die Frauen wünschen sich ein Häuschen, wollen heiraten und Eltern werden – im besten Fall in dieser Reihenfolge. „Wir wissen, dass es auch in der heutigen Gesellschaft immer noch nicht für alle normal ist. Es bräuchte tausende Tage im Jahr, um darauf aufmerksam zu machen. Aber ich glaube, selbst dann wird eine homosexuelle Beziehung nie von allen akzeptiert“, sagt die 28-jährige Juliana. Jedes Jahr wird am 17. Mai der Internationale Tag gegen Homophobie begangen.

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Während Jasmin sehr jung schon offen mit ihren Gefühlen für Frauen umgegangen ist, hat sich Juliana erst mit circa 18 Jahren richtig dazu bekannt. „Meine Geschwister wussten es schon längst, auch vor mir, und haben mir sehr geholfen und mich unterstützt“, erzählt sie. Auch die restliche Familie sowie die meisten Freunde und Bekannten hätten positiv reagiert. So war es auch bei Jasmin. „Nur unsere Muttis haben ein wenig gebraucht. Und meine Oma hat es nicht gleich kapiert, aber Opa hat sie dann aufgeklärt, dass es nicht nur einfach so Freundinnen sind“, erzählt die 23-Jährige.

Schiefe Blicke und dumme Sprüche

Trotzdem kennt das Paar auch andere Reaktionen. Schiefe Blicke, dumme Sprüche oder Getuschel – quer durch alle Altersschichten, Berufsgruppen und Geschlechter. Man gewöhne sich daran und ignoriere dieses Verhalten. Idioten, so formuliert es Jasmin, gebe es überall. „Aber natürlich gab es auch diese Momente, in denen man überlegt, ob etwas mit einem nicht stimmt. Ob es vielleicht doch nur eine Phase ist. Man muss sich als homosexuelles Paar seine Liebe etwas mehr erkämpfen. Das ist auch heute noch so“, sagt Juliana. Auch Jasmin kennt Selbstzweifel und Komplexe. „Ich habe mich früher auch gefragt, ob ich falsch bin“, sagt sie und fügt vehement hinzu: „Aber das sind wir natürlich nicht. Warum auch?“

Bleiben die typischen Vorurteile und Klischees. Wer ist der Mann in der Beziehung? Spielen alle lesbischen Frauen Fußball? Jasmin und Juliana kennen alle Kategorien. „‚Kampflesbe‘ nicht vergessen“, fügen die Höchstädterinnen schmunzelnd hinzu. Ob sie eine Schublade bedienen? Jasmin drückt es so aus: „Jede von uns hat ihre Weibersachen und jede von uns hat ihre Männersachen. Wie überall.“ Dass sie sich gerne schminkt und Juliana nicht, die eine lange, die andere kurze Haare hat und Jasmin das Blümchen-T-Shirt und Juliana die zerrissenen Jeans trägt – „Zufall. Was hat das mit unserer Homosexualität zu tun? Wir sind einfach glücklich.“

Ein Thema liegt den beiden im Magen

Es gibt nur ein Thema, das beiden im Magen liegt. Das sie, wie sie sagen, belastet. Die Kinderplanung. Denn dann sind auch im Jahr 2019 einer gleichgeschlechtlichen Beziehung Grenzen gesetzt. Zwar ist sich das Paar einig, dass Jasmin ein eigenes Kind austragen will – der Weg dorthin ist nicht so einfach, nach der Geburt muss Juliana das Kind erst adoptieren, um rechtlich als Elternteil eingetragen zu werden. Trotz Status verheiratet. Was den zwei Frauen mehr Sorgen bereitet: Wie geht ihr Kind mit der Situation um? „Das ist zwar alles noch weit weg und sehr theoretisch, aber natürlich machen wir uns Gedanken darüber, ob unser Kind wegen unserer Liebe gemobbt wird. Spätestens im Kindergarten kommen Fragen“, sagt Juliana. Darauf wollen sie vorbereitet sein. „Wenn einfach keiner in einen anderen Haushalt reinschauen würde, dann wäre schon viel geholfen. Wir hatten Glück, weil unsere Familien, Freunde und Arbeitskollegen hinter uns stehen und wir uns auch hier in Höchstädt und im Landkreis wohlfühlen. So problemlos läuft es aber nicht bei allen, und ich glaube, dass es vor allem schwule Männer oft noch schwerer haben“, sagt Juliana. Erst recht beim Thema Kinder.

Dabei hätten doch alle Paare, hetero- oder homosexuell, eines gemeinsam: Sie lieben sich. So wie Jasmin und Juliana.

Kürzlich hat ein anderes lesbisches Paar aus dem Landkreis darüber gesprochen, wie tolerant die Region ist (Plus+).

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