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Inklusion

21.05.2019

„Jeder Mensch hat Stärken“

Was 160 Einrichtungsleiter und Fachkräfte aus Werkstätten in Dillingen für behinderte Menschen fordern

In Dillingen diskutierten rund 160 Einrichtungsleiter und Fachkräfte aus Werkstätten für behinderte Menschen aus ganz Bayern über die Ansprüche und Wirklichkeit der beruflichen Bildung für Werkstattbeschäftigte. Hans Horn, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für behinderte Menschen, eröffnete den Bayerischen Werkstättentag. Er betonte, dass mit der Bildung der Grundstein für die berufliche Zukunft gelegt werde. Ihm ist es laut Pressemitteilung wichtig, dass das lebenslange Lernen als Grundlage für beruflichen Erfolg auch in den Werkstätten umgesetzt wird.

Oberbürgermeister Frank Kunz lobte den regionalen Wertschöpfungsbeitrag der Werkstätten der Lebenshilfe und Regens-Wagner-Stiftung Dillingen; damit werde die örtliche Wirtschaft gestärkt. Bezirkstagsvizepräsidentin Barbara Holzmann begrüßte die Eigeninitiativen der Werkstätten im Hinblick auf die Standardisierung der beruflichen Bildung und das Entwickeln neuer Konzepte, wie etwa um Helfer für die Altenpflege auszubilden. „Es gibt viele gute Vorlagen und Konzepte, wie Bildung für Menschen mit Behinderungen gut organisiert werden kann“, war Wolfgang Beuchel, Bezirksarbeitskreissprecher der Werkstätten in Schwaben, überzeugt. Elisabeth Kienel und Bianca Hanselmann, die als Vorsitzende der LAG Werkstatträte Bayern über 40000 Werkstattbeschäftigte vertreten, forderten ein vielfältiges Angebot an Ausbildungsberufen in Werkstätten und mehr Flexibilität, um von einer zu einer anderen Werkstatt wechseln zu können. Dazu sollten alle möglichen Hilfestellungen gegeben werden.

Jochen Walter, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der BAG WfbM und Vorstand der Stiftung Pfennigparade, mahnte: „Eine ‚in sich ruhende‘ und nicht in die Vernetzung mit der Außenwelt eingebettete, intransparente oder grundsätzlich an der Inklusion uninteressierte berufliche Bildung ist weder strukturell noch prozessual vorstellbar. Wir müssen die persönliche und berufliche Weiterentwicklung der Beschäftigten mit modernen Konzepten fördern.“ Dieter Körber, Geschäftsführer der Mainfränkischen Werkstätten in Würzburg, hat die harmonisierten Bildungsrahmenpläne der BAG WfbM praxisorientiert an den Bedarf in seinen Werkstätten angepasst; er bestätigt: „Die Anschlussfähigkeit an die Berufsausbildung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt sollte unser oberstes Ziel sein.“ Christian Munz und Stefan Heigl von der IHK Schwaben versicherten: „Jeder Mensch hat Stärken, die es zu entdecken gilt. Ideal wäre es, wenn man auf dieser Basis nach dem passenden Berufsbild sucht.“ Katja Schweinberger und Evelyn Reffler von den Unterallgäuer Werkstätten in Memmingen bilden nach dem Motto aus: „Sagst du es mir, so vergesse ich es, zeigst du es mir, so merke ich es mir, lässt du mich teilnehmen, so verstehe ich es.“

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Uwe Runnwerth, Leiter der Regens-Wagner-Werkstätten in Dillingen, sagte: „Wir von Regens Wagner schöpfen aus der Erfahrung von 172 Jahren Begleitung, Bildung und Arbeitsangeboten für Menschen mit den unterschiedlichsten Unterstützungsbedarfen.“ Insgesamt 238 Erwachsene in Werkstätten und Förderstätte können nach ihrem jeweiligen Entwicklungsstand aus einem vielfältigen Angebot unterschiedlicher Tätigkeitsbereiche wählen, etwa in der Druckerei oder in der Insektenhotel-Manufaktur, in der jedes Detail liebevoll per Hand selbst hergestellt wird. Dadurch werden spielend handwerkliche Fertigkeiten geschult. Die Werkstatt biete auch ausgelagerte Arbeitsplätze an und kooperiere dazu mit mehreren Unternehmen im Dillinger Raum. Darüber hinaus komme der gesellschaftliche Austausch durch gemeinsame Veranstaltungen, Projekte und Bildungsmaßnahmen nicht zu kurz. Die Kunst- und Kulturkneipe Chili sei ein beliebter Treffpunkt in Dillingen. So werde Inklusion im Alltag gelebt.

Die Nordschwäbischen Werkstätten der Lebenshilfe Dillingen bieten seit 1973 verschiedenste Betätigungsfelder für Menschen mit unterschiedlichsten Beeinträchtigungen an. Dominik Kratzer, Geschäftsführer, erklärte: „Aktuell werden an den beiden Standorten in Dillingen-Hausen und Wertingen rund 430 Menschen mit intellektuellen und/oder körperlichen Einschränkungen und/oder psychischen Erkrankungen beschäftigt.“

Gemäß dem Motto „Menschen brauchen Chancen“ widmen sich rund 130 Angestellte tagtäglich der Aufgabe, ein vielfältiges, abwechslungsreiches, aber auch forderndes Arbeitsangebot anzubieten und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass die Werkstätten auch Orte der Begegnung und Rehabilitation sind. Zusammen mit der Lebenshilfe Donau-Ries betreibt die Lebenshilfe Dillingen die Inklusionsfirma Roko GmbH, die wiederum zwei CAP-Lebensmittelmärkte und die Cafesitobar betreibt. Damit bieten sie Werkstattbeschäftigten die Möglichkeit, in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis zu wechseln. (pm)

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