1. Startseite
  2. Lokales (Dillingen)
  3. Jeder findet jetzt einen Steinpilz

Wertingen

16.09.2020

Jeder findet jetzt einen Steinpilz

Diesen Riesensteinpilz hat der Wertinger Johann Ullmann dieser Tage im Wald gefunden. Sein Schirm hat einen Durchmesser von 20 Zentimeter, und der Pilz ist 27 Zentimeter hoch. „Ich gehe schon seit meiner Jugend jedes Jahr in die Pilze, so ein Riesenexemplar habe ich noch nie gefunden“, sagt Ullmann fasziniert.
2 Bilder
Diesen Riesensteinpilz hat der Wertinger Johann Ullmann dieser Tage im Wald gefunden. Sein Schirm hat einen Durchmesser von 20 Zentimeter, und der Pilz ist 27 Zentimeter hoch. „Ich gehe schon seit meiner Jugend jedes Jahr in die Pilze, so ein Riesenexemplar habe ich noch nie gefunden“, sagt Ullmann fasziniert.

Plus Der Wertinger Pilzexperte Jochen Stolle erlebt eine solche Schwemme zum ersten Mal. Er erzählt davon, wie sich diese bereits angedeutet hat, was zu beachten ist und was die diesjährigen Steinpilze besonders auszeichnet

Ein Herbstwald mit Pilzen in Hülle und Fülle. Ein 92-Jähriger, der angesichts dieser Pracht nochmals selbst mit in die Pilze gehen muss. Bilder von Steinpilzen riesigen Ausmaßes. – Jeden Tag erreichen uns derzeit Mitteilungen und Bilder von WZ-Lesern. Die diesjährige Pilzsaison scheint eine besondere zu sein. Was daran so außergewöhnlich ist, erklärt Wertinger Pilzexperten Jochen Stolle. Der 73-Jährige macht in dem Interview Geschmack auf einen Waldspaziergang.

Ist das Jahr 2020 ein Pilzjahr?

Jochen Stolle: Es ist auf jeden Fall ein Jahr mit einer Steinpilzschwemme. Eine solche erlebe ich derzeit das erste Mal.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Wann haben Sie dieses Jahr den ersten Steinpilz im Wald gefunden?

Stolle: Anfang Juni waren die ersten Steinpilze da, in einer 1a-Qualität. So früh waren die Sommersteinpilze in meiner Erinnerung noch nie da. Dann herrschte eine Weile Ruhe.

Um dann in großer Vielfalt wiederzukommen...

Stolle: Vor etwa 14 Tagen ging es los. Wir waren im Urlaub, als wir zurückkehrten, ging es gleich in den Wald. Der war voll mit Steinpilzen.

Woran liegt’s? War eine solche Steinpilzschwemme vorhersehbar?

Stolle: Es hatte sich zumindest angedeutet. Vergangenes Jahr war auch schon ganz gut. Das Wetter in den vergangenen Tagen war einfach optimal, morgens neblig-feucht, anschließend warm. Davor war es eindeutig zu trocken.

Gibt es dieses Jahr nur sehr viele oder auch sehr gute Steinpilze?

Stolle: Bis vor kurzem konnte man wirklich von optimaler Qualität sprechen. Selbst bei den großen Exemplaren, die die Pilzsammler fanden. Jetzt finden die Menschen teilweise wahnsinnig große Exemplare, deren Qualität natürlich nicht mehr optimal ist.

Woran erkennen Sie die Qualität eines Pilzes?

Stolle: Einen großen Pilz mit einem weichen Hut lasse ich beispielsweise von vorneherein stehen. Der soll aussporen und Enkel bekommen. Grundsätzlich nehme ich die Pilze stets sauber aus dem Wald mit, sprich ich putze sie gleich vor Ort, entferne Madengänge und lasse die Reste im Wald zurück.

Was empfehlen Sie neben der Sauberkeit noch für die Aufbewahrung?

Stolle: Auf keinen Fall mit einem Plastikbehälter in den Wald gehen, sondern die Pilze am besten in einem luftigen Korb transportieren. Sonst sind die Pilze womöglich schon verdorben, bis man zuhause ankommt. Und sehr viele Pilzvergiftungen entstehen durch verrottete Pilze, wenn das Eiweiß verdirbt und sich Fäulnisstoffe bilden.

Apropos Pilzvergiftungen – wie gefährlich ist es, einen Steinpilz mit einem ähnlichen Artgenossen zu verwechseln?

Stolle: Steinpilze und Gallenröhrlinge haben Ähnlichkeiten. Grundsätzlich unterscheiden sie sich in der Farbe, wobei hier eine gewisse Erfahrung dazu gehört.

Was passiert, wenn man versehentlich einen Gallenröhrling erwischt?

Stolle: Er ist nicht giftig, aber ungenießbar, sprich bitter. Grundsätzlich sollte man nur solche Pilze nehmen, die man sicher kennt, beziehungsweise einen Experten die Pilze durchschauen lassen. Auch zu mir kommen da immer wieder Menschen. Erst diese Woche hatte eine Familie zwei Gallenröhrlinge in ihrem Korb voller Steinpilze. Es waren keine geübten Pilzgänger.

Heißt das, dieses Jahr gehen viele Menschen zum Pilzesammeln?

Stolle: Durch die vielen und großen Steinpilze gehen die Leute in den Wald, und jeder findet was.

Nur Steinpilze, oder auch andere?

Stolle: Im Moment überwiegen bei den essbaren Pilzen die Steinpilze. Vor ein paar Jahren wuchsen dagegen beispielsweise überall die Herbsttrompeten in den Buchenwäldern – ein Würzpilz mit einem ganz eigenen Aroma, den auch die Wildschweine sehr schätzen. Herbsttrompeten sind heute nur noch sporadisch zu finden. Doch ich habe natürlich getrocknete zuhause.

Trocknen ist damit die eine Variante, um Pilze aufzubewahren. Gibt es dazu auch Alternativen?

Stolle: Steinpilze kann man auch gut roh einfrieren – wie alle anderen Pilze, die auch roh verzehrbar sind. Das ist praktisch. Allerdings halten sie nicht so lange, maximal sechs bis acht Monate. Dann lässt der Geschmack deutlich nach. Getrocknet halten sie dagegen Jahre.

Und wie kommen Sie dann bei Ihnen auf den Teller?

Stolle: Ich persönlich halte nicht soviel von einem Pilzgulasch. Ich habe Pilze am liebsten als Geschmacksverstärker in einer Soße. Vor allem Wild und Pilze passen super zusammen. Meine Lehrmeisterin hat immer gesagt, in ein Gericht gehören sieben verschiedene Pilze – das Zusammenspiel der Aromen macht es aus.

Gibt es denn außer Steinpilzen dieses Jahr überhaupt noch andere Pilze?

Stolle: Im Moment nicht viel. Aber das wird hoffentlich noch kommen.

(Interview: Birgit Hasan)

Lesen Sie außerdem:


Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren