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Jeder sollte einen Organspenderausweis haben

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Kommentar Von Cordula Homann
02.06.2018

Jeden Tag sterben Menschen, weil es zu wenig Spenderorgane gibt. Wer noch zweifelt, sollte sich in die Lage der Betroffenen hineinversetzen.

Jeden Tag sterben drei Menschen, weil kein passendes Organ für sie gefunden wurde. Parallel dazu warten mehr als 10000 Menschen in Deutschland auf ein Spenderorgan. In keinem anderen Bundesland gibt es nach den Zahlen der Deutschen Stiftung für Organtransplantation (DSO) mehr Organspender als in Bayern. 143 Menschen aus dem Freistaat haben 2017 ein Organ gespendet. Dort ist die Zahl der Spender gestiegen, bundesweit ist sie aber gesunken, mit 797 Spendern sogar auf einen neuen Tiefpunkt.

Die große Diskrepanz zwischen Wartenden und Spendern erklärt sich durch die Zustimmungslösung, die in Deutschland gilt. Das heißt, als Organspender kommt nur in Frage, wer sich zu Lebzeiten dazu entschieden hat. Das Transplantationsgesetz schreibt den Hirntod als Voraussetzung für die Entnahme von Organen zwingend vor. In anderen Ländern, etwa in Spanien, Frankreich und in den Niederlanden, gilt die Widerspruchslösung: Wer nicht widerspricht, wird mit 18 Jahren automatisch als Spender registriert. Wer das ablehnt, muss sich melden. In Spanien kommen so 47 Spender auf eine Million Einwohner. Das Land ist europaweit Spitzenreiter. In Deutschland sind es weniger als zehn Spender pro eine Million Einwohner.

Dabei müsste man in Deutschland doch nur einen Organspendeausweis ausfüllen. Doch mehr als die Hälfte der Deutschen hat keinen. Für manche Menschen kommt das aus religiösen oder ethischen Gründen nicht in Frage. Doch die Mehrheit der deutschen Krankenversicherten sieht das anders: Sie ist laut einer aktuellen Umfrage der Krankenkasse Barmer für eine grundsätzliche Organspendepflicht.

Doch bis dahin ist es ein weiter Weg. Zur nächsten Apotheke ist er kürzer. Dort gibt es die Organspendeausweise. Jeder, der es mit seinem Gewissen vereinbaren kann, sollte einen haben. Wer noch zweifelt, sollte einfach mal darüber nachdenken, er wäre in der Lage von Heinz Dengel. Nierenversagen kann jeden treffen, vom Säugling bis zum Greis. Wie das ist, kann man sich kaum vorstellen. Aber das schon: Wäre man in so einem Fall nicht auch froh, wenn sich schnell ein Spender fände?

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