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Dillingen

03.12.2019

Joe Hieger verzaubert das Dillinger Publikum

Das Orchester Joe Hieber und der Chor Cantino auf der Bühne des Stadtsaals.
Bild: Erich Pawlu

Plus Beim Weihnachtskonzert im Stadtsaal in Dillingen nehmen die Musiker das Publikum auf eine besondere Reise mit. Und die Emotionen schaukeln hoch.

Zuerst war die Bühne in kaltes Blaulicht getaucht. Aber nachdem sich der Stadtsaal mit Besuchern fast restlos gefüllt hatte, flammte hinter dem geöffneten Vorhang warmes Weihnachtslicht auf. Zwei Stunden lang trug die sensible Beleuchtung der Szenen dazu bei, dem Konzert mit dem Orchester Joe Hilger die innige Atmosphäre zu sichern.

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20 Programmnummern an einem Abend

Mit vier Gesangssolisten, dem „Chor Cantino“ und einem Kammerorchester stimmte dieser Abend auch den widerspenstigsten Prosaiker auf das große Fest ein. Das lag einerseits an der künstlerischen Perfektion der Sänger und Instrumentalisten, andererseits an der wirksamen Auswahl der 20 Programmnummern. Vom einfachen Weihnachtslied bis zum pop-rhythmisierten Jubel spannte sich der Bogen dieser Demonstrationen musikalisierter Festvorfreude. Da der deutsche Liedvorrat in diesem Themenbereich trotz dichterischer Produktivität stark begrenzt ist, griff Joe Hieger auf die Angebote unserer angelsächsischen Freunde zurück.

So wurde auch Michael Jackson mit „Heal the World!“ zum Botschafter der jahreszeitlich gebotenen Friedfertigkeit. Es war verständlich, dass sich auch dieses Weihnachtskonzert vor der Präsentation übersteigerter Gefühlsäußerungen nicht schützen konnte. Schon seit der Romantik gehört Sentimentalität zu den Zutaten, wenn es um die Schilderung weihnachtlichen Zaubers geht. Aber die mehrfachen Annäherungen an kitschige „Wonderland“-Visionen waren im Stadtsaal leicht auszuhalten, weil das künstlerische Niveau zusammen mit der perfekten Koordination von Gesang und orchestraler Begleitung alle Peinlichkeiten überwand.

Standing Ovations konnten die Gesangsolisten im Dillinger Stadtsaal genießen: Von links: Matthias Heimbach. Hanna Vogt, Regina Hellmann und Gerhard Hieger.
Bild: Erich Pawlu

Dieser Abend verzichtete auch auf Krach und Lärm, den musikalischen Trümpfen unserer Zeit. Im Gegenteil: Der Schlagzeuger saß hinter einer gläsern wirkenden Schallmauer aus Plastikfolie, sodass auch seine Signale dem „Spirit of Christmas“ sehr sanft dienten.

Viele Zuhörer mögen während des Konzertablaufs von einem Gefühl des Stolzes ergriffen worden sein, weil die Mitglieder von Chor und Orchester fast ausnahmslos aus der Region stammen. Auch Tenor Matthias Heimbach. Mitglied im Extrachor des Stadttheaters Augsburg, ist in Höchstädt aufgewachsen.

Dirigent, Musiker und Kopf der Veranstaltung: Joe Hieger.
Bild: Erich Pawlu

Bariton Gerhard Hieger, Bruder des Dirigenten, kam in Donauwörth zu Welt. Zusammen mit Hanna Vogt (Sopran) und Regina Hellmann (Mezzosopran) traten die Sängerinnen und Sänger einzeln, im Duett, im Terzett und am Schluss sogar als Quartett auf. Das langförmige Mikrofon vor ihrem Mund wirkte zwar manchmal wie ein in Stellung gebrachtes Sektglas und als gesichtsverdeckende Halbmaske.

Ausgezeichnete Solisten singen

Aber das schadete nicht der Qualität der Darbietungen. Scheinbar mühelos und mit abgestufter Aussendung von Emotionen gaben sie den zumeist liedhaften Halleluja-Botschaften ein charakteristisches Profil. Lyrische Song-Äußerungen wie „Ich geh wunschlos ins neue Jahr. / Was will ich mehr? Du bist ja da“ oder die Mitteilung „Ein Jahr ist schnell vorüber“ wurden durch die Harmonie und die hohe Qualität von Vokal- und Instrumentalstimmen zu Grundlagen echter musikalischer Verzauberung. Die damit entstandene Atmosphäre respektierte auch der in Wertingen lebende Moderator Gerhard Hackenbuchner, indem er auf Plaudereien verzichtete und sich auf die Ankündigung der jeweils nächsten Zaubernummer beschränkte.

Auch Helene Fischer ist dabei

Und dennoch wandte sich am Schluss die vorweihnachtliche Träumerei schon ein bisschen der draußen wartenden Realität zu. Angefangen hatte die Vortragsfolge mit vertonten Bibeltexten und am Ende erklärte das Solistenquartett im A-Cappella-Stil und mit dem von Helene Fischer bekannt gemachten Lied „Die Rose“ das Phänomen der Liebe: „Für mich ist sie eine Rose, für dich ein Dornenstrauch.“ Aber auch dieser Hinweis auf vielfach erlebte Wirklichkeit riss die Zuhörer von den Sitzen, sodass sich Dirigent Joe Hieger ganz zum Schluss mit vollem Recht für den „tollen Beifall“ bedanken konnte.

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