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Vertriebene

17.09.2012

Johann Böhm: „Nur Erinnerung befreit“

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Beim Landestreffen der Egerländer in der Brenzhalle Gundelfingen trat der Landeschor Bayern der „Eghalanda Gmoin“ unter Leitung von Hannelore Lux auf.

Landestreffen des Landesverbandes der Egerländer in der Brenzhalle

Gundelfingen „Man lernt aus der Vergangenheit. Es ist ein schmerzliches Erlebnis für Vertriebene, wenn gefordert wird, ihr Schicksal zu vergessen. Vergessen führt zur Wiederholung der Untaten.“ Mit diesen Worten unterstrich Landtagspräsident a.D. Johann Böhm in der Gundelfinger Brenzhalle die Berechtigung von Jubiläumsfeiern der Vertriebenenverbände.

Die Egerländer in Bayern hatten einen doppelten Grund für ihre Festveranstaltung in Gundelfingen: Das 31. Landestreffen in der Brenzhalle erinnerte zugleich an das 60-jährige Bestehen des Landesverbandes und der Egerland-Jugend in Bayern. Nach einem Festgottesdienst mit Monsignore Karl Wuchterl, Edling, als Hauptzelebranten und einer bewegenden Predigt von Gundelfingens Pfarrer Johannes Schaufler versammelten sich rund 400 Teilnehmer in der Brenzhalle. „Landesvüastäiha“ Helmut Kindl hatte in Zusammenarbeit mit Felix Vogt-Gruber, dem Bezirks- und Ortsobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft, den Programmablauf hervorragend vorbereitet. Gundelfingens Bürgermeister Franz Kukla erinnerte mit seiner Begrüßung an die Bedeutung der Heimatvertriebenen für die Entwicklung Gundelfingens. Vieles, was in der Nachkriegszeit geschaffen wurde, habe ihre Handschrift getragen.

Im Egerländer Dialekt trug der Landeschor Bayern unter der Leitung von Hannelore Lux die Lieder „Ich woiß wou a Dörferl“ und „’s Hoimatgfühl“ vor. Mit typisch böhmischer Blasmusik, die durchdrungen ist von terzengestützter Melodienseligkeit, sorgte auch die Egerländer Blaskapelle Waldkraiburg unter der Leitung von Anton Lenhart für heimatverbundene Atmosphäre.

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Helmut Kindl, der die Veranstaltung moderierte, überbrachte die Grüße der bayerischen Staatsministerin Christine Haderthauer. Zusammen mit Bürgermeister Kukla hatte sie die Schirmherrschaft über das Landestreffen übernommen. Stellvertretender Landesvorsitzender Hermann Malechowsky, Horgau, vermittelte im Egerländer Dialekt einen Überblick über die Geschichte der „Eghalanda Gmoin“.

Das Egerland war in der Brenzhalle auch bildlich präsent. An der Stirnseite des Saals zeigte ein Gemälde die Häusergruppe um den Marktplatz von Eger und an der Seitenwand waren die Wappen der Egerländer Landkreise zu sehen. Landrat Leo Schrell bestätigte den Vertriebenen einen hohen Anteil an der heutigen wirtschaftlichen Stärke des Landkreises Dillingen, der allein in der zweiten Hälfte des Jahres 1946 mehr als 28000 Menschen aus dem Sudetenland und anderen Ostgebieten aufzunehmen hatte.

Besonders starken Beifall erhielt Landtagspräsident a.D. Johann Böhm für seine Kritik an der Forderung, man solle die Vergangenheit ruhen lassen und sich der Zukunft zuwenden. Die Nichtbetroffenen, so sagte Böhm, neigten dazu, den Blick abzuwenden, sobald in einem Gespräch das Stichwort „Vertreibung“ falle. Man bedaure häufig nicht die Opfer, sondern habe Verständnis für die Täter. Stalins Hoffnung, dass Millionen Vertriebene zu einem Unruheherd und schließlich zu Wegbereitern einer kommunistischen Revolution werden könnten, habe sich nicht erfüllt, die Heimatvertriebenen hätten damals nicht demonstriert, sondern mit ihrer Arbeit einen wesentlichen Beitrag zur Stabilität der jungen Bundesrepublik geleistet. Jubiläen mit Rückblicken auf die Geschichte hätten eine wichtige Funktion. „Denn nur die Erinnerung befreit.“

Zu Ende ging das Landestreffen mit einem abwechslungsreichen „Kulturnachmittag“, bei dem auch Landesjugendführerin Silke Schalk ein Grußwort sprach.

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