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Gundelfingen

10.12.2019

Josef Kränzle züchtet seine eigenen Christbäume

Josef Kränzle züchtet seine eigenen Christbäume. Auf der Plantage bei Echenbrunn wachsen zehn verschiedene Sorten, darunter ausgefallene Arten wie die Kolorado-Tanne. Die hat eine ganz besondere Eigenschaft.
Bild: Jonathan Mayer

Plus Auf einer eigenen Plantage züchtet Josef Kränzle bei Echenbrunn seit vielen Jahren Tannen, Fichten und Co. Er weiß, worauf es ankommt – und hat seine ganz eigene Erklärung, wieso die Bäume immer schmäler werden.

Landkreis Wenn man um diese Jahreszeit mit Josef Kränzle über sein liebstes Hobby spricht, fallen schon mal Sätze wie dieser: „Das hier ist ein richtiges Scheißgeschäft.“ Die Temperaturen liegen unter dem Gefrierpunkt, der Boden ist gefroren. Auf Kränzles Christbaumplantage liegen überall verteilt abgesägte Tannen, die noch zum Verkaufsort in Echenbrunn gebracht werden müssen. Andere wiederum stehen fest verwurzelt – noch.

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Zu Fuß jagt der Mann mit Hut und blauer Jacke über seine sechs Hektar große Plantage nahe Echenbrunn. „Da wächst eine Blaufichte. Das ist eine Kolorado-Tanne und da drüben steht eine amerikanische Küstentanne“, erklärt er hastig und zeigt auf die Bäume. Das Besondere an Letzteren: Wenn man an den Nadeln reibt, riechen die Hände nach Citrus. „Wenn man den Baum ins Wohnzimmer stellt, riecht der ganze Raum danach.“

Die Plantage erinnert an vielen Stellen an einen Wald

Zahllose Bäume wachsen auf seiner Plantage. Alle müssen umsorgt, gepflegt, notfalls entsorgt werden. Wie viele es sind, weiß wohl niemand. An manchen Stellen aber erinnert das Gelände an einen Wald. Kränzle sieht hier vor allem eines: Arbeit. Unter Züchtern, sagt der hauptberufliche Fenster- und Fassadenbauer, gebe es ein Sprichwort, das lautet: „Der ist doch mit seinen Bäumen verheiratet.“ Kränzle gibt grinsend zu: „Davon bin ich nicht mehr weit entfernt.“

Josef Kränzle züchtet seine eigenen Christbäume

Seit mehr als 40 Jahren züchtet er schon Christbäume. Angefangen hat alles im Jugendalter, auf einem Feld im Pfannental. Wieso es ausgerechnet Tannen und Fichten wurden, kann sich der 56-Jährige heute selbst nicht mehr so recht erklären: „Ich hab halt was gesucht, was ich machen kann.“ Heute sind die Bäume seine Leidenschaft. Kränzle führt eine der größten und bekanntesten Plantagen in der Region, hat sogar Hilfsarbeiter angestellt. Die Kunden des Christbaumstadels kommen aus dem Landkreis, aus Heidenheim, sogar aus Kaufbeuren und von noch weiter her.

Damit die Bäume auch Wohnzimmer-tauglich wachsen, hat sich Kränzle einige Tricks einfallen lassen: So werden sie regelmäßig an ihrer Spitze angeritzt, wenn diese eine gewisse Länge erreicht hat. Dadurch wird das Höhenwachstum eingeschränkt und die Äste treiben zur Seite aus. So wachse der Baum gleichmäßig in die Höhe und in die Breite. Tanzt ein Ast mal aus der Reihe und wächst in die falsche Richtung, wird er mit speziellen Greifstäben korrigiert. Um die Bäume zu schützen, hat Kränzle einige weitere Tricks auf Lager. Etwa die kleinen, an mikadostabähnlichen Stangen angebrachten Windräder: Ihre silberne Farbe reflektiert im Sommer das Sonnenlicht. So vertreibt der Züchter Vögel, die sich sonst auf die Baumspitzen setzen und diese abbrechen könnten. Alle 50 Meter ragen zudem fünf, sechs Meter hohe Hecken über den Großteil der Bäume hinweg. Den Trick hat sich Kränzle bei Züchtern in Dänemark abgeschaut: Sie sollen verhindern, dass der Wind durch die Baumreihen peitscht. „Sonst wachsen sie schief. Das will niemand.“

Auf Kränzles Plantage kann sich jeder seinen Wunschbaum in Ruhe aussuchen, noch bevor er gefällt wird. Die Kunden kommen einfach vorbei und hängen in Klarsichthülle gepackte Zettel mit ihrem Namen an einen Ast, um den Baum zu reservieren. Bis der richtige ausgewählt ist, kann es auch mal dauern: Manch einer nehme sich dafür auch mal ein paar Stunden Zeit: „Die sehen einen Baum, markieren ihn und fünf Minuten später finden sie schon den nächsten. Der gefällt ihnen dann noch besser“, erzählt er und lacht wieder. Die Bäume holen die Kunden später in Echenbrunn ab.

Mit kleinen Windrädern verscheucht der Züchter Vögel.
Bild: Jonathan Mayer

Jetzt in der Vorweihnachtszeit brummt das Geschäft, wie bei allen Christbaumverkäufern in der Region. Am kommenden Wochenende erwarten sie die meisten Kunden. Die Erklärungen dafür sind unterschiedlich: Kränzle sagt, damit der Baum möglichst lange hält, sollte er zehn Tage vorher geschlagen werden. Und Alexander Spengler, der gemeinsam mit seinem Bruder Ulrich den gleichnamigen Pflanzenhandel führt, sagt: „Kurz vor knapp kaufen die wenigsten.“

Die Kunden wollen Tannen aus der Region

Einen Trend erkennen die Händler beim Christbaum nicht: Nach wie vor seien Nordmanntannen besonders beliebt. Spengler verkauft deshalb ausschließlich solche Bäume, importiert aus Dänemark. „Die Nordmanntanne hält am längsten“, begründet er. Es gebe zudem einige Kunden, die die Bäume eingetopft kaufen, um sie im neuen Jahr in den Garten zu pflanzen. Auch bei Garten Reiter in Wertingen steht die Nordmanntanne hoch im Kurs. Dort stammen die Bäume aus dem Steigerwald. „Unsere Kunden wollen regionale Tannen, die nicht durch ganz Europa gefahren werden“, erklärt Co-Geschäftsführerin Stefanie Reiter. Deshalb heißen ihre Bäume auch „Frankentannen“.

Kränzle wiederum glaubt, bei seinen Kunden eine Tendenz erkannt zu haben: Die Bäume werden schmäler. Warum? „Wenn der Fernseher immer größer wird, ist weniger Platz für den Christbaum.“ Außerdem müsse es nicht immer der perfekte Baum sein. Manche seiner Kunden, kauften bewusst „hässliche“ Bäume, die beispielsweise schief gewachsen sind. „Das sind wahrscheinlich nur zehn bis 15, aber es gibt sie.“

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