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Landkreis Dillingen

24.01.2020

Jung, weiblich, politisch engagiert

Fünf junge Frauen aus dem Landkreis berichten von ihren Erfahrungen in der Politik.
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Fünf junge Frauen aus dem Landkreis berichten von ihren Erfahrungen in der Politik.
Foto: Mathias Wild

Plus Politik ist altmodisch, uninteressant und unsexy? Fünf junge Frauen aus dem Landkreis beweisen das Gegenteil. Welche Erfahrungen sie gemacht haben.

Knapp 100 Jahre ist es her, dass Frauen das Wahlrecht in Deutschland erhalten haben: ein großer Meilenstein auf dem Weg zur Gleichberechtigung. Inzwischen ist viel passiert. Doch in der Politik sind Frauen noch immer verhältnismäßig unterrepräsentiert. Und das, obwohl mit Angela Merkel seit 2005 eine Frau Bundeskanzler ist. Im Bundestag beträgt der Frauenanteil knapp 30 Prozent, auf der Landesebene sind es in Bayern rund 27 Prozent. Und auf kommunaler Ebene? Da tut sich der Landkreis Dillingen bisher noch etwas schwer. Viele Gemeinde- und Stadträte sind nach wie vor von Männern dominiert. In Ziertheim und Lutzingen sind aktuell sogar gar keine Frauen am politischen Geschehen beteiligt (wir berichteten).

Wieso man sich in der Heimat engagieren sollte

Ob sich Frauen nicht trauen, sich politisch zu engagieren, oder sich nicht dafür interessieren, weiß auch die 22-jährige Sophie Pranghofer (FDP) aus Dillingen nicht. Sie selbst landete durch ihren Vater vor zwei Jahren in der Politik. „Ich habe mir gewünscht, dass unsere Generation mitreden darf und in wichtigen Fragen gehört wird“, erzählt sie.

Die Lehramtsstudentin steht aktuell sogar auf der Stadtratsliste der FDP für Dillingen. „Als ich gefragt wurde, ob ich mir das vorstellen könnte, war ich sofort begeistert“, sagt Pranghofer. Junge Frauen wie sie seien im Ortsverband der FDP eher selten. Dass ihr Vater schon zuvor in der Partei aktiv gewesen sei, habe ihr anfangs sehr geholfen. Auf die Frage, warum sie sich politisch engagiere, hat die 22-Jährige eine klare Antwort: „Ich möchte unsere Heimat gestalten und für die junge Generation bei Entscheidungen mitwirken.“

Wie Frauen in der Politik untereinander unterstützen können

Verwurzelt in der Region ist auch Annemarie Jung. Die 18-Jährige aus Sonderheim engagiert sich seit knapp zweieinhalb Jahren im Ortsverband der Jungen Union (JU) in Höchstädt. „Über den Girls’ Day und ein Praktikum bei Landtagsabgeordnetem Georg Winter bin ich in der Politik gelandet“, erzählt sie. Damit tritt sie in die Fußstapfen ihrer Mutter, die unter anderem Stadträtin ist. „Ich glaube, es ist ein Klischee, dass sich Frauen nicht engagieren“, sagt die Abiturientin, die auf der Kreistagsliste einen Platz hat. Als Vorbild nennt sie Ilse Aigner. Einmal habe sie die Politikerin schon live erlebt und sei beeindruckt gewesen. „Sie kann großartig mit Worten umgehen.“

Gemeinsam mit Anne Borgovan vom JU-Ortsverband Aschberg nimmt sie an einem Programm der Frauen-Union Schwaben teil. Unter dem Motto „Frauen fördern Frauen“ finde dort ein Austausch mit lokalen Politikerinnen statt, erklärt Borgovan. Nach dem Abi zog es die Eppisburgerin zunächst für das Studium in die Ferne; doch trotz neuem Wohnort blieb sie heimatverbunden. Deshalb belebte sie auch den eingeschlafenen JU-Ortsverband im Aschberg wieder. „Meinen Master mache ich in Aalen, damit ich wieder zu Hause wohnen kann.“ Borgovan steht nicht nur auf der Gemeinderatsliste für Holzheim, sondern auch auf der Kreistagsliste. Wer sich politisch engagieren wolle, müsse vor allem Zeit mitbringen. „Vorwissen braucht man bei uns nicht – wir setzen auf Themen statt Köpfe.“ Damit die JU allerdings in den Kreistag einziehen könnte, ist sie aktuell noch auf Unterschriftenjagd: 340 müssen es bis zum 3. Februar sein.

Warum jeder aktiv werden kann

Das Thema Heimat liegt auch Elena Schmid von den Jusos am Herzen. Die Studentin, die für den Stadtrat in Lauingen kandidiert, sagt: „Ich möchte unsere Stadt mitgestalten, damit sie auch für junge Leute attraktiv bleibt.“ Durch ihren Bruder habe sie ihr politisches Interesse entdeckt. „Soziale Gerechtigkeit ist mir sehr wichtig, deshalb fühle ich mich in der SPD gut aufgehoben“, betont sie.

Generell findet die Lauingerin, dass sich jeder mit Politik auseinandersetzen sollte. Sie sagt: „Es ist ein großes Glück, in einem Land zu leben, wo man sich aktiv an der Demokratie beteiligen kann.“ Das könnte nicht nur durch politisches Engagement erreicht werden, sonder auch durch die Stimme bei der Wahl.

Für Neele Ischdonat aus Bachhagel (Grüne) ist dagegen der Klimaschutz ein wichtiges Thema. Deshalb unterstützte sie auch die Fridays-for-Future-Demonstrationen. Die 19-Jährige sagt: „Wenn ich mich politisch engagiere, dann bei einer Partei, mit der ich mich identifizieren kann – und das ist bei den Grünen der Fall.“ Seit Beginn des Jahres ist sie im Ortsverband Bachhagel als Schriftführerin tätig. Das Interesse für die Politik habe sie durch ihre Oma entdeckt. „Sie war in Nordrhein-Westfalen in der CDU aktiv“, erzählt sie. Dass sie noch jung sei und vieles nicht wisse, sieht sie nicht als Nachteil. „Ich will zuhören und lernen“, verrät Ischdonat, die bei ihren Eltern in Bachhagel wohnt. Die jungen Menschen wären in der Pflicht, die Umwelt zu schützen – egal, wie; auch politisch.

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