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Landkreis Dillingen

26.11.2020

Kann der Online-Handel im Landkreis das Weihnachtsgeschäft retten?

Ein Mann begutachtet seine Bestellung aus dem Internet: Ihm tun es immer mehr Menschen im Landkreis Dillingen gleich. Der Online-Handel hat in den vergangenen Monaten stark zugenommen.
Foto: Christin Klose/dpa-tmn (Symbol)

Zwar dürfen die rund 1400 Einzelhändler im Landkreis Dillingen ihre Geschäfte öffnen, doch die Kunden bleiben aus. Was das für den Umsatz bedeutet.

Knapp 25000 Händler gibt es in Schwaben, davon rund 1400 im Landkreis Dillingen. Obwohl die Einzelhändler derzeit öffnen dürfen, bleiben vielen von ihnen wegen des zweiten Lockdowns die Kunden aus. Vor dem Hintergrund der Corona-Krise wäre der stationäre Handel in Bayern mit einem Umsatz auf Vorjahresniveau bereits sehr zufrieden, heißt es in einer Pressemitteilung des Handelsverbandes Bayern. Der bayerische Einzelhandel hofft trotz der Corona-Pandemie auf ein einigermaßen normales Weihnachtsgeschäft. „Noch nie war das Weihnachtsgeschäft so wichtig wie in diesem Jahr. Ich hoffe, dass trotz der schwierigen Rahmenbedingungen an Geschenken nicht gespart wird“, sagt der Präsident des Handelsverbands Bayern, Ernst Läuger. Man rechnet in den Weihnachtsmonaten November und Dezember in Bayern mit einem Umsatz von knapp 14 Milliarden Euro. Das wäre laut Läuger ein Ergebnis auf Vorjahresniveau und in diesen Zeiten bereits ein Erfolg.

Die Online-Umsätze dominieren das Weihnachtsgeschäft

Die unterschiedlichen Umsatzentwicklungen zwischen dem wachsenden Online-Handel und dem stationären Handel setzen sich auch im Weihnachtsgeschäft fort. So wird zum Beispiel neben den Lebensmittelgeschäften vor allen Dingen der Online-Handel massiv zulegen.

Die Online-Umsätze im Weihnachtsgeschäft in Bayern werden nach Einschätzung des Verbands mit über 2,3 Milliarden Euro auf Rekordhöhe steigen. Dies entspricht im Vorjahresvergleich einem Plus von 19 Prozent. Mitarbeiter Bernd Ohlmann kennt die Zahlen für den Landkreis Dillingen. Im hiesigen Einzelhandel wird mit einem Gesamtumsatz von 87 Millionen Euro gerechnet. Auch hier rettet der Online-Handel die Zahlen mit einem Anteil von 14,3 Millionen Euro. Das Internetgeschäft ist damit im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent gestiegen. Nicht nur die Angst vor einer Ansteckung in den Geschäften beflügle den Online-Handel, sagt Ohlmann: „Die Menschen haben durch die Pandemie ihre Berührungsängste mit dem Einkaufen im Internet verloren.“ Außerdem sei auffällig: Die Menschen im Landkreis, wie auch im Rest Bayerns, würden beim Einkaufen häufiger auf „One-Stop-Shopping“ setzen, also Großeinkäufe erledigen und auf Vorrat einkaufen, um Kontakte zu vermeiden. Gewinner der Einzelhandelskrise seien der Lebensmittelhandel, Baumärkte und Fahrradgeschäfte.

Händler sollen in der Pandemie mit den Kunden in Kontakt bleiben

Wie ist die Situation im Handel und in den Innenstädten Nordschwabens? Damit befasst sich die City-Initiative Nordschwaben bei ihrer digitalen Herbstsitzung. „Der aktuelle Lockdown stellt uns alle vor große Herausforderungen. Diesen müssen wir gemeinsam begegnen“, sagt Sprecher Heinz Gerhards. Auch die IHK Schwaben unterstützt betroffene Unternehmen in dieser schwierigen Situation.

Handelsexpertin Elke Hehl stellt beim Treffen der City-Initiative Angebote, die unter schwaben.ihk.de/handel zu finden sind, vor. Sie weist insbesondere auf die Beratung rund um den digitalen Handel hin. „Man muss nicht gleich einen eigenen Online-Shop eröffnen“, rät sie den Händlern vor Ort. „Aber gerade in der jetzigen Situation ist es wichtig, mit den Kunden in Kontakt zu bleiben und sie vom eigenen Service zu überzeugen. Dabei können digitale Kanäle helfen.“ Die Handelskammer bietet dazu Webinare und Sprechstunden an.

Wie die Zukunft des stationären Handels aussehen könnte

Ein Experte für Kommunalentwicklung, Peter Markert, erklärt, auf was es künftig bei der Gestaltung der Zentren ankäme. Er rief dazu auf, die bisherigen Konzepte der Innenstadtbelebung zu überdenken. Die Menschen kämen heute nicht allein wegen des Einkaufens ins Zentrum. Es werde in Zukunft nicht mehr darum gehen, Frequenz durch den Handel in die Städte zu holen, sondern für den Handel. Eine Mischung aus Gastronomie, Dienstleistungsbetrieben und Handel, aber auch Raum für Erholung und Kultur mache den Mix aus. Außerdem müssten die Akteure noch stärker lokale Besonderheiten in den Fokus nehmen und Wettbewerbsvorteile ausbauen.

Die Lage der nordschwäbischen Städte ist angespannt, heißt es in einer Pressemitteilung der City-Initiative. Die Städte Dillingen, Wertingen, Höchstädt, Gundelfingen und Lauingen aus dem Landkreis Dillingen sind Teil der City-Initiative Nordschwaben. „Mangelnde Frequenz in den Innenstädten, die Angst um das Weihnachtsgeschäft und zunehmende Leerstände zeigen eine aktuell sehr schwierige Lage auf“, fasst Bettina Kräußlich, IHK-Regionalgeschäftsführerin, die Rückmeldungen aus den Städten zusammen. Sprecher Heinz Gerhards ist jedoch auch optimistisch: „Unsere Innenstädte haben allesamt reizvolle Ecken zu bieten und unsere Händler sind willens, diese Krise zu meistern.“

Laut einer Umfrage, die vom Ifes-Institut der Fachhochschule für Ökonomie und Management durchgeführt wurde, liegen in Bayern die durchschnittlichen Ausgaben für Weihnachtsgeschenke in diesem Jahr bei 512 Euro (Bundesdurchschnitt: 500 Euro). Knapp 20 Prozent der Bevölkerung geben an, trotz Corona etwas mehr bis deutlich mehr für Weihnachtsgeschenke auszugeben.

Wie in den Vorjahren werden wieder viele Gutscheine, Geldgeschenke und Produkte aus den Bereichen Kosmetik und Körperpflege unter dem Christbaum liegen. Auf den Einkaufslisten ganz oben stehen zudem Bücher, Schreibwaren, Uhren, Schmuck, Spielwaren und Bekleidung. (pov mit pm)

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