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Dillingen

11.08.2019

Karlsruher Staatsanwalt wird Richter in Dillingen

Er sitzt nun am Richtertisch des Dillinger Amtsgerichtes: Markus Klatt folgt auf Richterin Alexandra Wittl, die eine neue Stelle in Regensburg antritt.
Bild: Andreas Schopf

Plus Markus Klatt ist jetzt Richter am hiesigen Amtsgericht. Zuvor war er am Bundesgerichtshof tätig. Was hat ihn ins Zusamtal geführt?

Bis vor Kurzem arbeitete Markus Klatt in Karlsruhe. Für den Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof ermittelte er als abgeordneter Staatsanwalt. Sein Gebiet war ein besonderes: Klatt arbeitete im Bereich des islamistischen Terrorismus’, fokussiert auf den Bereich Syrien und Irak. Unter anderem ermittelte er gegen Deutsche, die in diese Region ausreisten, um sich dort einer ausländischen terroristischen Vereinigung anzuschließen und am bewaffneten Dschihad, dem vermeintlichen „Heiligen Krieg“ im Namen des Islams, teilzunehmen. „Es war eine spannende Zeit“, sagt Klatt, der aus ermittlungstaktischen Gründen keine Details über seine damalige Arbeit verraten darf.

Auch bei der Augsburger Staatsanwaltschaft war Klatt schon beschäftigt

Von März 2017 bis Mai 2019 war der 35-Jährige in Karlsruhe. Seine Arbeit dort hieß auch, dass er für Dienstreisen oft quer durch Deutschland unterwegs war. „Diese Tätigkeit ist schwer mit einer Familie vereinbar“, sagt er. Dieser Punkt führte ihn nun in den Landkreis Dillingen.

So sieht Klatts neue Wirkungsstätte aus: Im Bild das Amtsgericht Dillingen.
Bild: Andreas Schopf

Denn während seiner Zeit bei der Augsburger Staatsanwaltschaft – das war zwischen den Jahren 2013 und 2017 – lernte er eine Frau aus Zusamaltheim kennen und lieben, die damals seine Nachbarin war. Mittlerweile hat das Paar Zwillinge – und baut ein Haus in Wertingen. Die Stelle am Dillinger Amtsgericht kommt dem Juristen deshalb gelegen. „Das hat sich angeboten“, sagt Klatt. Er folgt auf Alexandra Wittl, die mit 26 Jahren zur Richterin in Dillingen ernannt wurde. Nach gut einem Jahr in der Großen Kreisstadt verließ sie das hiesige Amtsgericht in Richtung ihrer Heimat Regensburg.

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Jetzt ist er zuständig für Scheidungen oder Mietverträge

Seit Juni dieses Jahres hat Klatt – ruhiges Auftreten, Vollbart, Hemd und Sakko – diese Stelle inne. Er ist zum einen zuständig für Familienrecht und urteilt etwa über Angelegenheiten wie Scheidung, Unterhalt oder Umgang. Zum anderen beschäftigt er sich mit Fällen des Zivilrechts, wie zum Beispiel Verkehrsangelegenheiten oder etwa Miet- und Kaufverträge. Ein ziemlicher Gegensatz zu Ermittlungen im Terror-Umfeld, oder? „Meine neue Arbeit ist genauso spannend“, sagt Klatt. „Nur eben auf eine andere Art.“

Doch nicht nur thematisch hat sich sein Job verändert. Der bisherige Staatsanwalt hat in Dillingen nun den Job des Richters inne. Das heißt: Er leitet Verhandlungen und hat die Entscheidungshoheit. „Das ist eine besondere Verantwortung“, sagt Klatt. Seine Anfangszeit in Dillingen sei wie der sprichwörtliche Sprung ins kalte Wasser gewesen. „Aber damit habe ich gerechnet.“ Die ersten Verhandlungen, die er bislang vom Richtertisch aus geleitet hat, hätten ihm Spaß gemacht, berichtet Klatt. Sein Ziel sei es, Entscheidungen zu treffen, die die Beteiligten verstehen und nachvollziehen können.

Der Humor im Dillinger Land sei ein anderer als im Rheinland

Ursprünglich stammt er aus Koblenz. Die Wurzeln sind in seinem neuen Büro sichtbar, wo er ein Bild mit den Wahrzeichen der Rhein- und Moselstadt stehen hat. Studiert hat Klatt in Mainz, anschließend arbeitete er zwei Jahre als Rechtsanwalt in Frankfurt am Main. Dann, im Jahr 2013, ging es für ihn nach Bayern, genauer zur Staatsanwaltschaft nach Augsburg. Vor dem Umzug bekam er einige Vorurteile bezüglich des Freistaats zu hören. Mittlerweile weiß er: „Die stimmen alle gar nicht.“ Die Menschen in Bayern, auch im Landkreis Dillingen, seien entgegen so mancher Sprüche in anderen Bundesländern offen, freundlich und humorvoll – auch wenn der Humor ein anderer ist als im Rheinland, sagt Klatt. Er fühle sich im Landkreis Dillingen wohl. Auch, weil ihm die Landschaft so gut gefällt. Er nimmt sich unter anderem vor, die Region mit dem Rennrad zu erkunden.

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