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Kreis Dillingen

25.10.2018

Kein Anschluss in Oberliezheim - dann kommt es zum Notfall

In Oberliezheim ist der Anschluss der Telekom kaputt – seit Wochen. Während das viele Menschen ärgert, ging es jetzt in einem Fall um Leben und Tod. Das Unternehmen hat angekündigt, dass der Schaden nun behoben werden soll.
Bild: Jens Schierenbeck, dpa

Die Telekom lässt ihre Kunden in Oberliezheim wochenlang in Stich. Dann erleidet ein Mann einen Schlaganfall - und seine Frau tut alles, um Hilfe zu holen.

Verzweifelt hämmert Franziska Winkler in der Nacht vom 23. September auf ihr Festnetztelefon ein. Sie versucht vergeblich, Verbindung mit der 112 zu bekommen, denn ihr Mann Peter hat einen Schlaganfall erlitten. Jede Minute zählt.

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Das Telefon will einfach, wie bereits seit Wochen, bei den Telekom-Festnetzanschlüssen in Oberliezheim, nicht funktionieren. Franziska Winkler rennt, wie sie später berichtet, im Nachthemd hinaus, um einen möglichen Standpunkt zu finden, an dem ihr Mobiltelefon eine Verbindung aufbaut. „Glück im Unglück“, sagt sie. Denn die Hilfe kam - obwohl normalerweise in dem Bissinger Ortsteil kein Mobilfunknetz „normal“ funktioniert, die Hilfe kam. Aber viel später, als wenn das Telekom-Festnetz funktioniert hätte.

Kein Festnetz in Oberliezheim - viele Telekom-Kunden warten seit Wochen

Doch Franziska Winkler, deren Festnetztelefon bis zum heutigen Tag nicht einwandfrei funktioniert, hat nicht als Einzige solche Probleme. Josef Hurler, der zwei Häuser weiter wohnt, hat bereits seit 25. August kein Telefon mehr und fühlt sich, wie er sagt, „von der Außenwelt vollkommen abgeschnitten“.

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Darüber hinaus seien die Mitarbeiter von der Telekom so unverschämt, wenn er sich bei ihnen über den Missstand beschwert, dass nicht nur ihm im Dorf der Kragen geplatzt sei. So habe er die Bezahlung der Grundgebühr vorerst einstellen wollen, doch bereits zwei Tage später sei eine Mahnung über die Gebühr mit vier Euro Aufschlag in seinem Briefkasten gelandet. Bis heute gibt sein Telefon keinen Laut von sich.

Oberliezheim ohne Anschluss - Immer wieder wurde man vertröstet

Ein wenig besser geht es Willi Sporer. Sein Telekom-Anschluss geht, „aber fünf bis sechs Wochen lang war ich am Verzweifeln“. So habe er mehrmals vom funktionierenden M-net-Anschluss seines Nachbarn bei der Telekom angerufen, um auf den Fehler hinzuweisen. „Wir schicken jemanden vorbei“, sei er immer wieder vertröstet worden, erzählt der Oberliezheimer. Doch gesehen habe er ebenso, wie die anderen Telekom-Betroffnen nicht einen einzigen Techniker.

„Doch da war mal einer“, berichtete Xaver Hohenstatter, der nicht ganz so lange von der fernmündlichen Außenwelt abgeschnitten war. Der sei jedoch schnell wieder mit den Worten weg gewesen, dass er für diese Art von Störung nicht zuständig sei.

Die Liste der Namen mit Telekom-Festnetzanschlüssen in Oberliezheim, die sich mit den gleichen oder ähnlichen Problemen seit Wochen herumschlagen müssen, ist noch lang. Die Betroffenen sind und waren über das Verhalten der Telekom überaus verärgert. Das Telefonfestnetz des Anbieters sei seit Ende August nach und nach mehr zusammengebrochen. Bei den einen dauerte die Störung „nur“ etwa zehn Tage, bei anderen drei, vier oder fünf Wochen, und einige haben bis zum heutigen Tag kein Festnetz.

Telekom: Verbindung nach Oberliezheim an drei Stellen defekt

So wie Franziska Winkler. Sie kann sich nicht über ihr eigenes Telefon mit ihrem Mann Peter, der inzwischen in der Reha ist, unterhalten. Josef Hurler fehlen die Worte ob dieser „Unfähigkeit“ der Telekom. Nicht ein Wort der Entschuldigung seitens des Unternehmens sei ihnen allen mitgeteilt worden, beklagt Hurler. Der Postweg nach Oberliezheim sei ja nicht gestört, wie er an seiner Mahnung bemerkt habe.

Dr. Markus Jodel von der Telekom AG in München teilt auf Anfrage mit: „Die Störung dauert tatsächlich leider schon länger als normal. Die Störung ist Anfang September in der Niederlassung eingegangen. Aufgrund einer Großstörung konnte das Vorhaben nicht sofort angegangen werden. Am 12. September wurde eine erste Messung durchgeführt, der Fehler konnte aber nicht sofort festgestellt werden. Das Fehlerbild war komplex: Das Kabel war nicht nur an einer Stelle, sondern an insgesamt drei Stellen defekt. Es mussten deshalb mehrere Messungen durchgeführt werden.“

Am 26. September hat das Unternehmen laut Jodel beim Landratsamt die notwendige verkehrsrechtliche Anordnung eingereicht, weil für die Schadensbehebung Tiefbauarbeiten und Absperrungen notwendig sind. Die Genehmigung liegt seit Anfang Oktober vor. „Aufgrund der beschränkten Tiefbaukapazitäten konnten wir aber erst jetzt mit der finalen Entstörung beginnen. Das bedauern wir außerordentlich. Die Störung wird aber nun in den nächsten Tagen komplett behoben sein.“

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