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Landkreis Dillingen

20.08.2020

Kein Geld: Mann soll Taxifahrer mit Machete bedroht haben

Weil er mit einer Machete auf einen Taxifahrer losgegangen sein soll, steht ein Mann aus dem Kreis Dillingen vor Gericht.
Bild: Ulrich Weigel (Symbol)

Plus Ein 38-Jähriger aus dem Kreis Dillingen konnte den Fahrpreis nicht zahlen und griff zu seiner Machete. Vor Gericht kommt heraus: Der Mann hat noch ganz andere Probleme.

Ungemach droht jetzt einem 38-jährigen Mann aus dem Kreis Dillingen, der sich im vergangenen November mit einem Taxi aus Kaufering nach Hause fahren ließ. Anstatt aber den Fahrpreis von 170 Euro zu bezahlen, bedrohte er laut Anklage den Taxifahrer in seiner Wohnung mit einer Machete. Jetzt muss sich der gelernte Schweißer wegen Betrugs sowie versuchter schwerer räuberischer Erpressung und Nötigung vor dem Augsburger Amtsgericht verantworten. Hintergrund der Tat dürfte die Alkohol- und Drogensucht des Mannes sein.

Was hat der Mann aus dem Kreis Dillingen mit seiner Machete gemacht?

Mit dem Zug sei er am Vortag des 9. November 2019 aus dem Kreis Dillingen nach Landsberg gefahren, um sich dort mit Freunden zu treffen. Zu treffen hieß, dass der Angeklagte nach eigenen Worten selbst eine Flasche Wodka, eine halbe Flasche Whiskey und mehrere Flaschen Bier geleert hatte, so lange, bis ihn seine Freunde in Landsberg vor die Tür gesetzt haben. Mit seinem Hund sei er daraufhin an den Bahnhof nach Kaufering gelaufen, so der Mann vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Dominik Wagner. Seine Oma am Telefon hatte sich geweigert, ihn weit nach Mitternacht mit dem Auto abzuholen. Nachdem er einige Zeit am Bahnhof verbracht und sich versichert hatte, dass der nächste Zug erst in ein paar Stunden fahren würde, habe er nach 1 Uhr nachts einen wartenden Taxifahrer angesprochen. Der habe ihm einen Preis von rund 180 Euro für die rund 100 Kilometer lange Nachtfahrt genannt. Weil der 38-Jährige ihm glaubhaft versichert habe, dass er zwar selbst kein Geld mehr bei sich habe, zu Hause aber seine Freundin die Fahrt bezahlen würde, habe der Taxifahrer eingewilligt.

Er hatte kein Geld mehr

Zwar habe er die Alkoholisierung des Mannes bemerkt, so der Taxifahrer, diese sei aber nicht so erheblich gewesen, als dass er die Mitfahrt hätte verweigern müssen. Im Auto sei der Fahrgast alsbald eingeschlafen. Eine gute Stunde später habe der 38-Jährige das Auto am Zielort im Kreis Dillingen verlassen. Er gehe in seine Wohnung, um das Geld, 170 Euro, zu holen, sagte er. Spätestens hier habe er, so der Angeklagte, feststellen müssen, dass er tatsächlich auch in der Wohnung kein Geld mehr gehabt habe. Seinen Notgroschen im Gurkenglas und das Hartz IV des Monats seien bereits aufgebraucht gewesen. Offenbar in der Hoffnung, den Taxifahrer losgeworden zu sein, habe er sich an die Versorgung seines Hundes gemacht, schilderte der Angeklagte. Dann aber tauchte nach etwa 15 Minuten gegen 2.30 Uhr der 64-jährige Taxifahrer in der Wohnung auf. Dort, so der Mann aus dem Kreis Landsberg, habe er zwar den Hund und einen schläfrigen Besucher seines Fahrgastes angetroffen, diesen selbst aber nicht gesehen.

Machete von der Wand gerissen

Um an sein Geld zu kommen, habe er, so der Taxifahrer, dem Mitbewohner des Gesuchten angekündigt, er werde den Geldbeutel und das Handy des Gesuchten, die auf dem Tisch lagen, an sich nehmen, um sie der Polizei zu übergeben. Plötzlich sei daraufhin der Angeklagte vom Balkon aus in die Wohnung gesprungen gekommen und habe eine rund 50 Zentimeter lange Machete von der Wand gerissen. Mit dem Schlagmesser habe er zwei Mal versucht, ihn, den Taxifahrer, zu treffen – was fehlschlug. Lediglich ein Tisch und die Zimmertüre hätten Hiebe abbekommen, so der Taxifahrer als Zeuge vor Gericht.

Das hatte der Angeklagte zuvor anders geschildert. Er räumte zwar ein, die Machete von der Wand genommen zu haben, um seinen Geldbeutel und das Handy zu verteidigen. Er habe mit dem Messer aber lediglich eine Drohgeste vollführt. Zugeschlagen habe er nicht. Der Taxifahrer lüge, so der Angeklagte.

Der Taxifahrer floh aus der Wohnung und fuhr zur nächstgelegenen Polizeiwache nach Dillingen. Dort waren die Beamten nicht sehr überrascht, ihn zu sehen, denn der Angeklagte hatte sich per Telefon ebenfalls an die Polizei gewandt, um den Diebstahl seines Handys und des Geldbeutels zu melden. Man schickte den Taxifahrer zurück zum Tatort, wo er die Arbeit der bereits eingetroffenen Beamten unterstützte.

Mann leidet an Alkohol- und Drogensucht

Die Zeuginnenvernehmung von zwei Polizistinnen und einer Betreuerin gab Einblicke in das Leben des Angeklagten. Dieser leide schon seit mehr als 20 Jahren an Alkohol- und Drogensucht und sei deswegen bereits ein „alter Bekannter“ bei der örtlichen Polizei und den Behörden. Selbst in einen tödlichen Verkehrsunfall sei der Mann bereits verwickelt gewesen. Nach Meinung einer Betreuerin des Angeklagten brauche dieser unbedingt professionelle und nachhaltige Hilfe, um nicht immer wieder den Knast einem Entzug vorzuziehen.

Während das Kauferinger Taxiunternehmen mehrere Wochen nach dem Vorfall den Fahrpreis erstattet bekam, ging es für den Angeklagten in dieser Sache im Januar in Untersuchungshaft, wo er bis heute sitzt. Das Verfahren wird im September mit weiteren Zeugenvernehmungen fortgesetzt. Zudem soll dann der Psychiater sein Sachverständigen-Gutachten zur Frage der Schuldfähigkeit des Angeklagten erstatten.

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