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Höchstädt

15.03.2019

Kein Handy? Kein Zucker? Keine Lügen? Wie eine Höchstädterin fastet

Tag zwei des Fastenexperiments war für k!ar.texterin Emma Schaller besonders schwer. Einen Tag komplett ohne Zucker zu überstehen, ist gar nicht so einfach. Vor allem wenn die Versuchung an jeder Ecke lauert. Wenn die Laune ohne Zucker im Keller ist, belastet das nicht nur die Mitmenschen.
Bild: Andrea Warnecke, dpa

Die 17-jährige Emma Schaller hat ein dreitägiges Experiment durchgeführt. Sie erzählt, welcher Verzicht ihr besonders schwer gefallen ist.

Am Aschermittwoch hat sie begonnen – die Fastenzeit. Nur noch wenige Menschen und vor allem Jugendliche nehmen sich in den 40 Tagen bis Ostern vor, auf etwas zu verzichten. Dabei kann es, zumindest manchmal, gesund und lehrreich sein. So zumindest der Grundgedanke. Und mittlerweile gibt es unzählige Varianten des Fastens. Auf Süßigkeiten, Zigaretten oder Alkohol verzichten, das kann ja jeder. Oder?

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Unsere k!ar.texterin Emma Schaller hat im Selbstversuch alternative Ideen für die Fastenzeit getestet. In nur drei Tagen hat sich die 17-Jährige aus Höchstädt unserem Experiment gestellt, und auf ihr Smartphone, den täglichen Zucker in den unterschiedlichsten Lebensmitteln und das (Not)-Lügen verzichtet. Wie es ihr erging? Unter welchem „Entzug“ sie besonders gelitten hat? Das sind Emmas Erfahrungen:

Ein Tag auf Facebook, Instagram und Co. verzichten

Meine unübliche Art zu fasten, beginne ich nun damit, einen ganzen Tag ohne Handy zu verbringen. Digital Detox nennt sich das. Ich hätte niemals erwartet, dass ich mein Handy doch so oft am Tag verwende, kleine Griffe und Blicke, die ich normal so nie registriere. Angefangen hat das schon beim Frühstück, am Wochenende scrolle ich da normalerweise ein bisschen durch verschiedene Social-Media-Kanäle. Heute setze ich mich dann eben mit einem Buch hin und esse nebenbei mein Müsli. Der Vormittag war noch relativ einfach, so sehr habe ich mein Handy gar nicht vermisst. Meine Zeit konnte ich mir nämlich mit Lesen vertreiben. Auch um lange aufgeschobenes Schulzeug habe ich mich endlich gekümmert, und einiges erledigen können. Hier bin ich allerdings auf die ersten Schwierigkeiten gestoßen. Ohne Handy konnte ich mir nicht mal eben schnell den Stoff für die nächste Klausur in der WhatsApp-Gruppe anschauen. Ein richtiges Problem war das allerdings noch nicht.

Klartexterin Emma hat für unser Fasten-Experiment auf ihr Smartphone verzichtet.
Bild: Tanja Ferrari

Der Nachmittag hingegen hat sich endlos in die Länge gezogen, da ich mein Buch mittlerweile beendet und nichts weiter zu tun hatte. Um mir die Zeit zu vertreiben, wollte ich mich mit einer Freundin zum Sport verabreden. Gar nicht so einfach ohne Handy! Gut, dass mein Fahrrad noch in der Garage überwinterte. Tatsächlich ist so ein spontaner Besuch mit dem Rad auch um einiges lustiger, als nur online hin und her zu schreiben. Das sollte wirklich jeder öfter machen, einfach bei Freunden vorbeifahren und ein wenig plaudern.

Ein Tag so ganz ohne Handy ist also machbar, wenn auch anfangs ungewohnt. Erst wenn man bewusst auf das Smartphone verzichtet, fällt einem auf, wie abhängig man davon ist. Einen Tag später vermisse ich es aber eigentlich schon gar nicht mehr. Aber nur auf das Handy zu verzichten, wäre ja langweilig, deshalb:

Ein Leben ohne Süßigkeiten?

Am zweiten Tag dieses Experiments verzichte ich ganz auf Zucker. Was einfacher klingt, als es ist. Denn ich als voller Zucker- und Süßigkeiten-Junkie habe mich wirklich schwergetan. Zu meiner Überraschung sogar viel schwerer als beim Smartphone-Entzug am Vortag. Die erste Herausforderung erwartete mich bereits beim Frühstück, denn, nicht wie sonst konnte ich einfach ein Brot mit Marmelade oder Nutella essen. Auch Cornflakes waren keine Alternative. Dann wurde es eben eine karge Mahlzeit aus Haferflocken und Kaffee. Bis zum Mittagessen war es noch ganz angenehm. Nachmittags verschlimmerte sich allerdings meine Laune mit jeder Minute ohne Zucker.

Klartexterin Emma hat für unser Fasten-Experiment auf  Zucker verzichtet.
Bild: Tanja Ferrari

Einkaufen würde ich am Anfang definitiv nicht empfehlen. Die Versuchung war groß, sehr groß. Ein Schokoriegel hier, ein Stück Kuchen da, ein Bonbon dort. Besonders im Supermarkt war das eine richtige Herausforderung, denn plötzlich hatte ich auch auf alles Lust, was ich nicht haben konnte. Nicht einmal ein Smoothie war drin, denn der hat neben Früchten auch eine ganze Menge Zucker. Daheim lockten vor alle die Süßigkeiten, die so lose herumliegen und die ich sonst auch einfach so mal eben esse. Nicht heute. Es mag zwar sehr gesund sein auf Zucker zu verzichten und auch das Experiment hat mich wirklich interessiert, trotzdem ist es auf die Dauer nichts für mich. Meine Laune ist mit Zucker einfach deutlich besser, Schokolade macht also wirklich glücklich!

Nichts als die Wahrheit

Ich verzichte auf Lügen. Natürlich keine großen Lebenslügen, sondern die kleinen Alltagslügen. Die Lügen, die die meisten nicht einmal bemerken. Anfangs war ich skeptisch und habe befürchtet, dass das schwierig werden könnte.

Ein richtiges Problem hatte ich nicht – ich lüge anscheinend nicht so viel, wie ich zuvor dachte. Vielleicht ergab sich in dieser kurzen Zeit auch keine richtige Situation, denn ich hatte weder mit Kindern noch mit Verkäuferinnen, denen man doch öfter mal eine Lüge auftischt, zu tun.

Klartexterin Emma hat für unser Fasten-Experiment auf das Lügen verzichtet.
Bild: Tanja Ferrari

Richtig einschätzen kann ich das mit dem Verzicht auf die Lügen deshalb nicht. Würde man das auf die Dauer und bewusster durchziehen, fällt das Ganze bestimmt schwer. Vor allem innerhalb der Familie und mit Freunden traut man sich in der Regel, ehrlich zu sein. Da sagt man schon mal direkt, was man denkt, und nimmt kein Blatt vor den Mund. Ohne groß zu grübeln, gibt man ungeschönt zu, dass das Essen nicht ganz so gut schmeckt oder dass man genervt von jemandem ist. Oder?

Würde die Höchstädterin wieder fasten?

Fasten muss nicht immer aus religiösem Antrieb sein. Dieses kurze Experiment hat mir überraschenderweise gezeigt, dass ich im Alltag zum Beispiel mehr auf mein Handy verzichten könnte oder der ein oder andere Schokoriegel doch nicht sein muss. Solange es die Laune mitmacht, ist es durchaus sinnvoll, ab und zu zu Verzichten.

Auf das Smartphone, auf den Zucker oder das Lügen zu verzichten ist viel einfacher als gedacht, und jeder kann es einfach selbst ausprobieren. Es muss auch nicht immer das Übliche sein. Ich hatte auch die Idee, auf Plastik oder vielleicht Social Media zu fasten. Und auf was verzichtet ihr?

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