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Landkreis Dillingen

18.02.2017

Kinder vor dem Ertrinken bewahren

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Viele Spaß haben diese Mädchen im Schiwmmbad. Doch in Deutschland gibt es immer weniger Schwimmbäder. Wie sieht es im Landkreis Dillingen aus?
Bild: Bärbel Schön

Es gibt immer weniger Schwimmbäder in Deutschland. Die Region ist gut aufgestellt, doch das hat seinen Preis.

Immer mehr Schwimmbäder verschwinden in Deutschland von der Bildfläche. Auch in Bayern ist von Bädersterben die Rede, die weißen Flecken auf der Landkarte vermehren sich. Zuletzt geriet das „Almarin“ im Nachbarlandkreis Donau-Ries in die Schlagzeilen (wir berichteten). Der Gemeinde war das Schwimmbad finanziell ein Klotz am Bein, sieben Jahre stand es leer. Kürzlich hat der Gemeinderat die Reißleine gezogen und den Abriss beschlossen. Die 100000 bis 300000 Euro Verlust pro Jahr wollte sich die Gemeinde nicht mehr leisten.

Wie sieht es mit den Hallenbädern im Landkreis Dillingen aus – in Wertingen, Lauingen, Dillingen, Höchstädt, Gundelfingen und Holzheim? Etwa 100000 Besucher nutzten die Einrichtungen im vergangenen Jahr. Tausende von Schülern sind in der Zahl noch gar nicht eingerechnet. Allein die Aschbergschule in Weisingen schickt ihre 350 Schüler abwechselnd zum Schwimm-Unterricht; aufs Jahr gerechnet sind das 10500 Badbenutzer. Weil das kleine Lehrschwimmbecken nur an zwei Abenden für die Öffentlichkeit zugänglich ist, bleibt die Besucherzahl mit 1200 weit hinter den anderen Bädern zurück.

Dillingen, Lauingen, Gundelfingen und Wertingen verfügen jeweils über ein kombiniertes Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken. Die Eintrittspreise für Erwachsene liegen mit 2,20 bis 2,80 Euro auf einem niedrigen Niveau. Warmbadetage erhöhen die Attraktivität. In Gundelfingen ist dienstags Warmbadetag, in Lauingen Mittwoch, in Höchstädt Donnerstag, in Wertingen Freitag und in Dillingen am Dienstag und Mittwoch. In den Kreishallenbädern Lauingen und Wertingen können Gäste sich in einer Cafeteria stärken oder sich auf der Sonnenbank bräunen. In Wertingen befindet sich außerdem eine Sauna im selben Haus, die vom Verein der Saunafreunde betrieben wird.

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Für Landrat Leo Schrell steht außer Frage, den Erhalt der beiden Kreisbäder zu sichern: „Sie sind ein Mehrwert für die Bevölkerung.“ Deshalb wurde in der Vergangenheit kräftig investiert: in Wertingen für die Sanierung der Technikzentrale (2004) und der Dusch- und Nebenräume (2015). Letztere war nach einem Legionellen-Befall nötig geworden. In Lauingen wurden 2015 die Duschräume erneuert, Schwimmbecken und Umkleiden sollen bald folgen.

Die beiden Kreisschwimmhallen sind, wie viele andere in Bayern auch, in den 70er Jahren entstanden, als das Wirtschaftswunder in den Gemeinden angekommen war und der Sport- und Schwimmgeist von Olympia 1972 durchs Land wehte. Nun ist das Alter der Bäder für viele Kommunen ein Problem. 30 Prozent sollen sanierungsbedürftig sein, bei 65 Prozent ist die Schließung eine Frage der Zeit.

Seit einem halben Jahrhundert genießen die Gundelfinger das Element Wasser. Ihr Bad wurde bereits 1967 gebaut und ist somit das älteste im Landkreis. In den 90er Jahren hatte der Stadtrat nach dem Fund von Asbest nicht den Abriss beschlossen, sondern eine Generalsanierung. „Ein Glücksfall“, wie Bürgermeister Franz Kukla heute sagt. „Es ist uns wichtig, dass unsere Kinder richtig schwimmen lernen.“ 3000 Besucher im Monat geben ihm recht.

„Schwimmen muss auch zukünftig ein wichtiger Bestandteil der Schulbildung sein“, betont Landrat Schrell angesichts des Bädersterbens und des großen Bröckelns vielerorts. Die Initiative „Gesundheitsregion Plus“ im Landkreis Dillingen will sich für eine nachhaltige, vom Alter unabhängige Förderung der Gesundheit einsetzen. Bewegung im Wasser gehört selbstverständlich dazu. Das jährliche Betriebskostendefizit (Durchschnitt der letzten fünf Jahre) betrug für die beiden Kreisbäder rund 659000 Euro (Wertingen 234000 Euro, Lauingen 425000 Euro). Die Differenz liegt an den zeitlich versetzten Sanierungen. Und auch der Wasserpreis schlägt in Lauingen zu Buche: Mit 4,01 Euro pro Kubikmeter liegt er deutlich höher als in Wertingen, wo der Kubikmeter 2,84 Euro kostet. „Suchen Sie Entspannung? Wollen Sie sich fit halten? Dann kommen Sie ins Dillinger Hallenbad!“ So wirbt die Große Kreisstadt auf ihrer Internetseite. Für Oberbürgermeister Frank Kunz ist das Hallenbad neben dem Eichwaldbad ein „echter Besuchermagnet für alle Generationen“. Sie leisteten einen unverzichtbaren Beitrag zur Lebensqualität. Mit jährlich 23000 Besuchern nimmt Dillingen den Spitzenrang unter den Hallenbädern im Landkreis ein (im Vergleich: Wertingen 18800, Lauingen 21100, Höchstädt 19000, Gundelfingen 16000, Holzheim 1200).

Ein eigenes Hallenbad zu besitzen, ist für die Höchstädter das Höchste. Für die Bürger habe es einen „hohen Mehrwert“, heißt es im Rathaus. Das 1975 gebaute Bad wird von Schulen und Vereinen genauso genutzt wie von Besuchern. Die jährlichen Unterhaltskosten von durchschnittlich 100000 Euro seien gut angelegt.

Fast eine Million Euro nahm der Schulverband (Aislingen, Holzheim, Glött) vor fünf Jahren für das Holzheimer Schwimmbad in die Hand. Das 1970 gebaute Schwimmbad im Weisinger Schulgebäude wurde für genau 863839 Euro umfangreich saniert. Jährlich entsteht hier ein Defizit von rund 50000 Euro. Für Jürgen Kopriva, Bürgermeister des Marktes Aislingen und Schulverbandsvorsitzender, ein Luxus. „Ja, diesen Luxus leisten wir uns am Aschberg gerne. Für uns ist und bleibt der Betrieb unseres Schwimmbads ein wichtiger Bestandteil in unserem Sportunterricht.“ Die Fragen eines Defizits hätten sich in der Vergangenheit nie gestellt. „Wir leisten einen entscheidenden Beitrag, unsere Kinder vor dem Ertrinken zu bewahren.“ Wie den damaligen Gründern sei es den amtierenden Bürgermeistern von Aislingen, Holzheim und Glött wichtig, dass Schüler in der Region, in der es unzählige Badeseen gibt, das Schwimmen lernen und das Erlernte beständig üben können.

Ins gleiche Horn bläst die DLRG (Deutsche Lebensrettungsgesellschaft): Schwimmen lernen und retten lernen, „das geht nur mit Bädern.“ Sie kritisiert das Bädersterben. In Schwaben gebe es demnach 124 öffentliche Bäder, acht wurden seit 2009 geschlossen, 48 sind sanierungsbedürftig und sieben drohen Schließungen.

Was das bedeutet, weiß Annemarie Schmidt, Sport- und Seminarlehrerin an der Realschule Wertingen: „Die Zahl der Nichtschwimmer steigt dort, wo es kein Bad mehr gibt.“ Der Landkreis stehe noch gut da, sagt sie: 60 Prozent der bayerischen Realschüler haben gar keinen Schwimmunterricht, weil es keine Hallenbäder mehr in ihrer Nähe gibt. Selbst in einer ihrer Klassen musste die Sportlehrerin feststellen, dass unter 33 Schülern nur 24 sicher schwimmen können. Der Rest schafft es kaum, sich über Wasser zu halten.

Schwimmsport Die sechs Hallenbäder im Landkreis Dillingen verursachen mehr als eine Million Euro Defizit pro Jahr. Für die Sicherheit sei das nicht zu viel, sagen Politiker. Warum der Fehlbetrag in Lauingen am höchsten ist

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