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Dillingen

17.07.2017

Klangsinnlichkeit und Formenstrenge

Orgelbaumeister Norbert Bender (rechts), der erste Vorsitzende des Fördervereins Dillinger Basilikakonzerte, beglückwünscht Axel Flierl zu seinen großartigen Interpretationen an der Sandtner-Orgel in der Klosterkirche
Bild: Gernot Walter

Axel Flierl als kongenialer Interpret an der Sandtner-Orgel in der Klosterkirche.

In der 4. Matinee des diesjährigen Orgelsommers zeigte Axel Flierl seine künstlerische Meisterschaft an der Sandtner-Orgel in der Klosterkirche. Initiativ war diese Mischung aus zeitgenössischen Werken und jene aus dem Barock. Flierl nahm das 310. Todesjahr von Dietrich Buxtehude zum Anlass, dessen d-Moll-Passacaglia (BuxWV 161) zu Gehör zu bringen. Wie einst schon Johannes Brahms konnten die zahlreichen Zuhörer die Schönheit des Stücks bewundern. In vier Takten wird im Pedal ein gleich bleibendes Ostinato eingeführt, während sich darüber in sieben Variationen ein klangvoller Satz ausbreitet. Der Basilikaorganist arbeitete diese Struktur klar heraus und belebte mit überlegenem Gespür für Details die abwechslungsreichen Melodien. Als kongenialer Interpret des Werke J. S. Bachs darf Axel Flierl gelten. Im Concerto in a-Moll (BWV 593) stellte er Bachs Transkription des Konzertes für zwei Violinen von Antonio Vivaldi als ein farbenreiches Werk vor. Der Gegensatz von orchestralem Tutti und die den Violinen nachempfundenen Soloepisoden bestimmten die schnellen Ecksätze. Mit immenser technischer Sicherheit bewältigte Axel Flierl die anspruchsvolle Komposition mit einem doppelgeführten Pedal, Achtelwiederholungen und akkordischen Einwürfen. Das Adagio zelebrierte der Dillinger Organist als filigran registriertes Kleinod.

Zarte Flötenstimmen kennzeichneten die schön austarierten Choralvariationen von Karl Höller als Hommage zu dessen 30. Todesjahr. „Helft mit Gottes Güte preisen“ ist überwiegend für die Manuale geschrieben. Triolen und Sechzehntelbewegungen bilden lebendige Arabesken, die sich dynamisch steigernd fortentwickeln, pedalunterstützt in den letzten beiden Variationern. Axel Flierl, ein besonderer Kenner von Höllers Gesamtwerk, wertete mit kluger Registrierung die raffinierte Harmonik zu einem Stimmungsbild mit hohem Reiz auf. Sowohl Grabinschift als auch Sinnspruch deutet Wilfried Hiller in seinen „Tarot-Toccaten“ als Bilder der Entschleunigung.

Wie bei Höller erzeugte Axel Flierl auf dem Schwellwerk flötengetragene ruhevolle statische Klänge vollkommener Ereignislosigkeit. Tiefe Gläubigkeit und der Hang zurr Mystik und Verinnerlichung bietet der estnische Komponist Arvo Pärt in „Mein Weg hat Gipfel und Wellentäler“ (1989). Die Balance von Form und Harmonik konnte Flierl strukturbewusst nachvollziehen. Überwältigender Schlussapplaus für Meisterinterpretationen.

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