1. Startseite
  2. Lokales (Dillingen)
  3. Klassische und barocke Juwelen

Konzerte

07.05.2019

Klassische und barocke Juwelen

Die Orchestervereinigung Höchstädt-Wertingen begeisterte in Wertingen und in Höchstädt mit ihren klassischen und barocken Gesangsjuwelen.
Bild: Erwin Rieder

Die Orchestervereinigung Höchstädt-Wertingen begeistert in Wertingen und in Höchstädt. Die Zuhörer erleben bei den Auftritten eine beeindruckende Rückkehr

Im umfangreichen Repertoire der Orchestervereinigung Höchstädt-Wertingen genießen die klassische Musik und Kompositionen aus der Barockzeit einen besonderen Stellenwert. Dass diese Art von Musik dem Ensemble mit seinem musikalischen Leiter Werner Bürgle sehr entgegen- kommt, dokumentierte jeweils ein besonderes Konzert in der Aula des Gymnasiums Wertingen sowie in der Höchstädter Spitalkirche. Beide Auftritte bedeuteten für Bürgle nach mehrjähriger Pause eine beeindruckende Rückkehr in die Konzertszene des Landkreises. Mit jeweils launigen, einführenden Worten motivierte er die Besucher zu intensivem Hinhören. Werke von Wolfgang Amadeus Mozart bildeten den Schwerpunkt der beiden Konzertabende.

In der einleitenden Serenade für zwei kleine Orchester in D-Dur, komponiert im Jahr 1776 wohl als Neujahrs- oder Faschingsmusik, lässt Mozart den Gedanken des barocken Concerto grosso neu aufleben: Eine Solistengruppe (Werner Bürgle und Sophia Maier - Violinen, Viktoria Link - Viola, Franz Heim - Kontrabass) musiziert in drei kurzen Sätzen zusammen mit einem Streichorchester. Beide Gruppierungen meisterten ihren Part mit Bravour und zeichneten ein Klanggemälde, das den Grundgedanken des Concerto Grosso in seiner Variabilität und Musikalität transparent in den Raum stellte.

Antonio Vivaldi folgt in seiner Sinfonia in C einer typischen Unterteilung in zwei schnelle Sätze, unterbrochen von einem langsamen Andante in Moll. Unverkennbar arbeitete das Orchester die Elemente heraus, die an die Mannheimer Schule und damit an die Vorklassik erinnerten. Damit war eine ideale Überleitung zum sich anschließenden Mozart-Quartett No. 7 in Es-Dur gegeben. Eine interessante Variante erfuhr diese Interpretation durch eine reine Quartettbesetzung beim getragenen Adagio, bis auf das Violoncello eine reine Angelegenheit der Familie Bürgle.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Der Vortrag des Rondo aus dem Violinkonzert Nr. 5 in A-Dur von W. A. Mozart verlieh der Programmfolge eine besondere Note. Die 18-jährige Abiturientin Sophia Maier meisterte den Solopart mit Bravour. Ihr Spiel kennzeichneten technische Versiertheit und enormes Gestaltungsvermögen. Solistin und Gesamtorchester gingen eine wunderbare Symbiose ein. Die beiden Menuette spiegelten tänzerische Leichtigkeit, der Allegro-Satz hörbare und sichtbare Spielfreude.

Beim Schlussteil trat ein Großmeister barocker Instrumental- und Vokalmusik auf den Plan: Georg Friedrich Händel (1685-1759). Nachdem sein Stern als Opern- und Oratorienkomponist in London im Sinken war, besann er sich eines Genre, das Arcangelo Corelli in Italien bereits zu Weltruhm geführt hatte: das Concerto grosso. In den solistischen Phasen und im gemeinsamen Zusammenspiel bei der Präsentation des Concerto Grosso 6/1 in G-Dur nahmen die Akteure den Hörer in die Fülle barocker Satz- und Tonkunst mit hinein.

Das Höchstädter-Wertinger Ensemble zeichnete Stimmverläufe in engagierter Phrasierung differenzierend nach. Die gewählten Tempi entsprachen durchweg den Satzcharakteren. Bei dem gekonnten Einsatz von Gestaltungsmitteln der barocken Rhetorik blieben drei Dinge stets gewahrt: ein vorzügliches Spiel der Solisten (Sophia Maier und Werner Bürgle, Violinen, Gotthart Lienert, Violoncello, Thea Waschke, Cembalo), ein sehr homogener Ensembleklang sowie eine engagierte Herausarbeitung angelegter Entwicklungslinien.

Die unverkennbare Handschrift des musikalischen Leiters sowie die gekonnten Vorträge der Solisten inspirierten die Besucher zu frenetischem Applaus. (ak)

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren