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Bissingen

07.06.2019

König Sigismund und die Bissinger Marktstraße

Der Blick in die Bissinger Marktstraße am traditionellen Himmelfahrtsmarkt. Die Straße und ihr Namen haben eine lange und wichtige Bedeutung.
Bild: Schiedl

Was verrät Bissingens Marktstraße? Ein Blick in Archiv verrät viel über die Marktgemeinde im Kesseltal.

Eine Marktgemeinde ist laut Definition ein Ort mit Marktrecht. In Bayern ist es eine kommunalrechtliche Bezeichnung für eine Gemeinde mit einem entweder his-torischen oder formell verliehenen Marktrecht. Vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert hinein wurde Orten das Marktrecht verliehen, die städtisch geprägt, aber nicht so groß waren. Die Führung des Wortes „Markt“ im Gemeindenamen ist offiziell nicht erforderlich, hat jedoch einen ganz praktischen Vorteil – auch für die Marktgemeinde Bissingen. Nachdem es im alamannischen Sprachraum mehrere Bissingen gab und bis heute gibt nannte man ab dem 14. Jahrhundert Bissingen im Kesseltal nicht selten auch „Markt Bissingen“. Wie im Jahrbuch des Historischen Vereins Dillingen 2006, im Bericht von Archivpfleger Helmut Herreiner nachzulesen ist.

Schon im 13. Jahrhundert wurde Bissingen als Markt erwähnt

Erstmals als Markt erwähnt wurde Bissingen in einer Urkunde vom 24. Januar 1281. Als Entdecker dieses Schriftstückes gilt Hauptlehrer Johann Hoesch, der in der alten Bissinger Schule Schulleiter war. Johann Hoesch fand die Urkunde in den Archiven des Fürstenhauses Oettingen-Wallerstein, wo sie auch heute noch auf der Harburg liegt. Diese Urkunde ist nun, wie Anton Michael Seitz anlässlich der 700-Jahr Feier des Marktes Bissingen treffend schrieb, „die histori-sche Begründung und Rechtfertigung“ für das Marktjubiläum der Gemeinde Bissingen.

In einer anderen Urkunde vom 10. Februar 1248 wird Bissingen aber noch nicht als „Forum“ bezeichnet. Somit scheint klar, dass irgendwann in den dazwischenliegenden 33 Jahren Bissingen zum Markt erhoben worden sein muss. Laut Helmut Herreiner verlieh 1418 König Sigismund den Grafen von Oettingen für Bissingen das Recht zur Abhaltung von vier Jahrmärkten sowie einem Wochenmarkt.

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Viele Jahrmärkte gibt es heute noch

König Sigismund (1368-1437) ist somit für Bissingen eine recht wichtige Person, denn drei dieser Jahrmärkte haben sich schließlich bis heute in Bissingen erhalten: der Fastenmarkt zum Ende des Winters, als weitaus bedeutendster der sogenannte „Himmelfahrtsmarkt“ am Feiertag Christi Himmelfahrt. Und schließlich noch den Herbstmarkt. Im Mittelalter oder in der frühen Neuzeit war es von großer Bedeutung für einen Ort, wenn er zum „Markt“ erhoben wurde. Der Begriff „Markt“ stammt vom lateinischen Wort „mercatus“, was so viel heißt wie Handel.

Auf Märkten trafen sich zu festgesetzten Zeiten Kaufleute, Warenproduzenten und Verbraucher, um Handelsgeschäfte abzuschließen. Wegen der Ansammlung von Menschen und der Anhäufung von Waren bedurften solche Zusammenkünfte stehts eines besonderen Rechtsschutzes und einer besonderen Friedensgarantie. Beides sicherte der, in den Gebieten östlich des Rheins, vom Königtum in Anspruch genommene und auch ausgeübte „Marktfrieden“. Märkte fanden und finden in aller Regel am zentralen Platz in einem Ort statt, oder aber, wenn es keinen richtigen Platz gab, meistens in der Hauptstraße der „Marktstraße“. Auch in Bissingen spielt die Marktstraße eine wichtige Rolle als Hauptverkehrsader durch den Ort.

Neben dem Ortskern mit dem kirchlichen Zentrum (Kirche und Pfarrhof) und dem herrschaftlichem Zentrum (Schloss, Türme, Mauerring und Brauereigebäude) setzt die Marktstraße den zweiten dominierenden Akzent im Ortsbild vom „Markt Bissingen“.

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