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Landkreis Dillingen

26.06.2019

Körperliche Arbeit bei mehr als 30 Grad: So halten sie die Hitze aus

Eine schweißtreibende Arbeit und bei dieser Hitze eine ziemliche Plackerei: die Straßenmarkierungs-Arbeiten auf der Ortsdurchfahrt in Steinheim. Eric Schneider, Ernst Hofbaur und Wolfgang Freier (von links) packen bei Temperaturen von mehr als 30 Grad an.
Bild: Berthold Veh

Bei Temperaturen von mehr als 30 Grad ist das Arbeiten im Freien eine Schinderei. Wie Firmen im Landkreis auf die extremen Werte reagieren.

Rainer Morgenstern kann den Hype um die gegenwärtige Hitzewelle nicht so recht verstehen. Denn im Lauinger Schlepperwerk gebe es deshalb keine Probleme, sagt der Geschäftsführer der Same Deutz-Fahr Deutschland GmbH. Etwa 90 Millionen Euro hat der Same-Konzern in das hochmoderne Traktorenwerk in der Albertus-Magnus-Stadt investiert. Und die Lüftungsanlage sorge dafür, dass man in den Hallen auch bei Hitze gut arbeiten kann, erklärt Morgenstern. Im vergangenen Jahr, als es ebenfalls sehr heiß war, habe es jedenfalls „überhaupt keinen Stress“ gegeben. „Da ist es drinnen kühler als draußen“, sagt Morgenstern.

"Die Baustelle muss laufen"

Unter der Hitze draußen leiden insbesondere Bauarbeiter. Als Eric Schneider, Ernst Hofbaur und Wolfgang Freier von der Landsberger Firma Bituleit am Dienstagvormittag die Markierung auf der Ortsdurchfahrt in Steinheim anbringen, hat das Thermometer fast schon die 30-Grad-Grenze erreicht, am Ende sind es 32 Grad Celsius. „Das ist schon ziemlich anstrengend“, gibt Schneider zu. Aber die Sache langsamer anzugehen, sei nicht drin. In zwei Tagen sollen die Markierungsarbeiten erledigt sein. „Die Baustelle muss laufen“, sagt Schneider. Er trinke bei dieser Hitze viel Wasser.

Sonnenschutzcreme und Strohhut sind angesagt

Dies rät auch Lothar Krauss, Zimmerermeister bei der Firma Schwertberger in Donaualtheim. Bei einer extremen Witterung sei es noch wichtiger, mit Hirn und Verstand zu arbeiten. Der Arbeitgeber müsse darauf achten, dass Mitarbeiter Sonnenschutzcreme verwenden. Lockere Oberbekleidung und ein Strohhut seien bei dieser Hitze angesagt. Mitunter könne auch der Arbeitsbeginn von 6.30 auf 5 Uhr vorverlegt werden, um früher aufhören zu können, erläutert Krauss. Aber weniger zu arbeiten, sei in der Hochsaison nicht drin. „Wenn andere zum Eisschlecken und ins Freibad gehen, sammeln unsere Kerle Überstunden.“ Es sei nicht wegzudiskutieren, dass große Hitzewellen belastend seien. Aber Ausfälle wegen eines Sonnenstichs oder Ähnlichem habe es in der Vergangenheit bei Schwertberger nicht gegeben. Krauss gibt aber zu, nach dem Arbeitstag am Abend „groggy“ zu sein. Ein paar Kleinigkeiten erledigen und Zeitung lesen, mehr sei da nicht drin. Und der Zimmerermeister würde auch eine Wette eingehen. „Ich glaube, dass die Zahl der Schwangerschaften neun Monate nach einer Hitzeperiode unter dem Durchschnitt ist“, sagt Krauss.

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Temperaturen über 30 Grad sind eine "Wahnsinnsbelastung"

Der Wertinger Bauunternehmer Rainer Hack bestätigt, dass die Belastung für die Mitarbeiter in diesen Tagen „immens“ sei. Bauarbeiter müssten bei Hitze viel Wasser trinken und sich mit Sonnencreme einschmieren. Wenn unerträglich heiße Tage bevorstehen, werde der Arbeitsbeginn auf 6 Uhr vorverlegt. „Wir können dann ein bisschen früher aufhören“, sagt Hack. Bauunternehmer Ulrich Reitenberger (Asbach) spricht von einer „Wahnsinnsbelastung“, wenn sich die Temperaturen in Richtung 40-Grad-Marke bewegen sollten. Hitzefrei gebe es auf dem Bau aber nicht. Und von den Bauarbeitern selbst klage niemand, dass es zu heiß sei. „Das sind harte Jungs“, sagt Reitenberger. Hautschutzcreme und ein früherer Arbeitsbeginn seien probate Mittel im Kampf gegen die Sonneneinstrahlung.

Bei Erwin Müller dürfen Mitarbeiter früher anfangen

Mehrere Unternehmen in der Region wie Erwin Müller in Buttenwiesen stellen Beschäftigten bei Hitzewellen frei, den Arbeitstag früher zu beginnen. Auch im Büro fangen einige Mitarbeiter bereits um 6 Uhr an, um dann früher aufhören zu können, informiert Geschäftsführer Tobias Eder. Hitze hin oder her – einige Rituale hätten aber immer Bestand. „Es wird auch bei 35 Grad Kaffee getrunken“, hat Eder festgestellt. Einen extremen Arbeitsplatz hat in diesen Tagen Daniela Demel im Wertinger Freibad. Wenn Badegäste ins Wasser springen, um sich abzukühlen, muss die Meisterin für Bäderbetriebe zuschauen. „Wir müssen aufpassen, dass nichts passiert, das ist unsere Aufgabe“, sagt Demel. Natürlich sei es jetzt heiß, aber genau dieses Wetter sei ja beim Betrieb des Freibads ideal. Vormittags seien die Frühschwimmer unterwegs, und am Nachmittag und vor allem an Wochenenden bevölkern dann Besucherscharen die Einrichtung auf dem Judenberg. Sie achte bei dieser Hitze darauf, viel zu trinken und sich im Schatten aufzuhalten, sagt Demel.

Eishersteller Ulrich Geh: Es ist Zeit für den Sommer

Mineralwasserhersteller, Biergartenbetreiber und Eisverkäufer freuen sich ebenfalls, dass jetzt richtig Sommer ist. Ulrich Geh, dessen Uli-von-Bocksberg-Eis weithin bekannt ist, sagt: „Klar, man merkt es schon, dass es heiß ist.“ Es sei jetzt aber auch Zeit für den Sommer, denn die Saison habe etwas ruhiger begonnen. Es sei zu kalt gewesen, blickt Ulrich Geh zurück. Und jetzt sei es halt „ein bisschen heiß“.

Lesen Sie dazu auch: Der Landkreis Dillingen wappnet sich gegen die Hitze

So übersteht man die Hitze am besten

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