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Gundelfingen

21.11.2020

Kreative Köpfe trotzen Corona im Kinderheim St. Clara

Genta empfängt in ihrem neu eingerichteten Beauty-Salon die anderen Kinder bei St. Clara. Ihre Stammkunden sind Cara (links) und Lena (rechts). Weil die Kinder in der Pandemie mehr Zeit im Haus verbringen müssen, kam die Idee. Wer bei Genta einen Termin möchte, muss sich an Regeln halten.
Bild: Tanja Ferrari

Plus Die Pandemie stellt auch St. Clara in Gundelfingen vor Herausforderungen. Gerade jetzt ist die Sorge groß, dass Kindergärten und Schulen erneut schließen müssen.

Quasi über Nacht waren die Schulen und Kindergärten beim ersten Lockdown im Frühjahr geschlossen worden. Für das Kinderheim St. Clara in Gundelfingen begann damit eine spannende und herausfordernde Zeit. Mehrere Wochen lang mussten die Kinder rund um die Uhr betreut werden. Ein Umstand, der viel von den Mitarbeitern abverlangte. Dass die Einrichtung die Zeit so gut überstanden hat, ist für Heimleitung Schwester Maria Elisabeth Marschalek eine große Erleichterung: „Gemeinsam konnten wir alles gut miteinander stemmen.“ Die Zusammenarbeit mit der Regierung von Schwaben und die Absprachen mit dem Jugendamt lobt sie. Dennoch: Das Kinderheim gehört nicht zu den systemrelevanten Bereichen und musste deshalb selbst schauen, wie es zurechtkommt. Zusätzliches Personal gab es keins. „Wir haben die Kinder mit viel Kreativität und Ideen bei Laune gehalten“, sagt sie. Das sei nicht immer einfach gewesen.

Wie der Lockdown im Frühjahr im Kinderheim aussah

Seit einigen Wochen steigt deshalb die Sorge, dass mit den steigenden Infektionszahlen auch die Türen von Schulen und Kindergärten wieder schließen. Vormittags, erklärt die Schwester, seien unter normalen Umständen nur drei bis vier Kinder zu betreuen gewesen. Im ersten Lockdown wurden daraus auf einmal bis zu 40 Kinder. Trotzdem hatte man sich von der neuen Situation bei St. Clara nicht unterkriegen lassen. Morgens um 8 Uhr begann der Alltag. Bis zum Mittagessen wurden Schulaufgaben erledigt. Für die kleineren Kinder gab es ab 11 Uhr außerdem die Möglichkeit sich sportlich auszupowern. Nachmittags war frei. „Wir haben sehr von unserem Gelände profitiert und der Frühling kam uns zur Hilfe“, erinnert sich Marschalek.

Auch wenn alles gut geklappt hatte, gab es die Befürchtung, dass die Kinder in der Schule nicht mehr mitkommen könnten. „Wir hatten das Glück, dass uns die Studentinnen, die gerade ein Praktikum bei uns machen, hilfreich zur Seite standen“, sagt sie. Zwar seien die Kinder immer gut betreut gewesen – auch durch die Schule – doch die Struktur und Sicherheit durch den Schulalltag habe gefehlt.

Für den Corona-Fall hat das Kinderheim Vorkehrungen getroffen

Ersetzt werden konnten auch die wegfallenden sozialen Kontakte der Kinder nicht. Besuche mussten aussetzen. Stattdessen gab es die Möglichkeit über das Schreiben von Briefen oder Mails und dem Telefonieren mit den Familien Kontakt zu halten. Bei all den emotionalen Herausforderungen, sei dieser Umstand für einige Kinder sogar entlastend gewesen. „Es gibt viele, die auch sonst auch keinen Besuch bekommen. Durch die Pandemie waren alle auf einmal in der gleichen Situation“, erklärt die Schwester. Sobald die Beschränkungen aufgehoben wurden, habe das Kinderheim die Kontakte natürlich sofort wieder möglich gemacht.

Wie die Kinder sich in der Ausnahmesituation bislang verhalten haben, darauf ist Marschalek stolz. „Alle haben verstanden, dass wir uns jetzt an gewisse Regeln halten müssen, damit wir gesund bleiben und bald wieder Normalität herrscht.“ Die ständigen Diskussionen um die von der Regierung vorgegebenen Maßnahmen, sieht sie kritisch: „Das nimmt uns doch nur Energie.“ Um im Falle eines positiven Corona-Tests auch entsprechend reagieren zu können, wurde ein Konzept ausgearbeitet. Ein Wohnbereich wurde dafür frei gemacht. Erst kürzlich mussten sogar einige Kinder auf ihr Testergebnis dort warten. Keine einfache Situation. Aber Spielmaterial und verschiedenen Medien konnte sie bei Laune halten. Großes Glück, sag sie, seien da die 100 000 Euro Corona-Hilfe, die Landtagspräsidentin Ilse Aigner an die Häuser von St. Clara in Gundelfingen, im Allgäu und Mittelfranken im Namen des Landtags überreichte.

Die Menschen spenden auch in der Corona-Zeit

Dass die Menschen trotz Corona nach wie vor spendeten, freut Marschalek: „Wir konnten unseren Kindern damit mehr ermöglichen als üblich.“ Weil sie in der Pandemie zusätzliche Zeit im Haus verbringen mussten, hatte die Einrichtung vor allem in hochwertige Spielmaterialien investiert. So könnten sich die Kinder sinnvoll beschäftigen. Ein Mädchen, erklärt die Schwester, habe beispielsweise einen Beauty-Bereich eingerichtet, wo sie nun andere Kinder empfange. Auch wenn kleine Wünsche nun erfüllt werden könne, verwöhnt seien die Kinder deshalb nicht. „Wir wollen ihnen in dieser harten und schweren Zeit einfach eine Freude machen“, betont sie.

Inzwischen stellen sich auch schon die ersten Spenden zur Weihnachtszeit ein. Eine persönliche Übergabe sei in diesem Jahr in den wenigsten Fällen möglich. Trotzdem erlebe sie die Leute sehr offen: „Viele Menschen zeigen sich in dieser Zeit solidarisch und sehen, dass wir besonders gefordert sind.“ Weihnachten muss für die Kinder von St. Clara auch in der Corona-Zeit nicht ausfallen. Die Adventszeit habe sich ohnehin immer im Haus abgespielt, erklärt Marschalek. Eine Erleichterung sei vor allem der Umstand, dass das Kinderheim als ein Haushalt gelte. „Es gibt so viele Überschneidungen zwischen den einzelnen Bereichen – wir können und wollen das nicht trennen“, sagt die Schwester. An die Hygienevorschriften halte sich die Einrichtung selbstverständlich. Werde dann doch einmal jemand positiv getestet, müsste das ganze Haus in Quarantäne. Wenigstens ein bisschen Normalität müsse erhalten bleiben.

Bei all den negativen Auswirkungen, die die Pandemie mit sich gebracht hat, gibt es auch bei St. Clara den ein oder anderen Hoffnungsschimmer. „Vorsichtig formuliert bin ich der Meinung, dass die Pandemie auch eine Chance ist.“ In den ersten Wochen im Frühjahr sei der Schreck groß gewesen. Dann aber sei das Haus zur Ruhe gekommen. Ein Zustand, den alle schon gar nicht mehr gekannt hatten. Auch die Wahrnehmung habe sich verändert und der Zusammenhalt habe zugenommen. „Wir müssen positiv denken und uns aufeinander verlassen können. Das bringt uns durch die nächsten Monate“, betont Marschalek. Auch wenn man an seine Grenzen stoße, die Hoffnung dürfe man niemals aufgeben.

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