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06.08.2007

Kunst, Vitalität und Farbigkeit

Wer wie Kirchenmusikdirektor Ulrich Knörr aus Rothenburg ob der Tauber im Jahr 2005 das gesamte Orgelwerk von Dietrich Buxtehude aufführt, besitzt ein hohes Maß an Authentizität. In der Basilika St. Peter spürte der Konzertorganist bei der 5. Orgelsommer-Matinee der intellektuellen Großräumigkeit Buxtehudes in der Ciacona in c-Moll BuxWV 159 und dem a-Moll-Präludium BuxWV 153 nach, die Joh. Seb. Bach schon fasziniert hatte.

Den Charakter original getroffen

Einfallsreich in der Registrierung traf Ulrich Knörr auch in der kleinen Partita "Auf meinen lieben Gott" original den Charakter der "deutschen" Allemande, der "französischen" Courante, der "spanischen" Sarabande und der "englischen" Gigue. Klanglich inspiriert vollzog Knörr die virtuosen rhapsodischen Abschnitte bis hin zu einem monumentalen Schluss im Präludium, während er zurückhaltende Passagen in der Ciacona mit gleicher Intensität spannend und vielfältig offenlegte. War es bei Buxtehude das 300. Todesjahr, galt Karl Höller das Gedenken zum 100. Geburtsjahr. Edgar Krapp und Axel Flierl haben bereits eine Partita und einen Choral von Karl Höller in Dillingen aufgeführt; Knörr wollte mit den Choralvariationen über "Jesu meine Freude" op. 22/2 nicht nachstehen.

Über seinen Professor an der Münchner Musikhochschule Klemens Schnorr, einem profunde Kenner der Tonsprache Höllers, kam Ulrich Knörr zu dem Münchner Komponisten. Schnorr kennzeichnet Höllers Musik so: "Farbige, raffinierte Harmonik, lebhafte, eindringliche Rhythmen, dazu die selbstverständliche Ausschöpfungen der klanglichen Mittel und Möglichkeiten der Orgel". In den traditionellen Formen wie Bicinium und Trio wie auch in den breit angelegten Variationen entwickelte Ulrich Knörr in kongenialer Meisterschaft die Absichten Höllers, wobei er die klanglichen Valeurs der Sandtner-Orgel großartig ausnutzte.

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Ob "vollgriffig oder ätherisch-transparent" (Schnorr): Ulrich Knörr blieb dem melodisch-expressiven Thema nichts schuldig; er erhöhte kontinuierlich die Spannung, bis diese sich in einer grandiosen Schlusswirkung entlud. Zum ersten Mal im Orgelsommer ein romantisches Stück, das einzige des Oberösterreichers Ludwig Thuille. Diesen hatte sein persönliches Schicksal 1879 zu seinem Komponistenkollegen Richard Strauss nach München verschlagen, wo er 45-jährig 1907 starb. Thuille, Schüler von Joseph Pembauer und Joseph Rheinberger hatte mit seiner 24-jährigen Tätigkeit an der königlichen Musikschule in München mehr von sich reden gemacht als Lehrer, denn als Komponist.

Ulrich Knörrs Entdeckerlust verdankte man eine schöne, dreigliedrige Sonate, die sich in gleicher Weise in der "Formvollendung, der Melodik und im Klanglichen mitteilt, dabei ein weises Maßhalten im Gebrauch der modernen Ausdrucksmittel" ausweist, wie Thuilles Biograf Friedrich Munter zu Recht feststellt. Die Klangschattierungen atmeten den Geist Rheinbergers; Ulrich Knörr konnte diese Beziehungen trefflich aufzeigen. Großer Beifall der beeindruckten Zuhörer.

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