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Lauingen

30.11.2019

LMV in Lauingen: Betriebsrat erhält Auszeichnung

Für sein Engagement erhielt Fritz Jenewein den Adlhoch-Preis.
Bild: Mayer

Plus Fritz Jenewein erhält den Adlhoch-Preis für seine Arbeit in der Gewerkschaft und im Betriebsrat der LMV. Wieso er sich trotzdem als erfolglos bezeichnet.

Solidarität, das ist eines der wichtigsten Schlagworte im Leben von Fritz Jenewein. Für den leidenschaftlichen Gewerkschafter gibt es wenig Wichtigeres im Arbeitsalltag. „Wenn Sie was erreichen wollen, müssen Sie sich solidarisieren“, erklärt er. Deshalb engagiert er sich seit Jahren im Betriebsrat und in der IG Metall, kämpft über Unternehmensgrenzen hinweg für den Erhalt von Arbeitsplätzen und bessere Bezahlung. Dafür wurde er nun ausgezeichnet.

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Dass es soweit kommt, damit hätte der 54-Jährige, der seit 1980 Mitglied der Gewerkschaft ist, vor Jahren nicht gerechnet: Schon 2004 wird er Ersatzmitglied des Betriebsrats des Lauinger Metallbauunternehmens LMV, zwei Jahre später wählen ihn seine Kollegen direkt in den Betriebsrat. Damals ist er erst seit sechs Jahren für das Unternehmen tätig.

Als Betriebsrat setzte er sich besonders für Arbeitnehmerrechte ein

Gewollt hat er das eigentlich nicht, zumindest nicht aktiv. Ein Betriebsratskollege holte ihn mit ins Boot. „Ich war nicht begeistert, aber ich hab’s halt gemacht“, erklärt er und lacht. 2014 wählen ihn die Kollegen dann zum Vorsitzenden.

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Von Anfang an setzt sich Jenewein für seine Kollegen ein – auch für die in anderen Unternehmen. Er ist es, der dafür sorgt, dass sich die Mitarbeiter der LMV mit denen anderer Unternehmen solidarisieren. „Wenn bei Bosch, Röhm oder Voith gestreikt wird, dann geht man da hin“, sagt er stolz. Andersrum sei es genauso.

Als Betriebsrat setzt sich Jenewein besonders für die Einführung des Entgeltrahmenabkommens in seinem Betrieb ein. „Wir hatten ausgelernte Fachkräfte im Unternehmen, die lieber als einfache Arbeiter bei Bosch am Band gearbeitet haben, weil sie da mehr verdienen. Das hat mich sehr geschmerzt.“ Dabei brauche es in Unternehmen wie der LMV, die besonderen Wert auf Qualität legen, Mitarbeiter mit viel Erfahrung.

"Wir sind ein ziemlich scharfer Betriebsrat"

Nach seinen größten Erfolgen gefragt muss Jenewein nicht lange überlegen. „Die Betriebsvereinbarung Arbeitszeit“, sagt er sofort. Darin wurden Wochenarbeitszeit und Urlaubstage für alle klar geregelt und an den Tarifvertrag angeglichen. „Vorher gab es Kollegen mit 20 Tagen Urlaub im Jahr und andere mit 30 Tagen. Das war einfach nicht gerecht“, erzählt Jenewein. Damit sei auch die zuschlagslose Samstagsarbeit weggefallen. Auch die Abschaffung der Akkordarbeit sei für ihn ein großer Erfolg gewesen.

Jenewein fasst seine Arbeit so zusammen: „Wir sind ein ziemlich scharfer Betriebsrat.“ Immer wieder widerspreche das Gremium auch Abmahnungen und Entlassungen, auch wenn das schon lange nicht mehr nötig gewesen sei. Böses Blut zwischen Chefetage und Betriebsrat gebe es aber selten: „Die Ergebnisse werden am Verhandlungstisch ausgemacht, nicht draußen im Flur.“ Immerhin wisse bei Verhandlungen jeder, wie weit er gehen kann – und alle seien an einem guten Kompromiss interessiert. Für seine langjährige Arbeit wurde Jenewein mit dem Hans-Adlhoch-Preis für gelebte Solidarität ausgezeichnet, der von der Katholischen Arbeiterbewegung (KAB), der Christlichen Arbeiterjugend (CAJ) und der Betriebsseelsorge der Diözese Augsburg verliehen wird und für Menschen gedacht ist, die sich für den Erhalt von Arbeitsplätzen, bessere Arbeitsbedingungen und gerechte Entlohnung stark machen.

Jenewein selbst sei von der Auszeichnung überrascht worden, vor allem vor dem Hintergrund der Insolvenz der LMV (wir berichteten). „Zur Zeit bin ich doch der erfolgloseste Betriebsrat überhaupt“, sagt er und lacht kurz. Ihm sei jetzt vor allem wichtig, das Insolvenzverfahren zu überstehen und möglichst viele Arbeitsplätze im Unternehmen zu erhalten.

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