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Flut

21.01.2015

Land unter in Höchstädt?

So könnte es in Höchstädt aussehen, wenn ein HQ 100, ein Jahrhunderthochwasser, eintritt. Für so einen Fall werden nun vorläufige Überschwemmungsgebiete in der Stadt und in der Umgebung gesichert.

Neue Überschwemmungsgebiete sollen gesichert werden. Das hat Folgen für die Bewohner

Höchstädt Die Bürger drängen sich um die Schautafeln, blicken ungläubig auf die vielen blau eingezeichneten Flächen. Blau heißt: Überall dort wäre im Falle eines Jahrhunderthochwassers Land unter. Teile Höchstädts und einige Nachbargemeinden stünden unter Wasser.

Das Landratsamt Dillingen und das Wasserwirtschaftsamt informierten am Dienstag die Bürger in der Nordschwabenhalle darüber, welche Regionen rund um Höchstädt im Falle eines solchen Hochwassers betroffen wären. Denn nach der bayernweit verheerenden Flut im Jahr 2013 hat der Gesetzgeber reagiert: Die Behörden sind nun verpflichtet, Überschwemmungsgebiete zu sichern. Andreas Gorbauch, der sich beim Wasserwirtschaftsamt mit der Ermittlung beschäftigt hat, erläuterte das Verfahren: „Es geht darum, darzustellen, wie weit das Wasser gehen würde. Und darum, die Gefahren bewusst zu machen und eine Planungsbasis zu schaffen.“ Früher sei die Ermittlung von Hochwassergebieten auf historischer Basis erfolgt, heute funktioniere das per Computersimulation.

Das Ergebnis der Untersuchung: Zu den schon festgesetzten Gebieten an der Donau kommen neue hinzu, die Flächen um Pulverbach, Egaugraben, Ruthengraben, Klosterbach und Nebelbach. Betroffen sind also neben Höchstädt auch Flächen – teilweise nur landwirtschaftliche, teilweise auch bebaute – rund um Unterliezheim, Schwennenbach, Unterglauheim, Blindheim, Mörslingen, Deisenhofen, Sonderheim, Gremheim, Schwenningen, Binswangen, Wertingen, Lauterbach und Buttenwiesen. Diese Gebiete werden nun vorläufig gesichert. Wer wissen will, ob sein Grundstück betroffen ist, bekommt diese Information in Kürze auf der Internetseite des Landratsamtes sowie in den Rathäusern der Gemeinden.

Land unter in Höchstädt?

Für die Stadt und die Gemeinden und die Menschen, die dort leben, hat diese Sicherung Folgen. Untersagt ist laut Christa Marx, Regierungsdirektorin am Landratsamt, zum einen das Ausweisen von neuen Baugebieten. Auch die Erweiterung von Gebäuden ist verboten, ebenso das Errichten von Mauern quer zur Flussrichtung des Wassers, das Ablagern von Gegenständen, die den Wasserfluss behindern könnten – etwa Baumstämme – sowie das Erhöhen und Abtragen der Erdoberfläche und das Ausbringen von wassergefährdenden Stoffen. Düngen bleibt weiterhin erlaubt. Marx betonte aber, dass es für alle Verbote auch Ausnahmen gebe, die dann von Fall zu Fall geprüft würden. Außerdem müssen Heizöltanks nachgerüstet werden, wenn sie nicht den Anforderungen entsprechen. Innerhalb von zwei Jahren müssen die Bewohner der betroffenen Gebiete von einem Sachverständigen untersuchen lassen, ob die Anlage hochwassersicher ist – die Kosten für die Prüfung und einen etwaigen Umbau müssen sie selbst tragen.

Mit diesen Einschränkungen sind viele Bürger nicht einverstanden. Ludwig Kraus etwa, Anlieger im Überschwemmungsgebiet und Höchstädter Stadtrat, sagte: „So wie ich das sehe, darf ich auf meinem Grundstück nichts mehr machen. Das grenzt an Enteignung. Was, wenn meine Kinder auf dem Grundstück bauen wollen?“ Außerdem sei die Sicherung der Überschwemmungsgebiete eine Einschränkung für die Entwicklung Höchstädts. Stadtrat Günter Ballis sorgt sich um die Landwirte: „Die haben einen erheblichen Wertverlust auf den Grundstücken. Kann das finanziell nicht ausgeglichen werden?“ Regierungsdirektorin Marx antwortete, dass die Flächen weiterhin bewirtschaftet werden könnten.

Anton Guffler, Ortsobmann des BBV-Ortsverbands Gremheim, will sich nicht damit abfinden, dass er den Humus aus Grabenräumungen nun nicht mehr direkt auf die Flächen ausbringen darf. „Das kann doch nicht sein, dass man das kilometerweit wegfahren muss.“ Außerdem könne er nicht nachvollziehen, warum man jetzt mit den Änderungen anfange. „Früher stand auch schon das Wasser, trotzdem hat man den Leuten erlaubt, auf die Flächen zu bauen.“ Bruckwörth sei ein altes Baugebiet, heute dürften die Häuser so wahrscheinlich nicht mehr gebaut werden, sagte Regierungsdirektorin Marx. Damals hätte es andere Vorgaben gegeben.

Bürgermeister Stefan Lenz will auf diese neuen Vorgaben reagieren. „Wir haben einen Antrag auf ein Hochwasseraudit gestellt. Der nächste Schritt ist, dass der aktive Hochwasserschutz vorangetrieben wird.“ Denn wenn eine Kommune den Hochwasserschutz verbessert, dann kann ein Gebiet laut Marx aus der Überschwemmungskarte auch wieder herausgenommen werden. Lenz kritisierte auch die Schabringer Egaubrücke als „aktiven Hochwasserschutz zulasten von Höchstädt.“ Der Durchgang bei der Brücke sei so konzipiert, dass zu wenig Wasser durchkomme. „Und dann läuft das Wasser in die Egaumulde und in den Klosterbach“, so Lenz. Auch Hans Mesch, Dritter Bürgermeister von Höchstädt, sorgt sich wegen des Abfließens des Wassers: „Ich richte die Bitte an das Wasserwirtschaftsamt, den Leitenbach regelmäßig auszubaggern“, sagte er.

Am Mittwoch, 28. Januar, findet eine Infoveranstaltung für Bürger der Städte Dillingen, Lauingen und Gundelfingen sowie der Gemeinden Ziertheim, Wittislingen, Syrgenstein, Bachhagel, Haunsheim und Mödingen statt. Beginn ist um 19 Uhr im Stadtsaal.

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