Newsticker
Bayern: Verwaltungsgerichtshof kippt 15-Kilometer-Regel
  1. Startseite
  2. Lokales (Dillingen)
  3. Landkreis Dillingen: Die Störche sind los

Landkreis Dillingen

28.08.2020

Landkreis Dillingen: Die Störche sind los

In Gundelfingen haben sich heuer insgesamt fünf Storchenpaare niedergelassen – so viele wie noch nie in der Gärtnerstadt.
Bild: Historischer Bürgerverein Gundelfingen

Plus Im Kreis gab es heuer viel Nachwuchs. In einer Stadt ist Einmaliges passiert – in Wertingen ist der Horst nun leer.

Die Störche sind los im Landkreis Dillingen – aber vor allem der Nachwuchs, der sich Mitte August bereits Richtung warmer Süden aufgemacht hat. So beispielsweise bei Christoph Kunad aus Laugna. Alle vier Jungstörche haben bei ihm überlebt. Aber „seit dem letzten Jahr bleiben die Altstörche auch über den Winter da“, sagt er.

In Gundelfingen sei etwas im Kreis Einmaliges entstanden, berichtet Walter Hieber, der die dortigen Störche stets beobachtet: Fünf Paare hätten die Stadt zu ihrem Wohnort erklärt, nisten würden sie nicht nur auf dem Rathaus, sondern neben anderen attraktiven Örtlichkeiten auch beispielsweise auf einer ehemaligen Metzgerei.

Ein Nest auf einer Apotheke musste wegen des aktiven Kamins sogar abgebaut werden. „Die beiden haben jetzt versucht, auf einem Strommast an der Stadtmauer beim Fliegeneck zu nisten, da kam aber nichts“, so Hieber. Die vielen Storchenpaare seien für ihn ein Zeichen dafür, dass die Natur um Gundelfingen in Ordnung sei. Er sagt: „Es gibt im Moment viel Nahrung für die Vögel.“ So seien durch Mäharbeiten beispielsweise viele Würmer leicht erreichbar. Auch die zahlreichen Weiher könnten unter anderem kleinen Tieren beispielsweise Frösche zur Verfügung stellen.

Auch hier hätten sich die Jungen nach Afrika aufgemacht, wie Hieber berichtet, jedoch blieben die Altstörche mittlerweile auch im Winter da, egal wie kalt es auch wäre. „Eigentlich könnten sie ja auch im Wald brüten, aber die Tiere sind schon etwas Besonderes, da sie freiwillig in der Stadt mit Nähe zum Menschen brüten“, meint er. Einen „Storchenhock“, also ein Aussichtspunkt mit Sitzgelegenheit für Interessierte, würde er schön finden, denn die Vögel seien mittlerweile fest in das Stadtleben integriert. Für ihn ist mittlerweile klar: „Irgendwo klappert’s immer!“

Auch in Wertingen wären die vier jungen Störche bereits ausgeflogen, wie Ludwig Klingler berichtet. Der Horst sei im Moment verlassen. „Jetzt werden erst einmal zusammen mit der Feuerwehr der Rost und die Zinnen auf der Kirche gereinigt“, erklärt der ehemalige Stadtrat. Für ihn wäre es durchaus ein erfolgreiches Jahr mit den Vögeln gewesen

Die Spitze des Wertinger Kirchturms wird in naher Zukunft gereinigt werden, da die Störche ihr Nest im Moment nicht besuchen.
Bild: Bunk

Bei den Wittislinger Störchen ging es dieses Jahr nicht komplett ohne Komplikationen, denn eines der Jungtiere landete bei einem Flugversuch mit stärkerem Wind wohl in einem Stacheldraht.

„Der wollte plötzlich auf die Bundesstraße Richtung Lauingen laufen, zusammen mit dem Storchenbeauftragten haben wir ihn dann aber einfangen können“, erzählt Manfred Selzle. Der verletzte Storch habe oberhalb des Flügels Einstiche mit gleichmäßigen Abständen gehabt, was auf den Stacheldraht schließen ließe. Das Tier wurde danach nach Westhausen zur Wildvogelpflegestation gebracht, wo es behandelt und anschließend wieder in die Natur entlassen wurde. „Wir haben ihn dann dort gelassen, um ihm den Transport zu ersparen. Auch hatte er bereits andere Störche kennengelernt und sich in dem Umfeld zurechtgefunden“, so Selzle.

Die anderen beiden Wittislinger Jungtiere hätten sich bereits Mitte August in den Süden aufgemacht, die Elterntiere würden seit rund zehn Jahren auch über den Winter bleiben, wie er erklärt. Über Reaktionen auf seine Facebook-Seite, wo er das Leben der Tiere mit der Öffentlichkeit teilt, freue er sich stets, besonders über positive Rückmeldungen.

Bei Familie Zacher in Wittislingen starteten dieses Jahr auch zwei junge Störche nach Süden. Von den ursprünglich drei Jungtieren starb jedoch eines, wie Elfriede Zacher berichtet. Jedoch seien sie dieses Jahr sehr zutraulich gewesen, wie ihr Mann Karl erzählt.

In Lauingen haben von fünf Jungen nur zwei überlebt, erzählt Hildegard Zenetti betrübt. Sie hat aber noch ein anderes Anliegen: Sie sucht selbst Nachwuchs.

Bild: Homann

„In diesem Jahr werde ich 85 Jahre alt. Seit 16 Jahren betreue ich die Störche. Das geht nicht mehr.“

Doch bislang war ihre Suche erfolglos. Horstbetreuer schicken Daten über ihre Störche regelmäßig an den Landesbund für Vogelschutz in Hilpoltstein und erhalten im Gegenzug verschiedene Informationen. Wer sich dafür interessiert, kann sich direkt an den LBV, Telefon 09174/4775-32, E-Mail weissstorch@lbv.de wenden.

Lesen Sie dazu auch:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren