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Dillingen

10.12.2019

Landrat zum Tod des Buben: "Solche Dinge können immer passieren"

Das Dillinger Landratsamt bekam Wochen vor dem Tod eines Dreijährigen einen Hinweis auf eine mögliche Kindswohlgefährdung in der entsprechenden Familie.
Bild: Berthold Veh (Archiv)

Plus Nach einem Versäumnis der Behörden ist ein Dreijähriger aus Dillingen ums Leben gekommen. Landrat Leo Schrell erklärt, warum Jugendämter solche Fälle „nicht komplett“ verhindern können.

Das Schicksal eines unter mysteriösen Umständen gestorbenen Dreijährigen aus Dillingen beschäftigt weiter die Region. Schon vor einigen Tagen war bekannt geworden, dass das Landratsamt bereits mehrere Monate vor dem Tod des kleinen Jungen auf die schwierigen Verhältnisse in der Familie hingewiesen worden war. Am Montag wurde das Schicksal des Buben nun auch im Jugendhilfeausschuss des Landkreises behandelt.

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Dreijähriger in Dillingen gestorben: Wie die Behörden versagen konnten

„Wir bedauern sehr, was hier passiert ist“, sagte Landrat Leo Schrell und versprach: In Zukunft wolle das Jugendamt in Dillingen noch intensiver auf bekannte Fälle schauen. Doch ein Restrisiko werde bleiben. „So etwas kann leider immer passieren und nicht komplett verhindert werden, egal wie sorgfältig wir arbeiten“, sagte Schrell.

Zu dem Fall des Buben gebe es „viele Spekulationen und genauso viele Fragen“, erklärte Schrell. Inzwischen wisse man, dass die Familie im Januar dieses Jahres von Halle an der Saale nach Dillingen gezogen sei. Das hiesige Jugendamt habe sie nach dem Umzug allerdings nicht auf dem Radar gehabt, gab er offen zu.

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Warum es keinen Kontakt zum Jugendamt in Halle gab

Auf die Frage, warum es keinen Kontakt zum Jugendamt in Halle, das mit der Familie zu tun hatte, gegeben habe, erwiderte Schrell: „Es wurde uns von den Kollegen mitgeteilt, dass die unterstützenden Maßnahmen schon im Jahr 2017 abgeschlossen wurden.“ Da Familien oftmals einfach ihre Zelte abbrächen und sich einen neuen Wohnort suchen würden, sei es für die Behörden schwierig, frühzeitig zu reagieren. Als das Dillinger Jugendamt schließlich an jenem Abend im Oktober von dem polizeilichen Einsatz bei der Familie erfahren habe, sei es sofort vor Ort gewesen. Dabei konnte auch die Schwester des Buben in Obhut genommen und sicher untergebracht werden.

Eine Nachbarin der Familie hatte das Landratsamt bereits Anfang Juli auf fragwürdige Zustände in deren Wohnung aufmerksam gemacht. „Die Anruferin hatte sich über die bellenden Hunde der Familie beschwert“, erklärte Schrell am Montag. Auf Nachfrage der Mitarbeiterin des Veterinäramtes habe sich herausgestellt, dass auch Kinder bei der Familie lebten. Daraufhin habe sie die Dame gebeten, sich auch an das Jugendamt zu wenden. „Die Nachbarin hatte versprochen, das zu tun, doch nicht gemacht“, erklärte der Landrat.

Da es sich bei vielen Anrufen oft nur um Streitereien zwischen Nachbarn handle und nicht um eine Gefährdung des Kindeswohls, habe die Kollegin vom Veterinäramt nicht reagiert. Eine akute Gefahr für die Kinder habe sie in der Situation nicht herausgehört.

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