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Lauingen

23.08.2019

Lauinger Wasserturm: Große Geschichte – und große Zukunft?

Im Lauinger Wasserturm ist auch heute noch der Kessel - sehen kann ihn aktuell aber niemand.
Bild: Archiv E-Park

Plus Den Wasserturm in Lauingen kennen viele Menschen. Doch das Innere bleibt der Öffentlichkeit verborgen. Die Besitzer wünschen sich, dass sich das ändert.

Der Wasserturm ist im Lauinger E-Park allgegenwärtig. Im Eingangsbereich, wo auch Souvenirs und Produkte aus der Region verkauft werden, gibt es Postkarten vom Bau. Eingerüstet, schwarz-weiß, mit der Jahreszahl 1916 versehen. Auf dem Weg zu den Büroräumen in den oberen Stockwerken des ehemaligen Elektrizitätswerkes taucht er das nächste Mal auf. Zwei große Skizzen, einmal von der Fassade, einmal ein Querschnitt, zeigen wie der Turm aufgebaut ist.

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Und von fast überall auf dem Gelände ist das Original zu sehen: 48 Meter hoch ragt es in den Himmel. „Wir werden oft gefragt: Ist da was drin? Ist der hohl?“, erzählt Andreas Krug. Er und seine Frau betreiben den E-Park. Sie haben das Grundstück vor zehn Jahren gekauft, das früher den Stadtwerken gehört hat. Und damit auch Lauingens dritthöchstes Gebäude.

Der Lauinger Wasserturm ist nicht hohl

Der Turm ist nicht hohl. Doch die Frage zeigt, dass da in Lauingen vor aller Augen ein verborgener Ort steht. So präsent das Äußere ist: Das Innere des Wasserturms kennen nur wenige.

Lauinger Wasserturm: Große Geschichte – und große Zukunft?
26 Bilder
Damals und heute: der Lauinger Wasserturm
Bild: Archiv E-Park

Die Krugs waren natürlich schon drinnen. Zum ersten Mal 2009, als es um den Kauf des Grundstücks ging. „Das übertrifft die Erwartungen“, sagt Andreas Krug. „Plötzlich diese Dimensionen zu erkennen.“ Der Turm sorgte bis zu seiner Stilllegung in den 70er-Jahren für den Druck auf Lauingens Wassernetz. Bis auf das Wasser ist noch alles drin.

Der innere Stahlkessel, der durch heißgenietete Bleche verdichtet wurde. „Das ist gebaut wie bei einem Dampfkessel“, erklärt Krug. Ihn fasziniert die Technik des Turmes, die der seiner Ausstellungsstücke im E-Park so ähnlich ist. Auch rundherum, im äußeren Kessel, war früher Wasser. Dadurch wurde von außen Druck aufgebaut, der den Wassermassen innen entgegenwirkte. 300 Kubikmeter waren es – also ein Gewicht von 300 Tonnen.

Der Kessel sitzt auf 35 Meter Höhe

In Lauingen wird der Wasserturm nur vom Schimmelturm und der Stadtpfarrkirche Sankt Martin überragt. Der Kessel sitzt auf rund 35 Meter Höhe – das sorgte für etwa 3,5 bar Druck, sodass auch in Wohnungen in höheren Etagen Wasser aus dem Hahn kam. Oben kann man nach draußen gehen und sich in alle Himmelsrichtungen umschauen. „Der Blick ist echt genial“, sagt Carmen Krug: Lauingens Altstadt, auch Gundelfingen und Dillingen sind zu sehen.

Die Krugs zeigen Bilder, vom Blick und aus dem Inneren. Die grüne Rostschutzfarbe, die Leiter, die in den Kessel führt. Die gusseisernen Handräder, das Fallrohr, an dem gezählt wurde, wie viel Wasser hindurchfließt – der Wasserverbrauch der ganzen Stadt. Und die Eichentreppen, die vom Eingangsbereich nach oben führen, und die inzwischen das größte Problem des Turmes sind. Das Ehepaar zeigt Fotos, weil der Turm seit mehreren Jahren gesperrt ist. „Die Treppen sind so morsch, da kann man nicht mehr raufgehen“, erklärt Andreas Krug.

Hier ist das Treppenhaus zu sehen – die Stadtwerke hatten dort damals ihr Archiv.
Bild: Archiv E-Park

Das würden die beiden gerne ändern. „Den Turm öffentlich zugänglich zu machen, wäre schön“, sagt Krug. Ob das jemals geschieht, hängt von den Kosten und möglichen Förderungen ab. Der Turm ist denkmalgeschützt, auch die Denkmalschutzbehörde muss mitspielen. Wenn man Menschen in den Turm lassen wolle, müssten Brandschutz und Fluchtwege geregelt sein. Klar ist: Es geht um eine ganze Menge Geld. Andreas Krug erzählt von Hochrechnungen, nach denen es 1,8 bis zwei Millionen Euro sein dürften. „Das wird der Turm nie erwirtschaften“, sagt er. Und da geht es nur um mögliche Umbauten.

Nichts mehr in den Turm investiert

Hinzu kommt die Instandhaltung – nachdem der Kessel nicht mehr in Betrieb war, haben die Stadtwerke nichts mehr in den Turm investiert. Allein dafür dürfte schon mehr als eine halbe Million Euro anfallen. Da müsse man nüchtern überlegen: Wie viel Geld kann man einsetzen, wie viel kommt wieder rein? „Frei gedacht haben wir da schon viel“, sagt Andreas Krug. „Das wäre ein toller Ort für Feiern, für Events, Ausstellungen, kleine Konzerte bis hin zur Gastronomie.“ Der Turm hat eine Grundfläche von 100 Quadratmetern, oben sind es fast 80. Aktuell gibt es drei Etagen – es wäre aber möglich, noch mehr einzubauen. „Der Turm an sich ist ja massiv gebaut“, sagt Krug. Schließlich ist die Statik auf 300 Tonnen Wasser ausgerichtet, die da nicht mehr sind.

Der Lauinger Wasserturm gehört Carmen und Andreas Krug, die den E-Park auf dem früheren Stadtwerkegelände betreiben.
Bild: Jakob Stadler

Ideen haben die beiden, für eine zweite Blütezeit des mehr als hundert Jahre alten Turmes. Konkret sei aber noch nichts, außer dem Willen.

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