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25.10.2017

Leben im Blindheimer Bahnhof

Mindestens 20 Jahre stand das ehemalige Blindheimer Bahnhofsgebäude leer. Es ist verwahrlost und muss kernsaniert werden. In Donauwörther Investor das Gebäude nun erworben und große Pläne.
Bild: Simone Bronnhuber

Jahrelang stand das alte Gebäude an prominenter Stelle leer. Es ist heruntergekommen und nicht bewohnbar. Noch nicht. Ein Privatinvestor hat große Pläne

Blindheim Die Farbe bröckelt von den Wänden, Elektrokabel hängen wild herunter, die Glasscheiben sind zerbrochen, die Fenster mit Holzbrettern verschanzt. Von der ehemaligen Eingangstür ist kaum noch was zu erkennen. Unzählige, alte Plakate mit Ankündigungen von Konzerten und Partys sind lieblos an den Rahmen getackert. Mit blauer Sprühfarbe steht „love“ an einer Hauswand, an anderen Stellen ist sogar das Mauerwerk zu sehen. Das ehemalige Bahnhofsgebäude in Blindheim ist wahrlich kein Hingucker. Seit mindestens 20 Jahren steht es leer und genau so sieht es aus. Noch. Denn in den vergangenen Wochen hat sich etwas getan – und das ist auf den ersten Blick zu erkennen. Die Fenster im Erdgeschoss sind nagelneu. Und das ist erst der Anfang.

Seit Juli hat das alte Gebäude seinen Besitzer gewechselt. Die Bahn hat es an einen Privatinvestor aus Donauwörth verkauft. Der 36-Jährige, der im Moment seinen Namen noch nicht in der Zeitung lesen will, hat große Pläne, wie er erzählt. „Das Gebäude hat einfach Charme. Wo habe ich sonst noch Deckenhöhen von 4,50 Meter?“, sagt er bei einem Ortstermin in den vergangenen Tagen. Durch Zufall sei er im Internet auf die Versteigerung gestoßen, habe sich das Projekt angeschaut und sofort zugeschlagen. „Die Lage ist perfekt. Man ist schnell in Donauwörth und schnell in Dillingen. Optimal“, so der Investor.

Das alte Bahnhofsgebäude steht direkt am Ortseingang in der Kurve und ist von der B16 gut zu sehen. Den genauen Kaufpreis will der neue Besitzer nicht verraten, nur, dass er dem Zustand des Gebäudes entsprechend günstig war. Was er aber verrät, ist, dass das geschichts-trächtige Gebäude künftig wieder einen Nutzen haben soll. Der Donauwörther hat genaue Vorstellungen, die er gerade mit einem Architekten ausarbeitet und in der nächsten Sitzung dem Blindheimer Gemeinderat vorstellen will. „Ich will nicht vorgreifen, sondern in Zusammenarbeit mit der Gemeinde planen“, sagt er.

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Wenn es nach ihm geht, soll im alten Bahnhof künftig aber wieder Leben einkehren. Er wolle Wohnungen zu guten Mietpreisen anbieten. Im Erdgeschoss, dort wo früher einmal ein großer Wartesaal und der Fahrkartenschalter waren, können je nach Planung zwei bis drei Wohnungen entstehen, durchaus könne sich der Investor aber auch Gewerbe in Form eines Ladenlokals vorstellen. „Die örtliche Lage macht vieles möglich“, sagt er.

Im Obergeschoss entstehen ebenfalls Wohnungen, zudem hofft er, dass mit Genehmigung der verschiedenen Behörden Balkone installiert werden können. Außerdem wolle er noch mehr Fläche für einen Garten und mögliche Parkplätze erwerben. „Ich möchte Wohnraum für junge Familien, junge Leute, alleinerziehende Mütter oder andere vielleicht sozial benachteiligte Menschen schaffen. Es darf eine bunte Mischung sein.“ Aus dem Bauch heraus könne er sich für eine 70-Quadratmeter-Wohnung einen Preis in Höhe von rund 450 Euro vorstellen. „Aber soweit sind wir noch nicht.“ Denn im nächsten Schritt – wenn alles soweit genehmigt wird – muss kernsaniert werden. Innen wie außen. Jede Menge Arbeit für den 36-Jährigen. „Ein bisschen verrückt muss man schon sein. So ein Projekt geht nur mit viel Ideologie – und die habe ich“, sagt er und ergänzt mit einem Schmunzeln: „Und wer wollte nicht schon einmal Bahnhofsbesitzer sein?“

Die Gemeinde Blindheim auf jeden Fall nicht unbedingt. Bürgermeister Jürgen Frank sagt zwar, dass auch die Gemeinde im Frühjahr dieses Jahr mitgeboten habe – aber lediglich mit einem Euro. „Wenn niemand zugeschlagen hätte, dann hätten wir es erworben. Aber die Gemeinde hätte das Gebäude abgerissen. Offensichtlich hat uns die Fantasie gefehlt“, sagt Frank und lacht. Umso erfreulicher sei es, dass ein Investor mit solchen Plänen gefunden worden sei. „Wir unterstützen das Vorhaben. Das Bahnhofsgebäude ist neben der Simonsmühle das Gebäude, mit dem wir am negativsten auffallen. Seit Jahren haben wir immer wieder Kontakt mit der Bahn aufgenommen und darauf gedrängt, dass was passiert. Deshalb sind wir froh, dass es jetzt so ist. Wenn dann noch Wohnungen kommen, können wir das nur begrüßen“, sagt der Bürgermeister.

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