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Matinee in Dillingen

10.08.2018

Lebenslust made in Franken

Michael Dorn aus Bayreuth ließ barocke Lebenslust durch die Klosterkirche schallen.
Bild: Silvia Schmid

Der Bayreuther Organist Michael Dorn begeistert beim Dillinger Orgelsommer mit Barock.

Fränkische Orgelkompositionen aus dem Barock standen im Mittelpunkt der letzten Samstagsmatinee im Rahmen des Dillinger Orgelsommers, zu der Gastorganist Michael Dorn aus Bayreuth angereist war.

Der Barock ist die Epoche, die insbesondere in Deutschland wohl am stärksten mit Orgelmusik verbunden ist. Krieger, Pachelbel und natürlich Johann Sebastian Bach sind die bekanntesten, deutschen Namen der Zeit. Auch musikwissenschaftlich brachte diese Epoche einiges mit sich, was die weitere Entwicklung nachhaltig prägen sollte. Die modernen Tonarten Dur und Moll wurden im Barock eingeführt, außerdem etablierten sich größere, aus Einzelteilen zusammengesetzte Stücke wie die Kantate, das Oratorium, die Fuge, die Suite, die Sonate und – insbesondere in Italien – die Oper.

Gastorganist Michael Dorn, selbst gebürtiger Mittelfranke aus Roth und aktuell Stadt- und Dekanatskantor an der Stadtkirche des oberfränkischen Bayreuth, wählte für sein Gastspiel in der Dillinger Klosterkirche insbesondere die fränkischen Komponisten des Barock: „Bach und die Barocke Lebenslust. Eine musikalische Reise durch Franken im 17. und 18. Jahrhundert“ überschrieb er seine Matinee im Dillinger Orgelsommer und präsentierte eine Auswahl, die fast schon dem Muster des griechischen Dramas folgte und sich von einem ruhigen Beginn steigerte hin zu einem fulminanten Höhepunkt und schließlich im Finale löste.

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Manches aus der Wahl des Meisters klang vielen Zuhörern bekannt, entstanden doch im Barock die meisten der heute noch in den Sonntagsmessen gesungenen Choräle. Doch auch Kompositionen eher unbekannter Organisten kam zur Aufführung. Den Anfang machte Dorn mit Johann Kriegers Partita über dem Choral „In dich hab ich gehoffet, Herr“. Der Bayreuther Hoforganist und Zeitgenosse Bachs gefällt insbesondere durch die typischen, kunstvoll figurierten Variationen über dem bekannten Choralthema.

Nach der Toccata in a von Johann Philipp Krieger folgte Johann Pachelbels Partita über den Choral „Was Gott tut, das ist wohlgetan“, bekannt unter anderem aus Bachs Kirchen-Kantate (BWV 99). Die Komposition, insbesondere aber die Interpretation und Darbietung des Organisten sprühte regelrecht vor Lebenslust. Pachelbel gilt als Wegbereiter Bachs.

Mit den Drei Schlag-Arien aus dem „Musikalischen Zeitvertrieb“ gewährte Michal Dorn einen kurzen Einblick in das umfangreiche Werk des Barockkomponisten Johann Valentin Rathgeber. Hauptberuflich Organist am Benediktinerkloster Banz, war Rathgeber ein vielseitiger und produktiver Komponist, der vor allem praktische Erfordernisse der Musikausübung in den Pfarreien des ländlichen Raums im Blick hatte. Er genoss große Bekanntheit und hohes Ansehen im süddeutschen Raum. Unter seinen umfangreichen Kompositionen finden sich weltliche und geistliche Werke.

Von einem seiner Vorgänger im Amt des Bayreuther Stadtkirchenorganisten, Johann Balthasar Kehl, brachte Michael Dorn zwei Choralvorspiele zu Gehör. Mit großem Einfühlungsvermögen und voller Demut erklangen „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ und „Allein Gott in der Höh’ sei Ehr“.

Zum Abschluss machte der Musiker den obligatorischen Abstecher von Franken aus ins benachbarte Thüringen: Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge in D-Dur entließ die Zuhörer von der „Kunst in der kühlen Kirche“, wie der Vorsitzende des Fördervereins „Dillinger Basilikakonzerte“, Paul Olbrich, den Genuss der Samstagkonzerte auf den Punkt brachte, hinaus in das hochsommerliche Treiben der Stadt. Michael Dorn demonstrierte mit seinem Konzert eindrücklich, wie viel Lebenslust, Hingabe und Leidenschaft in sakraler Musik steckt und führte die Zuhörer emotional auf eine beeindruckende Reise durch den Barock.

Die Matinee am heutigen Samstag beginnt um 11.15 Uhr in der Klosterkirche.

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