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13.03.2009

Lebensqualität trotz Parkinsonkrankheit

Gundelfingen (ziss) - Hermann Kalcher wirkt glücklich. Und er ist es auch. "Es hört sich komisch an, aber ich war noch nie so glücklich wie zurzeit", sagt der 48-Jährige. Doch das ist nicht selbstverständlich: Hermann Kalcher leidet seit vier Jahren an Parkinson.

Den ehemaligen Marketing- und Vertriebsleiter vom Gundelfinger Unternehmen Leo Druck hat die neurologische Erkrankung sehr früh getroffen. "Normalerweise bekommt man die Krankheit zwischen dem 55. und 65. Lebensjahr. Die Wahrscheinlichkeit nach dem 65. Lebensjahr an Morbus Parkinson zu erkranken liegt bei einem Prozent", betont er. Er macht das Beste aus der Situation, aber es war ein langer Weg für den Gundelfinger.

Schleichende Krankheit

Diese schleichende Krankheit fesselte ihn nach und nach. Vor vier Jahren fühlte er sich plötzlich müde, lustlos. "Es waren Symptome von Burn-out und Depression erkennbar. Bis allerdings Parkinson diagnostiziert wurde, dauerte es einige Zeit. Das Krankheitsbild ist bei jedem Patienten anders." Als die Diagnose feststand, war er nicht geschockt. "Ich war froh. Die Krankheit hat endlich ein Gesicht bekommen."

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Doch sie fordert ihren Tribut: Hermann Kalcher quittiert seinen Beruf. "Die Krankheit entwickelt sich nach und nach. Man ist keine zwölf bis 14 Stunden täglich mehr belastbar. Es wird mit der Zeit immer weniger." Heute sind es noch zwei Stunden täglich, die er für Aktivitäten nützt. "Ich nehme mir jeden Tag etwas vor. Ich habe immer ein Ziel vor Augen", sagt er. Der ehemalige passionierte Dirigent der Gundelfinger Stadtkapelle arbeitet mit dem Vorstufenorchester und der Lauinger Small Band zusammen. Er engagiert sich bei der Gundelfinger VHS, im Stadtmarketing und im Festkomitee für das Gedenkjahr 2012.

Kein Druck mehr

"Ich muss mich zwar finanziell einschränken, aber ich bin schmerzfrei und verspüre keinen Druck mehr. Ich entscheide tagtäglich was ich machen will und was nicht", so Hermann Kalcher. Regelmäßig geht er in Gundelfingen unter die Leute, oft ist er in seinem Lieblingsrestaurant Salerno zu treffen. "Meine rechte Hand zittert etwas, wenn ich aufgeregt bin, oder wenn es kalt ist, und mein rechter Fuß ist blockiert. Den ziehe ich hinter mir her. Manchmal ist mir das peinlich, aber ich kann es ja nicht ändern", sagt er offen.

Problemlos geht er mit seiner Krankheit um und will auf diesem Weg anderen Parkinsonkranken helfen. Dafür hat er eine Selbsthilfegruppe gegründet, die in das Angebot der VHS aufgenommen wurde. Kalcher: "Auch mit der Krankheit ist Lebensqualität möglich."

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