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24.01.2019

Lohnt sich im Landkreis Dillingen die Kraft der Sonne?

Um das Potenzial auf den Dächern im Landkreis für die Energiegewinnung zu heben, gibt es für Dillingen nun einen sogenannten Solarpotenzialkataster. Das ist ein Tool auf der Website des Landkreises, mit dessen Hilfe sich interessierte Bürger über den Nutzen einer Fotovoltaik-Anlage auf dem eigenen Dach informieren können.
Bild: Alexander Kaya

Im Internet sehen Häuslebauer aus dem Kreis Dillingen jetzt, ob sich die Anschaffung einer Fotovoltaik-Anlage für sie lohnt. Um was es sich genau handelt.

Dillingen Dürren, Ernteausfälle, Hochwasser oder massive Stürme – je weiter der menschengemachte Klimawandel voranschreitet, desto häufiger und intensiver treten seine Auswirkungen in Deutschland auf. Auch im Landkreis Dillingen. Der Kreistag beschäftigt sich bereits seit mehreren Jahren mit dem Klimawandel und seinen Folgen, seit 2015 nimmt der Landkreis am „European Energy Award“, kurz eea, teil. Ein konkretes Ergebnis ist nun in der vergangenen Sitzung des Energiebeirats vorgestellt worden: das Solarpotenzialkataster.

Die CO2-Bilanz des Landkreises soll weiter gesenkt werden

Landrat Leo Schrell sagte, „wir können nur das im Landkreis erledigen, was in unserer unmittelbaren Verantwortung steht.“ Wenn in Zukunft zehn Milliarden Menschen die Welt bevölkern, gehe es nicht nur um Verteilungsfragen hinsichtlich Trinkwasser oder Lebensmitteln. „Die Energieversorgung wird in Zukunft noch wichtiger werden“, sagte Schrell und erklärte, derzeit werden rund 80 Prozent der benötigten Energie in Deutschland importiert. Es brauche daher den Rückgriff auf jeden einzelnen Menschen im Landkreis Dillingen, diese Botschaft solle aus dem Sparkassensaal nach außen getragen werden. „Wir haben die Kräfte aller möglichen Experten aus dem Energiebereich gebündelt“, sagte Schrell – so solle auch die CO2-Bilanz des Landkreises weiter gesenkt werden. Umweltausschuss-Mitglied Heidi Terpoorten von den Grünen wandte ein, es gebe dabei noch Verbesserungsbedarf. Aktuell erzeuge der Landkreis bereits rund 120 Prozent seines Gesamtstromverbrauchs aus regenerativen Quellen, erklärte Schrell. Was noch fehle, seien Techniken zur Stromspeicherung.

Christian Weber vom Landratsamt stellte in seiner Präsentation das Solarpotenzialkataster im Umweltausschuss vor. „Der eea ist quasi ein Qualitätsmanagement-Programm für den Umweltschutz.“ Im November dieses Jahres endet das Programm im Landkreis, im Zuge einer internen Analyse wurde im vergangenen Jahr eine Energiebilanz erstellt: „Wir haben festgestellt“, sagte Weber, „es ist ein deutlicher Zuwachs an Erzeugungsanlagen notwendig.“ Das höchste stromseitige Potenzial habe Fotovoltaik. Das Ziel des Solarpotenzialkatasters sei es, die Energiewende im Landkreis aktiv voranzutreiben und die Wertschöpfung in der Region zu halten. Daher werde es eine Reihe von Informationsabenden geben, in denen Experten interessierten Bürgern Antworten auf Fragen zur Solarenergie geben können, erklärte Weber. Die Auftaktveranstaltung ist am Montag, 28. Januar, um 19 Uhr in der Pfalz-Neuburg-Stuben in Höchstädt.

Hier ist ein Ausschnitt aus der Benutzeroberfläche des Solarpotenzialkatasters für den Landkreis zu sehen.
Bild: Screenshot Solarpotenzialkataste

Das Solarpotenzialkataster ist auf der Website des Landkreises zu finden

An seine Erläuterungen anschließend, führte Weber den Anwesenden das Solarpotenzialkataster „live“ vor. Auf der Website des Landratsamtes findet sich unter der Rubrik „Wirtschaft & Energie“ der Reiter „European Energy Award“. Hier gelangt man über den Infotext direkt zu Punkt eins, dem Solarpotenzialkataster. Für das Kataster wurden alle Hausdächer im Landkreis mithilfe digitaler Orthofotografie aufgenommen. Der Nutzer kann im Kataster nicht nur exakt seine Gemeinde in der Übersichtsseite aufrufen, sondern auch vielerlei Informationen zur Fotovoltaik finden. In einer digitalen Landkarte gleichenden Ansicht lässt sich anschließend die genaue Adresse herausfinden.

Verschiedene Farbansichten zeigen nicht nur die Effektivität der potenziellen Fotovoltaik-Anlage, mit einem Klick auf das Haus erhalten Interessierte sogar eine Übersicht, welche Position auf dem Hausdach am geeignetsten ist. „Das Kataster ersetzt aber keine Fachplanung“, sagte Weber. Auch gibt es einen Finanzierungsrechner, der einen Zinssatz von 3,5 Prozent annimmt. Als Finanzierungspartner konnte der Landkreis die Kreis- und Stadtsparkasse Dillingen gewinnen, die das Projekt, das insgesamt 13090 Euro kostete, unterstützt. Der Pressesprecher des Landratsamtes, Peter Hurler, erklärte: „Dazu kommen noch 2700 Euro an jährlichen Kosten für die Aktualisierung der Geodaten.“ Für Interessente gibt es die Möglichkeit, ihre Anlage über die Sparkasse zu finanzieren.

Experten vor Ort beantworten Fragen zum Solarpotenzialkataster

Kreistags-Mitglied Elmar Sinning von der Fraktion Zukunft fragte nach dem Vortrag, ob die Stromerzeugung besteuert werde. „Die Einspeisenvergütung ist ja bereits gesenkt worden.“ Landrat Schrell erklärte, der Eigenbedarf werde nicht versteuert. Lediglich Stromverkäufe unterliegen der Steuerpflicht. Der Kaufmännische Vorstand der LEW, Markus Litpher, erklärte, bei den jeweiligen Veranstaltungen in den kommenden Monaten werde es Experten geben, die steuerliche und andere Fragen beantworten können. „In besonderen Fällen braucht es aber eine gesonderte Beratung.“

Kreisrätin Claudia Stocker von der FDP erkundigte sich, ob denn das Problem der Entsorgung einer Fotovoltaik-Anlage gelöst sei. Hans-Jörg Barth vom Energie- und Umweltzentrum im Allgäu – er begleitet das Gesamtprojekt seit Jahren – erklärte, es gebe Techniken zur Zerlegung der Anlagen. „Die Rohstoffe einer Anlage sind wertvoll und recyclingfähig. Allerdings gibt es kaum Anwendungen, da die Anlagen der ersten Generation noch in Betrieb sind.“ Und das bereits viel länger als einst prognostiziert.

Mit einem Klick hier gelangen Sie direkt zum Solarpotenzialkataster für den Landkreis Dillingen.

Hier können Sie einen Kommentar unseres Volontärs Jonas Voss zu dem Projekt lesen: Solarenergie ist unersetzlich

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