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G8

23.04.2015

Macht ein Pilotprojekt Schule?

Ein völlig neues Angebot am Dillinger Sailergymnasium kommt überraschend gut an

Das Johann-Michael-Sailer-Gymnasium ist eine von 47 Pilotschulen in Bayern für die sogenannte Mittelstufe Plus. Was etwas sperrig klingt, hat Schüler und Eltern unglaublich begeistert: Drei Viertel aller infrage kommenden Kinder werden das Angebot ausprobieren und ein Jahr länger ins Gymnasium gehen, also neun Jahre.

Betroffen sind die Siebtklässler des Gymnasiums. Sie können sich aussuchen, ob sie die Mittelstufe in drei Jahren durchlaufen oder in vier. In dem zusätzlichen Schuljahr, der Klasse 9+, sollen vor allem die Kernfächer wie Deutsch, Mathe oder Fremdsprachen intensiver vermittelt werden.„Ich dachte, es wird schwer, überhaupt jemanden dafür zu finden. Aber wir rennen damit offene Türen ein“, sagt Direktor Kurt Ritter überrascht. Von vier Klassen werden drei das zusätzliche Schuljahr in Anspruch nehmen, nur eine Klasse durchläuft das normale G8. „Es war spannend, wie sich die Eltern entscheiden werden“, sagt Oberstudienrat Lars Lenz, Mitarbeiter des Direktorats, „aber dass sich drei Viertel aller Schüler dafür entscheiden, das war nicht absehbar.“ Die beiden hatten zusammen mit der stellvertretenden Schulleiterin Inge Petrich Eltern und Schüler intensiv über das Projekt informiert und dann ihr Interesse abgefragt.

Auch der Sohn von Marianne Reichhardt aus Höchstädt wird ein Jahr mehr zur Schule gehen als die große Tochter, die das G8 besucht und sehr erfolgreich abgeschlossen hat. „Das ist auch machbar“, betont Marianne Reichhardt, „aber anstrengend.“ Und als die Tochter von der Mittelstufe Plus hörte, habe sie dem Sohn gleich dazu geraten.

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Diese Haltung kann sich Direktor Ritter auch erklären: „Wir sind ein Landgymnasium. Manche Schüler fahren morgens 45 Minuten mit dem Bus und müssen nach dem Nachmittagsunterricht auch noch lange warten, bis überhaupt wieder einer fährt.“ Im G8 fällt in der Mittelstufe an zwei Wochentagen Nachmittagsunterricht an, in der Mittelstufe Plus haben die Schüler nachmittags frei. Marianne Reichhardt weiß, dass die wenigsten Kinder, die in Dillingen aufs Gymnasium gehen, mit dem Fahrrad fahren. „Die meisten brauchen Bus und Zug. Und bis Bissingen sind sie teils eine Stunde unterwegs.“ Generell sei die Übertrittsquote auf das Gymnasium nicht so hoch wie in der Stadt, sagt Kurt Ritter – anders als in den Großstädten. In München würden neue Gymnasien gebaut. Viele Eltern fürchten laut Ritter den hohen Leistungsdruck im G8. Kinder mit sehr guten Noten würden stattdessen oft auf die Realschule geschickt, wo es keinen Nachmittagsunterricht gibt. „Und dann haben wir noch diese besondere Lage“, erklärt Lars Lenz. Denn die Busverbindungen ins benachbarte Baden-Württemberg seien so gut, dass viele Kinder aus dem Dillinger Land in Giengen oder Neresheim zur Schule gehen.

Umso mehr freut man sich am Sailergymnasium, als eine von über 70 Schulen den Zuschlag für die Mittelstufe+ bekommen zu haben. Sie käme den Wünschen vieler Eltern entgegen, dass die Kinder mehr Zeit für den Lehrstoff haben und bis zum Abitur mehr Reife erlangen. Marianne Reichhardts Sohn geht gern auf das Gymnasium, möchte aber mehr Zeit für sich. Auch diesem Wunsch kommt das „Plus“ entgegen. Dass man in der Plusklasse mit Schwerpunkt Sprache ein halbes Jahr ins Ausland kann, sei ebenfalls attraktiv, ergänzt Direktor Ritter.

So kommt es nun zu der paradoxen Situation, dass drei Viertel aller Siebtklässler ab dem nächsten Schuljahr die Mittelstufe Plus besuchen werden, und die Regelklasse zum Pilotprojekt wird. Damit die G8-Schüler nicht viel mehr leiden müssen als die anderen, soll ihr Nachmittagsunterricht auf einen Tag reduziert werden. „Das haben wir versprochen“, sagt Ritter.

Das Pilotprojekt ist auf zwei Jahre angesetzt. Was danach aus der Mittelstufe Plus wird, das, sagt der Direktor, hätten die Eltern in der Hand. Hält das Interesse an, könnten Gymnasien vielleicht selbst entscheiden, ob sie die Mittelstufe Plus anbieten wollen. Aber was sagen die Lehrer eigentlich dazu? Mehr Stellen werden schließlich nicht geschaffen, das Projekt darf nichts kosten. „Die Kollegen werden jetzt befragt, sagt die stellvertretende Schulleiterin Inge Petrich und lacht. „Wie versuchen dann, es allen recht zu machen. "Kommentar

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