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Menschen 2015

09.01.2015

„Man sieht alles ein wenig gelassener“

Anja Schweyer ist die beste Altenpflegeschülerin im Landkreis Dillingen – und auch eine Lieblingspflegerin von Bewohnerin Anna Rieder.
Bild: Bronnhuber

Anja Schweyer ist die beste Altenpflegeschülerin im Landkreis. Die 32-Jährige hatte aber eine andere Berufsvorstellung. Ein Schicksalsschlag veränderte alles. DZ-Serie 2

Bissingen Nachts rief ihr Vater auf dem Handy an und teilte ihr die schockierende Nachricht mit: Die Mama hatte einen Schlaganfall. Von da an veränderte sich alles im Leben von Anja Schweyer. Von heute auf morgen war ihre Mutter pflegebedürftig, die damals 17-Jährige kümmerte sich neben ihrer Ausbildung um die kranke Mama. „Das war wild, das hat uns alle sehr mitgenommen“, erzählt sie. Aber auch verändert. Denn heute, 15 Jahre später, hätte die junge Frau vielleicht nicht den Beruf, in dem sie so erfolgreich ist. Anja Schweyer arbeitet in der Pro Seniore Residenz in Bissingen und ist aktuell die beste Altenpflegeschülerin im Landkreis Dillingen. Zusätzlich wurde sie bei der deutschlandweiten Vereinigung „Verein zur Förderung pflegerischer Qualität“ gemeldet, im März nimmt sie an theoretischen und praktischen Prüfungen teil – um Deutschlands beste Altenpflegerin in der Ausbildung zu werden. Und das, obwohl sie eigentlich einen ganz anderen Berufswunsch hatte.

Anja Schweyer ist mit ihrer Familie in Ostdeutschland aufgewachsen. Dort hat sie nach der Schule eine Lehre in der Gastronomie gemacht, arbeitete einige Zeit auch in der Branche – nach dem Schlaganfall ihrer Mutter und der Geburt ihres Sohnes war dies aber kaum mehr möglich. Bedingt durch einen Umzug verschlug es Anja Schweyer nach Bayern und schließlich zu Pro Seniore nach Bissingen. Das ist elf Jahre her. „Anfangs arbeitete ich als Aushilfskraft. In den letzten Jahren habe ich das dann immer mehr steigern können und immer mehr Aufgaben sind dazugekommen“, erzählt sie. Auf Drängen von Ugur Cetinkaya, Pflegedienstleistung, meldete sich die mittlerweile zweifache Mutter dann an der Schule in Wertingen an. Seit September vergangenen Jahres macht Anja Schweyer damit die Ausbildung zur Altenpflegefachkraft. „Von mir aus wäre ich gar nicht auf die Idee gekommen. Aber ich bin sehr dankbar, dass mir das nun ermöglicht wurde“, so Schweyer. Denn nicht nur, dass sie die erste Schülerin in Bissingen ist, die eine verkürzte Ausbildung von zwei Jahren aufgrund ihrer Qualitäten absolvieren darf. Schon nach drei Monaten in der Schule ist sie die Beste in ihrem Fach – im ganzen Landkreis. In einem Jahr ist sie mit ihrer Ausbildung fertig. „Mit 32 Jahren noch in der Lehre. Wer hätte das gedacht?“, sagt sie und lächelt zufrieden. Denn sie sagt, dass sie in ihrem Beruf aufgehe, sie sich jeden Tag auf die Arbeit freue. „Das hört sich jetzt wirklich kitschig an: Aber wenn die Menschen mich anlächeln, das ist einfach wunderschön.“ An ein Erlebnis erinnere sie sich besonders gerne: Ein schwer an Demenz erkrankter Bewohner habe sie eines Tages an der Hand gestreichelt. „Bis dahin hat er gar keine Regung von sich gegeben. Das war sehr bewegend und hat mir gezeigt, dass ich meinen Beruf richtig mache.“ Auch im Umgang mit ihrer pflegebedürftigen Mutter habe sie vieles dazugelernt. Sie wisse jetzt besser, wie man bei bestimmten Situationen reagieren könne. „Man sieht alles ein wenig gelassener“, so Schweyer. Andersrum helfe ihr die Erfahrung mit ihrer Mutter auch in der Arbeit in der Pro Seniore Residenz. „Ich stelle mir immer vor, dass die Bewohner auch meine Eltern sein könnten. Dann verhält man sich anders.“

Neben ihrer Arbeit in Bissingen ist die Donaualtheimerin noch beim Dillinger Kulturring angestellt – und arbeitet dort in der Gastronomie. „Das ist einfach mein Ausgleich, das mache ich gerne.“ Dank der großen Unterstützung ihres Ehemannes und ihrer Schwiegereltern sei dies möglich. Zusätzlich ermögliche es ihr die Pro Seniore Residenz, ausschließlich Frühdienste zu übernehmen. „So sind die Kinder immer versorgt, da bin ich sehr dankbar.“

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