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Bild: Jonas Voss
Bild: Jonas Voss

„Körperlich war das bei den Jungs kein Problem, ich war auch nicht das einzige Mädchen.“ Theresa Deininger ist 17 Jahre alt und spielt seit mehr als zehn Jahren Fußball.

Fußball in Aislingen
04.07.2018

Mannschaftsgeist ist Theresa Deininger wichtiger als Tore

Von Jonas Voss

Die 17-jährige Aislingerin hat eine Leidenschaft: Fußball. Seit sie sechs Jahre alt ist, spielt sie im Verein. Mit einem Kindergartenfreund hat alles angefangen.

Robert Lewandowski, FC Bayern München, 29 Tore. Mohamed Salah, FC Liverpool, 32 Tore. Theresa Deininger, SSV Glött/SG Aislingen, 38 Tore. Die ersten beiden internationale Superstars mit Millionengehältern, Theresa angehende Kauffrau für Büromanagement.

Die 17-Jährige ist der Fixpunkt der Offensive ihrer Mannschaft. Und sagt doch von sich: „Star-Allüren habe ich keine.“ Hier enden also die Gemeinsamkeiten mit den meisten modernen Profi-Fußballern endgültig.

In der Familie gibt es keinen Fußballfan

Seit mehr als zehn Jahren jagt die Aislingerin Fußbälle quer über die Plätze in der Region. Dabei war es wohl eine glückliche Fügung, dass Theresa und dieser Sport zusammengefunden haben. „In meiner Familie ist keiner wirklich Fußballfan.“ Es war ein Kindergartenfreund, der Theresa im Alter von sechs Jahren mit auf den Fußballplatz nahm. Und dabei ist’s geblieben. Seither spielt sie im Verein.

Lange Jahre bei den Buben, seit der C-Jugend bei den Frauen. Schon immer als Rechtsaußen oder im Sturm. „Körperlich war das bei den Jungs kein Problem, ich war auch nicht das einzige Mädchen“, sagt Theresa. Geschont worden seien sie nicht; aber sie wurden ernst genommen.

Im Schulsport war Theresa das einzige Mädchen, das Fußball spielen wollte

11 Bilder
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Die zehn schönsten Trikots der WM in Russland
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Mal sind die Trikots klassisch, mal haben sie ein irres Muster - wir zeigen euch die besten Jersey der WM 2018. Das deutsche Heimtrikot erinnert an 1990, nur mit grauen Zacken.

Foto: Matilde Campodonico, dpa

Uruguay (Heim): Bei dem Trikot liegt der Fokus auf dem Kragen, der sich wunderbar absetzt. Die "Sol de Mayo" ("Maissonne") ziert auch Uruguays Landesflagge.

Foto: Laurent Cipriani, dpa

Frankreich (Heim): Der Franzose beeindruckt mit Liebe zum Detail. Mit einem Knopf am Kragen zum Beispiel. Oder Schulter- und Ärmelpartien, die sich farblich abheben.

Foto: Laurent Gillieron, dpa

Spanien (Heim):Wenn dieses Trikot in den Spielern nicht das Feuer entfacht, dann schafft es kein anderes Kleidungsstück. Diese Kreation verdient mehr als einen Stern auf der Brust.

Foto: Pedro Fiuza/ZUMA Wire/dpa

Portugal (Heim): Klassisch schön. Wird das Trikot Christiano Ronaldo vielleicht noch die Show stehlen? Er wird sich zu wehren wissen.

Foto: Nick Potts, dpa

Nigeria (Heim): Die einen sagen Mode-Fauxpas, wir sagen originell! Die Ärmel sind an das Modell der WM 1994 angelehnt. Zu Recht der Hingucker der WM.

Foto: Victor R. Caivano/AP/dpa

Argentinien (Heim): Was wären die Argentinier ohne ihre hellblauen Streifen? Sie tun gut daran, auf Bewährtes zu setzen.

Foto: Foto: Ronald Zak/AP/dpa

Brasilien (Heim): Trotz herben Halbfinal-Dämpfers bei der WM 2014 sollten die Brasilianer ihre fünf Sterne stolz tragen. Ihr gelbes Trikot ein Klassiker.

Foto: Yuta Omori/Kyodo/dpa

Japan (Heim): Wer in Japan dieses Trikot beflocken lässt, wird staunen. Auf den Nummern sind Bilder der Anime-Serie "Die tollen Fußballstars" zu sehen. Wenn das kein Kracher ist.

Foto: Pontus Lundahl, dpa

Schweden (Heim): Nadelstreifen und ein akzentuierter Kragen. Ihre Landesfarben Gelb und Blau haben die Schweden ganz gut umgesetzt.

Foto: Michael Erichsen, dpa

Peru (Auswärts): Wie immer erinnert das Trikot der Peruaner an eine Siegerschärpe. Diesmal sind die breiten Diagonalstreifen goldumrandet. Das nennen wir selbstbewusst.

Die 17-jährige Auszubildende ist eher schüchtern, beantwortet lieber Fragen als von sich aus viel zu erzählen. Aber wenn es um ihre Mannschaft geht, um einzelne Spiele, dann sprudelt es aus ihr heraus. Schon im Schulsport sei sie das einzige Mädchen gewesen, das Fußball spielen wollte. Was wohl auch daran liegen könne, dass sie als Kind und Jugendliche viel lieber mit Jungs rumgehangen habe als mit Mädchen, sagt Theresa.

Wenn sie über den Platz jagt, den Kunststoff des Balls mit der Innensohle streichelt, mit dem Spann brachial in Richtung Tor jagt, dann ist Theresa in ihrem Element. Fußball sei kein Selbstläufer, sagt Theresa. Sie müsse immer konzentriert sein, das Auge für die Mitspielerinnen haben.

Denn trotz der 38 Tore: Das faszinierendste am Spiel ist für die 17-Jährige der Mannschaftsgeist. „Wenn wir außerhalb des Platzes was zusammen unternehmen, oder uns ohne Auswechslungen durch ein Spiel kämpfen“, sagt Theresa, „dann weiß ich, der Zusammenhalt ist da.“

Spiele ohne Ersatzbank

In der vergangenen Saison seien sie nur 14 aktive Spielerinnen bei der SSV Glött/SG Aislingen gewesen, da habe es Spiele ohne Ersatzbank gegeben. Theresa und eine Freundin teilen sich das Kapitänsamt der Mannschaft, Alleingänge sind nicht ihre Art.

Abschiedsfeiern organisieren, Geschenke für Mitglieder und nicht zuletzt spieltaktische Entscheidungen trifft Theresa in Absprache mit anderen. Außerdem sei sie niemand, der auf dem Platz herumschreie, erzählt sie.

Zu einem anderen Verein zu wechseln, kann sie sich nur schwer vorstellen. Ihr Herz hat sie an die Region verloren. An Familie und Freunde, an den Fußball – und an das Reiten. Zusammen mit ihrer Schwester und Freundinnen reitet sie regelmäßig. Und dabei keineswegs nur sonntägliche Ausritte mit anschließendem Kaffeekränzchen.

Die Eltern stehen an vielen Spieltagen am Seitenrand

Die 17-Jährige reitet Dressur und traut sich auch Springreiten zu. Keineswegs also der ruhige Ausgleich zum schnellen Fußball. Bisher ist sie von Verletzungen verschont geblieben, abgesehen von einem Bänderanriss im Knöchel. Da stand sie nach zwei Wochen wieder auf dem Platz. „Ich habe die Zähne zusammengebissen, es hilft ja nichts.“

Obwohl in ihrer Familie niemand gebannt dem FC Bayern oder FC Augsburg folgt, stehen Theresas Eltern doch an den meisten ihrer Spieltage am Seitenrand und feuern sie und ihre Mannschaft an. Früher haben die Eltern auch die große Schwester angefeuert, doch die hat nach einigen Jahren ihre Stollenschuhe in der Trainingstasche gelassen.

Kopfbälle macht die Aislingerin nur selten

Mit ihren selbstgeschätzten 173 Zentimetern ist Theresa keineswegs klein – und doch werden ihre Eltern selten einen Kopfballtreffer der 17-Jährigen bejubeln können. Denn Kopfbälle mache sie nur, „wenn’s sein muss“.

Viel lieber setzt sie auf ihren starken rechten Fuß. Damit hat sie auch ein Tor erzielt, was ihr bis heute in Erinnerung geblieben ist. Nach einem 2:0-Rückstand gewann ihre Mannschaft noch 2:4 gegen die Konkurrenz aus Meitingen. „Das vierte Tor habe ich mit einem Volleyschuss direkt unter die Latte gezimmert“, sagt Theresa. Daran liegt es wohl auch, dass sie pro Saison zwei Paar Fußballschuhe verschleißt – eines für die Hinrunde, eines für die Rückrunde. Dabei muss es immer eine ganz bestimmte Marke sein – eben doch wie ein echter Fußballprofi.

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