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Dillingen

13.02.2020

Manuela Müller macht Perlen aus Muttermilch

Manuela Müller stellt in ihrer Kellerwerkstatt in Dillingen Schmuckstücke her. Sie präsentiert eine fertige Perle mit Muttermilch.

Plus Manuela Müller kreiert Schmuckstücke, seit einiger Zeit sogar aus Muttermilch. Dahinter stecken ein tieferer Sinn und viel Arbeit.

Angefangen hat es im Wohnzimmer mit wenigen Perlen in Boxen, mittlerweile hat sich Manuela Müller aus Dillingen eine kleine Werkstatt im Keller eingerichtet. Die 41-jährige Krankenschwester stellt verschiedenste Perlen und Schmuck her. Begonnen hat sie damit vor etwa zehn Jahren. „Ursprünglich war es nur ein Hobby. Hin und wieder habe ich mir etwas gemacht, dann mal einer Freundin, die unbedingt eine Kette haben wollte. Und dann haben mich immer mehr Leute gefragt“, erinnert sie sich. Eine Zutat, die sie manchen Perlen beifügt, ist Muttermilch.

30 Milliliter Muttermilch braucht es für ein Kunstwert

Diesen etwas kuriosen Trend, der ursprünglich aus den Vereinigten Staaten stammt, bietet sie seit etwa eineinhalb Jahren an. „Ich gebe als Schmuckdesignerin auch Kurse. Da war damals eine schwangere Frau dabei, die von diesem Trend gehört hatte, und fragte, ob ich ihr das nicht auch anfertigen könnte. Erst hab’ ich mich geweigert, aber dann wollte ich das doch wissen.“ Bisher gibt es in Deutschland sehr wenige Hersteller solcher Perlen. Wie Müller erzählt, habe es drei bis vier Monate gebraucht, bis das Ergebnis brauchbar gewesen sei. Mal zu weich, mal verfärbt. Sie lacht: „Mittlerweile habe ich mein Geheimrezept entwickelt.“ Das Herstellungsverfahren behält sie also für sich. Mindestens zwei bis drei Wochen braucht sie, um ein solches Schmuckstück fertigzustellen. Die Kundinnen bringen hierfür etwa 30 Milliliter Muttermilch in einem Gefäß mit. „Ich sitze lange mit Schutzbrille und Mundschutz da und schleife, feile, bohre, fasse ein. Das dauert schon seine Zeit. Noch länger, wenn beispielsweise noch eine Babylocke eingearbeitet sein soll.“ Jeden einzelnen Arbeitsschritt macht die Hobby-Designerin mit höchster Präzision, schon vor der eigentlichen Arbeit. Jedes Gefäß mit Muttermilch beschriftet sie sorgfältig und beginnt erst ein neues Werk, wenn sie das vorherige komplett fertiggestellt hat.

Von einer normalen Perle ist die Muttermilch-Variante kaum zu unterscheiden.

Auch wenn es kurios zu sein scheint, dahinter steckt durchaus ein tieferer Sinn, wie Müller berichtet. „Ich habe da schon die unterschiedlichsten Geschichten und Schicksale mitbekommen. Die meisten Frauen bestellen eine solche Perle als Erinnerung an die Schwangerschaft oder an die Stillzeit. Manche Frauen haben ihr Kind verloren, schon vor oder erst nach der Geburt, die wollten auch ein Erinnerungsstück an dieses Kind haben.“ Die Nachfrage steigt stetig, manchmal zu schnell, wie Müller lachend sagt. „Ich mache wenig Eigenwerbung, das läuft eher über Mundpropaganda. Ganz perplex war ich, als vor kurzem eine Frau zu mir kam, deren Kind in Augsburg auf der Frühchenstation ist. Ich wusste gar nicht, dass auch dort Flyer liegen.“

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Designtechnisch probiert sich die Dillingerin immer wieder neu aus. „Es gibt wohl manche Amerikaner, die sich sogar Schmuck aus der Asche verstorbener Angehöriger anfertigen lassen. Das wird es bei mir aber unter keinen Umständen geben.“

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