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Soziales

27.03.2015

Mehr Bedürftige, weniger Lebensmittel

Judith Scherer (links) und Christine Drösemeier räumen die Regale in der Dillinger Tafel mit Lebensmitteln ein. An einem Nachmittag kommen in die Ausgabestelle in der Klosterstraße rund 180 Bedürftige.
Bild: Sartor

So versucht die Dillinger Tafel alle satt zu machen

Dillingen Noch ist alles fremd. Noch kennen die beiden jungen Männer aus Mali die wenigsten der Lebensmittel, die bei der Dillinger Tafel angeboten werden. Die beiden 20-Jährigen leben seit einigen Wochen in Deutschland. An diesem Nachmittag stehen sie in der Schlange, warten mit zwei Plastiktüten in der Hand darauf, an die Reihe zu kommen. „Wir nehmen Joghurt mit und ein paar Kartoffeln“, sagt der junge Mann mit der grünen Kunstlederjacke auf Englisch.

Seit 2014 bekommen auch Asylbewerber Tafelausweise. Und seit immer mehr Menschen nach Deutschland fliehen, merken auch die Tafeln einen extremen Anstieg an Bedürftigen, die zu ihnen kommen. Die Ausgabestellen im Landkreis Dillingen etwa verzeichnen einen Zuwachs von rund 30 Personen pro Monat. Das große Problem dabei ist: Während immer mehr Menschen Essen bei der sozialen Einrichtung abholen, nehmen die Lebensmittelspenden ab.

„Früher war es gut. Heute ist das wirklich traurig“, sagt Wolfgang Losleben vom Leitungsteam der Dillinger Tafel. Und auch Judith Scherer, die sich seit sieben Jahren bei der Tafel engagiert und gerade neue Lebensmittel in die Regale räumt, sagt: „Die Kisten waren schon mal voller. Und es werden immer mehr Leute, die kommen.“ Eine Banane, vier Äpfel, sechs Mandarinen und ein paar Erdbeeren – mehr ist nicht drin in der Obstkiste, die für 18 Bedürftige reichen soll. Weil die Lebensmittel immer knapper werden, bringen einige Mitarbeiter inzwischen schon Äpfel oder Kartoffeln von zuhause mit.

Das Problem gibt es aber nicht nur in Dillingen. Klaus Tenbrink, der Ländervertreter der Tafeln in Bayern-Mitte des Bundesverbandes Deutsche Tafeln, erläutert, dass die Lebensmittelspenden generell um 35 Prozent zurückgegangen seien. „Die Lieferanten betreiben die Logistik anders, es bleibt nicht mehr so viel übrig. Und ein Zukauf von Produkten ist für die Tafeln nicht möglich“, sagte er vor Kurzem am Rande des Treffens der mittelbayerischen Tafeln in Dillingen, bei dem sich Mitarbeiter aus Bayern über ihre Erfahrungen und Probleme austauschen konnten.

Pro Ausgabetag werden an den Stationen in Dillingen, Lauingen, Höchstädt und Wertingen 2,5 Tonnen an Lebensmitteln an etwa 380 Personen verteilt. Günter Gaschler, Koordinator der Dillinger Tafel, berichtet, dass es vor zehn Jahren gerade einmal 40 Menschen waren, die an die Dillinger Ausgabestelle kamen. Heute besuchen an einem Nachmittag, in rund zweieinhalb Stunden, etwa 180 Menschen die Dillinger Ausgabestelle. „Und gerade am Monatsende kommen immer ein bisschen mehr Bedürftige“, so Gaschler.

Etwa eine 53-jährige Frau, die an diesem Nachmittag die Einrichtung besucht. Mit einer ausgeblichenen rosafarbenen Basttasche steht sie in der Schlange, zeigt ihren Ausweis vor. Seit zwei Jahren kommt sie hierher – ohne die Unterstützung der Tafel wüsste sie nicht, wie sie ihren Alltag bewerkstelligen soll. „Ich bin erwerbsunfähig und ich kriege keine Grundsicherung, weil ich um 1,75 Euro über dem Satz liege“, sagt sie. Sie habe Krebs, starke Probleme mit dem Rücken und beziehe Frührente. Die reiche aber nicht aus, um genug Essen für sich und ihre Kinder zu bekommen.

„Die Dillinger Tafel ist eine wichtige Säule des sozialen Lebens in unserer Stadt und leistet einen unverzichtbaren Beitrag zur Unterstützung von bedürftigen Mitbürgerinnen und Mitbürgern“, sagt Dillingens Oberbürgermeister Frank Kunz gegenüber der DZ. Und das sage er nicht nur als Schirmherr, sondern auch vor dem Hintergrund seiner persönlichen Erfahrungen, die er in seiner Zeit als aktiver Helfer bei der Tafel gewonnen habe. Den zahlreichen Ehrenamtlichen – rund 270 Personen – gebühre großer Respekt, aber auch den Spendern.

Er würde sich freuen, so Kunz weiter, wenn es gelingen würde, zusätzliche Sponsoren zu finden und die Arbeit der Tafel weiter zu stärken.

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