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Krisengespräch

18.11.2016

Mehr Hausärzte in Teilzeit?

Weil zum Jahresende ein Hausarzt in Höchstädt seine Praxis aufgibt, brauchen circa 2200 Patienten einen neuen Arzt. Die Situation ist akut, deshalb hat gestern ein Runder Tisch im Höchstädter Rathaus getagt.
Bild: dpa

Weil ein Allgemeinmediziner in Höchstädt zum Jahresende seine Praxis aufgibt, kommt die Versorgungssicherheit in der Donaustadt ins Wanken. Ein Runder Tisch tagte

Man habe sich gestritten, aber auch konstruktiv diskutiert. „Das ist wohl ganz normal in so einer Situation“, sagte Dr. Jürgen Arnhardt. Der Hausarzt war beim Runden Tisch dabei, der am Mittwochnachmittag kurzfristig und nicht öffentlich im Höchstädter Rathaus einberufen wurde. Der Anlass: Dr. Hermann Ditz wird zum Jahresende seine hausärztliche Praxis in Höchstädt aufgeben.Circa 2200 Patienten suchen deshalb einen neuen Hausarzt. 400 hat Arnhardt bereits aufgenommen, mehr gehe aber nicht mehr. Auch bei den anderen drei Kollegen in der Verwaltungsgemeinschaft sind die Kapazitäten erschöpft oder begrenzt.

Die Initiative zu dem Gespräch ging vom Arbeitskreis ärztliche Versorgung der Gesundheitsregionplus aus. Auf Einladung der Leiterin des Fachbereiches Gesundheit am Landratsamt, Dr. Uta-Maria Kastner, trafen sich die im Raum Höchstädt ansässigen Hausärzte, Vertreter der in der Stadt Dillingen niedergelassenen Hausärzte sowie der Ärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung, um gemeinsam mit Bürgermeister Stefan Lenz die angespannte hausärztliche Versorgungslage in der Stadt Höchstädt zu beraten. Die Teilnehmer waren sich einig, so steht es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes, dass sie sich gemeinsam um die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung für das Jahr 2017 bemühen wollen. Dabei formulierten die Ärzte ihre Anliegen und Vorstellungen hinsichtlich der Nachfolgeregelungen für die bestehenden Praxen.

Um die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung für die Region Höchstädt dauerhaft gewährleisten zu können, wurden mehrere Optionen diskutiert. So wird die Praxis Arnhardt beispielsweise versuchen, ihre Versorgungskapazitäten mit Nachwuchsmedizinern weiter auszubauen. Um aber die große Zahl von Patienten weiter versorgen zu können, soll ein zweites Praxismodell erarbeitet werden, in dem die älteren Hausärzte zusammen mit Ärzten in Teilzeit bzw. in Weiterbildung gemeinschaftlich arbeiten können. Die Teilnehmer am Runden Tisch waren sich einig, dass sich die Nachfolgesuche für Hausarztpraxen, wie im gesamten bayerischen ländlichen Raum, generell und speziell für Einzelpraxen schwierig gestaltet. „Höchstädt stellt dabei keine Ausnahme dar“, so Dr. Kastner. Deshalb wollen die Ärzte nun in Kooperation mit der Stadt Höchstädt und der Kassenärztlichen Vereinigung an einer Lösung für 2017 arbeiten, damit Ärzte und Ärztinnen, auch in Teilzeit, für den hausärztlichen Aufgabenbereich gewonnen werden können. Dr. Jürgen Arnhardt sagte gestern, dass bei diesem ersten Gespräch „keine große Lösung aus dem Hut gezaubert wurde“, aber die angestrebten Ideen durchaus positiv seien. Generell habe sich die Situation für die Hausärzte zuletzt verbessert, die Kassenärztliche Vereinigung habe die Rahmenbedingungen bereits wesentlich verbessert. „Aber das ist halt alles zu spät“, so Arnhardt. Lösungen wie etwa ein Ärztehaus seien zwar gut, junge Ärzte würden aber bevorzugt erst in einer Praxis mitarbeiten wollen.

„Mir ist nicht angst um die Zukunft. Da kommt schon Nachwuchs. Jetzt ist die Situation halt akut. Man muss dicke Bretter bohren, damit hinten was rauskommt“, sagt Arnhardt und fügt hinzu: „Es ist nicht alles schwarz, aber gerade ist es sehr bewölkt.“ (mit pm)

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