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Wertingen

27.03.2019

Mehrere Soldaten kippen beim Gelöbnis um - sind sie nicht fit genug?

Das Gelöbnis im Wertinger Schlossgraben war am Donnerstag eine feierliche Zeremonie. Sieben Soldaten bereitete das lange Strammstehen in der Formation allerdings gesundheitliche Probleme.
Bild: Berthold Veh

Ein Zuschauer ist entsetzt, dass das Strammstehen in der Formation Soldaten des Dillinger Bataillons Probleme bereitet habe. Wie fit sind unsere Soldaten?

Es war ein feierliches Gelöbnis im Wertinger Schlossgraben. 30 Rekruten (Soldaten in Ausbildung) des Informationstechnikbataillons 292 haben am Donnerstag in der Zusamstadt ihr Gelöbnis beziehungsweise den Diensteid abgelegt und dabei versprochen, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen. Der Kommandeur des Eurocorps, Jürgen Weigt, erinnerte daran, dass das Gelöbnis auch für ihn vor 42 Jahren „ein Gänsehautmoment“ gewesen sei. Was in der vorderen Reihe bei der Tribüne allerdings nicht zu bemerken war: Bei dem feierlichen Gelöbnis sind offensichtlich einige der etwa 100 Soldaten, die in der Formation strammstehen mussten, umgekippt.

Zuschauer ist entsetzt über die körperliche Verfassung der jungen Soldaten

Der Wertinger Reiner Kögl, der zu den etwa 250 Zuschauern zählte, schreibt unserer Redaktion: „Ich glaube, dass die Soldatinnen und Soldaten keine Gänsehaut bekommen haben, sondern ich und bestimmt weitere Zuschauer.“ Der Grund: Innerhalb von einer Stunde hätten insgesamt sieben Soldatinnen und Soldaten, zwei Frauen und fünf Männer, „einen Kreislaufzusammenbruch oder was auch immer“ erlitten. „Sie mussten dann vor unseren Augen weggetragen werden“, teilt Kögl mit.

Er sei oben an der Mauer gestanden, und habe das genau mitbekommen. „Ich war entsetzt und fand das peinlich“, sagt der 61-Jährige, der einst Ende der 1980er Jahre selbst bei der Luftwaffe der Bundeswehr gedient hat. Und Kögl fragt sich: „Was ist nur mit den jungen Leuten von heute los, die nicht mal eine Stunde stehen können?“ Zu seiner Zeit hätten Soldaten mehrere Stunden strammstehen müssen, ohne dass auch nur einer umgekippt wäre. Das Wetter könne man dafür nicht verantwortlich machen, denn zu heiß sei es am Donnerstag bestimmt nicht gewesen, meint der Wertinger.

Ursache für die gesundheitlichen Probleme ist nicht bekannt

Der Presseoffizier des Informationstechnikbataillons 292, Dieter Obermayer, bestätigt auf Anfrage, dass mehrere Soldaten beim Gelöbnis gesundheitliche Probleme hatten. Die Ursache dafür sei dem Bataillon aber nicht bekannt. „Es geht allen wieder gut“, sagt Obermayer. Und es könne daraus nicht der Rückschluss gezogen werden, dass die Soldaten nicht fit seien. Die Fitness zu fördern, sei vom ersten Tag der Grundausbildung an ein Ziel. Und der Sport sei auch bei Berufs- und Zeitsoldaten fest im Programm, erläutert der Presseoffizier.

Bei den Rekruten sei die körperliche Leistungsfähigkeit anfangs oft unterschiedlich. Es seien sehr gute Sportler ebenso dabei wie junge Soldaten, die vorher wenig Sport getrieben haben. „In den drei Monaten der Grundausbildung versuchen wir, sie auf ein annähernd gleiches Niveau zu bringen“, erklärt Obermayer. Am Ende der Grundausbildung stehe beispielsweise eine 36-Stunden-Übung auf dem Übungsplatz auf dem Programm. Eine Rekrutin hatte beim Gelöbnis in Wertingen von diesen Strapazen mit einem Orientierungsmarsch in der Nacht berichtet – und der Erfahrung der eigenen Grenzen, die man dabei macht.

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Soldaten bekommen in Wertingen "Gänsehaut"
Bild: Berthold Veh

Bundeswehr-Presseoffizier: Stillstehen ist eine enorme Belastung

Presseoffizier Obermayer weist darauf hin, dass das Stillstehen auf Dauer eine enorme Belastung für den Körper sei. Zuschauer könnten sich bei einer solchen Zeremonie ja ein wenig bewegen. Wenn Soldaten in einer Formation stehen, sei das aber nicht möglich. Er sei kein Arzt, sagt Obermayer. Bei langem Stillstehen könne der Kreislauf aber nicht so arbeiten wie gewohnt. Und wenn jetzt einige Soldaten beim Gelöbnis Kreislaufprobleme gehabt haben sollten, dann lasse dies keineswegs den Rückschluss zu, dass die Truppe nicht fit sei.

In der ersten Version dieses Textes hieß es, Jürgen Weigt habe sein Gelöbnis vor 47 Jahren gehabt. Richtig sind 42 Jahre.

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