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13.09.2016

Milchpreis: Beihilfe fürs Aufgeben?

Nachdem der Milchpreis seit vergangenem Jahr gesunken ist, gibt es nun eine Beihilfe der EU für Milchbauern. Doch die bringt nur Landwirten etwas, die ihre Milchmenge reduzieren. Das kommt fast nur für Bauern infrage, die ihren Hof aufgeben wollen.

Von der EU gibt es jetzt Geld. Ein Landwirt aus Unterliezheim wird das wohl in Anspruch nehmen. Dann gibt er seine Viehhaltung auf.

Wie laut klangen die Rufe nach einer Unterstützung für den Milchpreis, wie groß waren die Klagen über die geringen Cent-Beträge, die die Bauern pro Liter verdienten. Jetzt zahlt die EU eine Beihilfe für die freiwillige Verringerung der Milcherzeugung. Doch die bringt nur denen was, die aufhören. Parallel dazu erholt sich der Milchpreis gerade etwas.

Auch Erwin Lorenz denkt darüber nach. Er sei der letzte Landwirt in Unterliezheim, der noch Vieh halte. Und damit soll bald Schluss sein. Die Haltung von 30 Kühen rechne sich zu diesem Preis einfach nicht mehr, sagt der 33-Jährige. Am Dienstag hat er einen Termin im Landwirtschaftsamt. Dann will er sich ausrechnen lassen, ob und wie sich die Aufgabe der Viehhaltung lohnen kann. Im vergangenen Jahr noch wollte der Landwirt mehr Vieh einstellen, einen modernen überdachten Laufstall bauen. Doch aufgrund des niedrigen Milchpreises wurde nichts daraus. Im Gegenteil, die Ersparnisse seien nun aufgebraucht. Vielleicht hilft ihm die EU-Beihilfe etwas.

Davon profitiert, wer seine Milcherzeugung freiwillig verringert. Dabei können pro Kilo reduzierter Milchmenge im Vergleich zu einem Drei-Monats-Zeitraum des Vorjahres 14 Cent ausbezahlt werden. Ab dem 12. September können Milchviehhalter einen Antrag stellen. Antragsberechtigt sind Kuhmilcherzeuger, die bis einschließlich Juli 2016 Milch geliefert haben. Die Milchmenge muss in drei Monaten um mindestens 1500 Kilogramm reduziert werden, höchstens wird aber für 50 Prozent der Menge des Referenzzeitraumes eine Beihilfe gewährt. Bei der Antragstellung gibt es nach Auskunft des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Wertingen aktuell noch Probleme. Sachgebietsleiter Ottmar Hurler hat einige Berechnungen zur Beihilfe angestellt und weiß: Diese Beihilfe ist für Landwirte interessant, die ihre Milcherzeugung zurückfahren oder aufgeben wollen. Kraftfutter zu reduzieren, damit die Tiere weniger Milch geben, sei nicht sinnvoll, warnt Hurler. Die Tiere könnten gesundheitliche Beeinträchtigungen erleiden. Was sich eher rechne, sei, die Kälber mit Vollmilch aufzuziehen. Auch so reduziere sich die an Molkereien abgegebene Milchmenge.

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Klaus Bayer, Geschäftsleiter des Bayerischen Bauernverbands im Kreis Dillingen, sieht das genauso. „Wer in naher Zukunft aufhören will, den entlastet das. Und es gibt einige, wenn auch nicht viele, die das ins Auge fassen.“

Aber Bauern, die dauerhaft von der Milchproduktion leben wollen und in ihren Betrieb investiert haben, die würden ihren Bestand nicht aufgrund solcher Zuschüsse reduzieren. Grundsätzlich helfe dem Milchpreis ohnehin nur eine bessere Marktentwicklung: Die Handelsbeziehungen mit Russland, Übersee und China müssten wieder aufgenommen werden, dann würde die Nachfrage steigen, das brächte den Milchbauern mehr. Und zurzeit sei Bewegung im Markt, findet Bayer.

Tatsächlich stabilisiere sich zurzeit der Milchpreis ganz leicht. Das Unternehmen Gropper in Bissingen hat im August zwei Cent mehr für den Liter Milch bezahlt. Bis November könnte der Preis von 27, 28 Cent vielleicht auf 30 Cent steigen, meint Reinhold Stangl, Bereichsleiter Milcheinkauf. Allerdings sieht er auch ein Damoklesschwert. Denn als der Milchpreis so niedrig war, wurden Butter und Magermilchpulver in gewaltigen Mengen im Rahmen der sogenannten Intervention vom Staat eingelagert. Die Landwirte bekamen dafür einen bestimmten Preis. Schwemmt das nun auf den Markt, könnten die Preise wieder fallen. Doch bislang sieht es gut aus, dem Käseabsatz sei dank, erklärt Stangl. Denn wenn Käse geht, dann auch Milch, schließlich brauche man für ein Kilo Käse zehn Liter Milch. Vor allem Schnittkäse sei zurzeit beliebt, etwa in Südeuropa. Das könnte an der heißen Witterung liegen.

Außerdem sei der Weltmarkt wieder etwas in Bewegung, hat Stangl festgestellt. Länder wie der Iran, die vor allem vom Ölexport leben und mit dem Erlös Lebensmittel kaufen, hatten bislang mit dem niedrigen Ölpreis zu kämpfen. Nun sei der leicht gestiegen und damit auch der Lebensmittelabsatz in diesen Ländern. Auch Asien kaufe wieder mehr ein. „Das sind alles Bausteine, die ihre Auswirkung auf die Preise haben.“ Dass aufgrund der EU-Beihilfe nun viele Milchbauern aufhören, befürchtet Stangl nicht. Das sei ein normaler Vorgang, durch den sich nur die Milchpreismisere beschleunigt habe. Doch nicht nur die Milch mache Probleme, auch in anderen landwirtschaftlichen Bereichen seien die Preise niedrig.

Landwirt Erwin Lorenz hatte den Hof seines Vaters übernommen. Was er ohne Kühe anfängt, weiß der 33-Jährige noch nicht. Vermutlich werde er seine Grundstücke langsam, aber sicher verkaufen. Erst mal will er nun wissen, wie er überhaupt an die EU-Beihilfe herankommt. Das sei gar nicht so einfach, die Unterlagen klingen so kompliziert. Auch Ottmar Hurler hat festgestellt, dass das Verfahren nicht so einfach ist, und bittet daher alle interessierten Landwirte, vorab einen Termin am AELF zu vereinbaren, um Wartezeiten zu vermeiden.

Kontakt Landwirten, die sich für die EU-Beihilfe interessieren, wird aufgrund der kurzfristig angesetzten Maßnahme und der begrenzten Fördermittel eine rechtzeitige Antragstellung empfohlen. Weitere Auskünfte erteilt das AELF Wertingen unter Telefon 08272/8006-0.

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