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10.06.2009

Minderjährigem Heroin gespritzt

Dillingen Nein, für Vorsitzenden Richter Albert Stadlmayr, seinen beiden Schöffen und der Vertreterin der Staatsanwaltschaft war gestern Nachmittag eins klar: Die Strafe konnte nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden. Und das, obwohl der Angeklagte bis zuletzt seine Unschuld beteuerte und sein Verteidiger Klaus-Dieter Fritsche für einen Freispruch plädierte.

Ein gemeinsames Interesse: Hasch rauchen

Doch das Gericht glaubte einem Zeugen - einem 18-jährigen Dillinger, der sich im vergangenen Sommer im Drogensumpf verstrickte. Im Juni habe er den 40-jährigen Angeklagten kennengelernt. Schnell erkannte man gleiche Interessen, wie den Konsum von Cannabis. Wochenlang hätten sie abends gemeinsam etwas geraucht. "Dann habe ich gesehen, wie er sich Heroin spritzt. Das hat mich fasziniert. Ich wollte es auch einmal probieren", sagte der 18-Jährige vor Gericht ais (Zeugenbeistand Marco Müller). Schritt für Schritt sei er darauf vorbereitet worden. Zuerst habe er sich das Heroin bei seinem Kumpel durch die Nase gezogen, dann geraucht, und schließlich nach zwei, drei Wochen hätte ihm der 40-Jährige das Heroin in den Handrücken gespritzt. "Ich wusste ja nicht, wie ich es machen soll", so der Zeuge. Bezahlt habe er dafür nichts, das sei ein Geschenk gewesen.

Dass der junge Mann zum damaligen Zeitpunkt noch keine 18 Jahren gewesen sei, hab dagegen der 40-Jährige gar nicht gewusst. Er stritt ohnehin vehement jegliche privaten Kontakt mit dem Dillinger ab. Ein Problem mit Drogen hätte er auch nicht gehabt. "Warum haben Sie dann eine Feinwaage zu Hause? Das hat doch von uns niemand im Haushalt herumstehen", fragte Richter Stadlmayr. Das könne er nicht sagen. Er habe sie auf dem Flohmarkt gekauft. Seine von ihm getrennt lebende Frau sagte aus, dass sie nichts von einem Drogenkonsum mitbekommen hätte.

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Glaubhafter erschien dem Gericht dagegen die Aussagen der Eltern des 18-Jährigen. Sehr schnell hätten sie Lunte gerochen. "Er machte eine Wesensveränderung durch. War abends müde, appetitlos und dann schlagartig aggressiv", sagte seine Mutter im Zeugenstand. Sein Vater hatte daraufhin sein Handy kontrolliert und eindeutige Kurznachrichten, wie "ich brauche dringend was", notiert und später der Polizei gegeben.

Der 18-Jährige rutschte indes immer weiter ab: Bereits im September konsumierte er ein- bis zweimal wöchentlich Heroin. Nach einer Überdosis verbrachte er zwei Tage auf der Intensivstation des Dillinger Krankenhauses, eine Entgiftung im Günzburger Bezirkskrankenhaus brach er wieder ab. Am Ende klaute er Bargeld, einen Beamer und Schmuck im Haus seiner Eltern. Dafür sitzt er derzeit eine Haftstrafe ab.

Sowohl das Gericht als auch die Vertreterin der Staatsanwaltschaft betonten, dass der Zeuge keinen Belastungseifer an den Tag legte. "Es wäre leicht für ihn gewesen, dem Angeklagten etwas anzuhängen", so die Vertreterin der Staatsanwaltschaft. Sie forderte eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten, der Verteidiger einen Freispruch, weil in seinen Augen der Zeuge mehr "verwirrt und verwirrend" gewesen sei als glaubhaft.

Das Gericht verurteilte den 40-Jährigen schließlich zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten.

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