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Dillingen

15.02.2018

Mit 26 Jahren oben am Richtertisch

Akten und Gesetze – damit muss sich Alexandra Wittl nun mehr denn je beschäftigen. Die 26-Jährige aus Regensburg ist neue Richterin am Amtsgericht Dillingen.
Bild: Andreas Schopf

Alexandra Wittl ist neue Richterin am Amtsgericht Dillingen. Die junge Frau aus Regensburg erfüllt sich damit einen Kindheitstraum. Doch dahinter steckt viel Arbeit.

Okay, der Hammer ist nur zur Zierde. Den hat Alexandra Wittl geschenkt bekommen. Auch wenn Gerichtsshows im Fernsehen einen anderen Eindruck vermitteln: Ein solches Werkzeug kommt bei Sitzungen nicht zum Einsatz. Davon abgesehen, schaut der Schreibtisch der jungen Frau genauso aus, wie man sich den Arbeitsplatz einer Richterin vorstellt: Akten, viele Akten, rechts und links vom Bildschirm übereinandergestapelt, dazu ein dickes Gesetzbuch, aufgeschlagen im Sichtfeld dessen, der die Akten durcharbeiten muss.

Seit diesem Monat ist dies Wittl. Die 26-Jährige ist neue Richterin am Amtsgericht Dillingen. Sie tritt die Nachfolge von Christoph Edler an, der eine Stelle in seiner Heimat Heidenheim angeboten bekam und dorthin wechselt. Wittl übernimmt sein bisheriges Referat – sie wird sich um Zivil- und Strafrechtssachen kümmern.

Wer sich mit der zierlichen Frau mit Pferdeschwanz unterhält, hört gleich, dass sie nicht aus der Region kommt. Wittl ist gebürtige Regensburgerin und wurde aus der oberpfälzischen Stadt an der Donau in die schwäbische Kleinstadt versetzt. Dillingen hat sie zuvor nicht gekannt. „Ich wusste nicht einmal, wo das liegt“, sagt sie. Da sie erst Ende Dezember vom neuen Arbeitsort erfuhr und dort noch keine Wohnung hat, wohnt sie derzeit im Hotel. Demnächst will sie in eine eigene Bleibe ziehen.

Schon von klein auf hatte Wittl nur zwei Berufe im Auge: Ärztin und Richterin. „Für eine Ärztin habe ich nicht den Magen“, sagt sie. Also unternahm sie alles, um es auf die Richterbank zu schaffen. In Regensburg absolvierte sie ein Praktikum am dortigen Amtsgericht, studierte Jura und legte im vergangenen Jahr ihr zweites Staatsexamen ab.

In Dillingen ist sie als sogenannte „Richterin auf Probe“ tätig. Heißt: Sie ist noch nicht auf Lebenszeit angestellt und muss sich erst „erproben“ – in der Regel drei Jahre lang. Bei einer Verhandlung von ihr kann also schon mal der Präsident des Augsburger Landgerichtes in den Zuschauerreihen sitzen, um die junge Richterin zu bewerten.

Am Freitag ist es so weit: Wittl wird ihre erste Verhandlung als vorsitzende Richterin führen. Für sie selbst ein besonderer Tag. „Davon habe ich als Kind geträumt“, sagt sie.

Denn auch, wenn sie in ihrer bisherigen Karriere bereits als Staatsanwältin gearbeitet hat und einzelne Urteile geschrieben hat: Die neue Position, der Vorsitz über eine Verhandlung, ist noch einmal ein weiterer Schritt. „Das bedeutet mehr Verantwortung“, sagt Wittl. Vor allem auch, was die Menschenkenntnis angeht. „Man muss nun selbst beurteilen, wie vertrauenswürdig ein Zeuge oder eine Aussage ist.“ Ob sie großen Respekt vor den neuen Herausforderungen hat? „Ich glaub, des krieg ma hin“, antwortet sie selbstbewusst im Dialekt.

Doch zum neuen Richter-Dasein gehört mehr dazu als die Verhandlungen im Gerichtssaal. In erster Linie: Akten studieren. Für Wittl keine neue Erkenntnis, dennoch muss sie sich am Anfang noch an die Papierberge und die vielen Fälle gleichzeitig gewöhnen. Derzeit sind es mehr als ein Dutzend Angelegenheiten, die eine Reaktion der neuen Richterin erfordern. „Momentan fühle ich mich ein bisschen erschlagen“, sagt sie. „Aber das geht wohl jedem so, der eine neue Arbeitsstelle anfängt.“ Die zusätzliche Büroarbeit ändere jedoch nichts an ihrer Faszination für den Beruf.

Und der bedeutet auch, für Gerechtigkeit zu sorgen. Unter dem Begriff versteht Wittl: „Den Leuten zu dem Recht verhelfen, das ihnen zusteht.“

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