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Kommunalpolitik

08.08.2014

Mit Plan und Struktur

Mit Plan und Struktur
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Seit hundert Tagen ist Stefan Lenz Bürgermeister in Höchstädt. Seine Bilanz

Ein Notizblock, ein Ordner, ein Locher, ein Tacker und ein paar wenige Stifte. Mehr nicht. Mehr braucht Stefan Lenz nicht, sagt er. „Ich habe es gerne praktikabel.“ Deshalb stehen auf seinem Schreibtisch auch keine Familienfotos oder andere persönliche Dinge. Einzig zwei Bilder, die seine Frau Roswitha gemalt hat, zieren das Büro des Höchstädter Bürgermeisters. Sonst hat sich nichts verändert – auch der Schreibtischstuhl ist der gleiche geblieben. „Der ist doch noch gut. Warum soll ich den austauschen?“, fragt er und lacht. Heute genau seit hundert Tagen sitzt Stefan Lenz nun in diesem Stuhl und hält die Fäden der Stadt Höchstädt zusammen. Im März gewann er die Stichwahl gegen seine Vorgängerin Hildegard Wanner. Von jetzt auf gleich musste er Verantwortung übernehmen, sich in die wichtigsten Projekte einlesen und seinen Job bei der Sparkasse in Dillingen kündigen. Bereut hat er diese Entscheidung keinen Tag, im Gegenteil: „Ich habe den besten Job der Welt. Mir macht es Spaß, Bürgermeister zu sein“, so Lenz. Auch wenn das bedeutet, dass er seit hundert Tagen keinen einzigen Tag frei, er in den vergangenen Wochen teils bis zu 80-Stunden-Arbeitswochen hatte – inklusive Samstage und Sonntage. „Ich würde sogar fast sagen, dass ich keine freie Minute hatte. Aber das macht mir nichts aus. Überhaupt nichts. Und ich denke, dass das mit der Zeit auch ein wenig besser wird“.

Momentan gebe es für ihn „gefühlte tausend Leute“, die er alle so schnell wie möglich kennenlernen will und muss. Deshalb käme es schon vor, dass er an einem Tag zwölf Termine wahrnehme. „Aber für meine Kunden nehme ich mir immer Zeit. Auch außerhalb der Sprechstunden“, so Lenz weiter. Als „Kunden“ bezeichnet der 53-Jährige übrigens die Bürger – ein Überbleibsel aus seiner langjährigen Zeit bei der Sparkasse in Dillingen. Und mehr noch: Auch seinem Arbeitsstil ist er treu geblieben, wie er erzählt. Strukturiert und mit Plan. Dazu zählen Arbeitskreise, Workshops und spontane Meetings. Lenz will alles auf Kommunikation setzen. „Dabei bin ich auf jeden Fall ein Teamplayer. Aber ein Dominanter. Ich gebe gerne die Richtung vor“. Damit fahre er ganz gut.

Diesen Stil wolle er in allen Bereichen beibehalten, so auch aktuell bei der Diskussion rund um die SSV. Noch immer steht die Frage im Raum: Wie geht es weiter mit dem Sportverein? Um öffentliche Streitereien zu vermeiden, hat Lenz eine Gruppe installiert, unter anderem bestehend aus Stadträten aller Parteien, die sich wöchentlich trifft und alle Fakten und Daten detailliert miteinander durchspricht. „Ich möchte mit dem Stadtrat nicht über Luftblasen diskutieren, sondern nur über griffige Ideen und Konzepte“. So wolle er es auch mit den weiteren großen Projekten, wie etwa Stadtentwicklung, Dorfplatz Deisenhofen oder Bürgerhaus, halten.

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Nach hundert Tagen, sagt Lenz, fühle er sich nun angekommen. Angekommen in seiner Rolle als Bürgermeister – auch, wenn es noch jeden Tag Premieren für ihn gebe. „Es geht alles so schnell. Aber ich bin mit Spaß dabei. Außerdem habe ich tolle Mitarbeiter in der Verwaltung, die mich sehr unterstützen und mir manchmal sehr hilfreiche Tipps geben“. Ein ganz wichtiger Bestandteil sei aber die Familie, vor allem Ehefrau Roswitha. Sie hat ihren Ehemann schon während des Wahlkampfes tatkräftig unterstützt. „Abends, wenn ich heimkomme, bespreche ich immer mit ihr meinen Tag. Zwei bis drei Mal in der Woche fahre ich auch zum Mittagessen heim. Sie gehört dazu“, sagt Lenz. Deshalb sei sie, wenn irgendwie möglich, auf jeder öffentlichen Veranstaltung an seiner Seite. Auch Tochter Tina hat ihn schon einmal begleitet. „Wir sind ein Familienunternehmen“. Alle würden hinter ihm und seiner Arbeit stehen.

Vier Tage Urlaub mit der Ehefrau

Trotzdem, so Lenz, freue er sich nun auch, dass er in der Sommerpause vier Tage Urlaub hat. Seit hundert Tagen die ersten freien Tage. Mit Frau Roswitha will er dann wegfahren – „sonst kann ich gar nicht abschalten“. Obwohl er das eigentlich gar nicht wolle. Er genieße es, wenn er am Marktplatz in Höchstädt von Bürgern angesprochen werde.

„Ich bin 24 Stunden, sieben Tage die Woche Bürgermeister. Aber im Grunde genommen habe ich mir das genau so vorgestellt: eine Mischung aus Verwaltung, Politik und Gesellschaft. Das gefällt mir.“

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