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08.07.2010

Mit Würde Abschied vom Leben nehmen

Bei der Eröffnung der neuen Räume für Palliativpflege am Heilig-Geist-Stift in Dillingen (von links): Pflegedienstleiterin Gerlinde Schindler-Schneller, Pfarrer Alex Schmidt, Heimleiter Siegfried Huber, Regionaldekan Gottfried Fellner und Oberbürgermeister Frank Kunz. Fotos: Packheiser

Dillingen Der Gedanke an das Lebensende ist unangenehm und wird im Alltag oft verdrängt. Niemand beschäftigt sich gerne mit dem Tod. Entsprechend fühlen sich viele überfordert, wenn sie die meist unausweichliche Erfahrung machen, einen geliebten Menschen in seinen letzten Tagen und Stunden zu begleiten. Für den Sterbenden jedoch sind Zuwendung und Nähe besonders wichtig. Eine Einrichtung mit Schwerpunkt im Bereich der Palliativpflege im Heilig-Geist-Stift in Dillingen stellt nun sicher, dass Sterbende mit ihren Angehörigen zusammen sein können und ihre Lebensqualität bis zuletzt gewahrt wird. Am vergangenen Dienstagabend fand die Einweihung der Räumlichkeiten in der ehemaligen Benefiziatenwohnung durch Pfarrer Gottfried Fellner und Pfarrer Axel Schmidt statt.

Dank für großes Engagement

Siegfried Huber, Leiter der Hospitalstiftung in Dillingen, dankte allen Beteiligten für ihr großes Engagement: Regionaldekan Fellner für die Überlassung der Wohnung, dem Förderverein des Heilig-Geist-Stifts für die finanzielle Unterstützung sowie der Caritas für die gute Zusammenarbeit. Zudem lobte er Architekt Josef Schuster, Birgit Hofmeister und die Projektleiterinnen Gerlinde Schindler-Schneller und Carmen Müller.

Oberbürgermeister und Vorsitzender der Hospitalstiftung Frank Kunz sagte: "Es ist ein Akt der Menschlichkeit, dass Sterbende in den letzten Stunden eine optimale Begleitung erfahren." Die Einrichtung sei ein Alleinstellungsmerkmal, auf das die Stadt stolz sein könne. Er würde sich freuen, wenn weitere Organisationen des Landkreises diesem Beispiel folgen würden.

Mit Würde Abschied vom Leben nehmen

Schindler-Schneller und Müller berichteten von den Hürden, die zur Realisierung des Projekts zu überwinden waren. Die Zusammenstellung eines Pflegeteams, die Schulung der Mitarbeiter in Palliativpflege, der Umgang mit Abschied und Trauer und die Öffentlichkeitsarbeit sind nur einige Facetten. Das Wichtigste sei es jedoch, auf die Wünsche der Betroffenen selbst einzugehen: Zum Beispiel habe zunächst Skepsis geherrscht, einen "Fragebogen mit Sterbewünschen" an die Bewohner zu richten. Diese seien jedoch dankbar gewesen und zeigten Erleichterung, dass ihre Gedanken Berücksichtigung finden.

Michael Strauß, Pflegedienstleiter im St.Vinzenz-Hospiz in Augsburg, betonte in seinem Fachvortrag: "Palliativbetreuung bedeutet Verbesserung der Lebensqualität. Doch ist unsere Idee davon oft etwas anderes als das, was der Sterbende tatsächlich braucht." Oft tue man zu viel und sei zu wenig "nah". Die Arbeit in einem Hospiz sei ein Dienst am Menschen und eine Grundhaltung. Man müsse so weit wie möglich auf den Sterbenden eingehen und das körperliche und psychische Empfinden ebenso im Blick behalten wie soziale und spirituelle Komponenten.

"Es ist eine fordernde, aber auch dankbare Aufgabe", sagte OB Kunz über die Palliativpflege. Schindler-Schneller und Müller bestätigten dies. Bei der großen Nähe, die man zu den Patienten aufbaue, sei es wichtig, professionell mit der eigenen Trauer umzugehen. Zwar müsse man sie "zulassen" und mit den Kollegen im Gespräch verarbeiten. Jedoch dürfe man sie nicht mit "nach Hause nehmen", da man "Orte des Ausgleichs" benötigt. Andererseits ändere sich die Einstellung zum Leben und zum Tod, so Schindler-Schneller: "Es entwickelt sich eine bewusstere Haltung. Oberflächliche Dinge treten in den Hintergrund, und man erkennt die wesentlichen Werte des Lebens."

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