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Tag der Putzfrau

08.11.2018

Mit dem Spachtel gegen Kaugummi

Sie sind ein eingespieltes Team: Viktoria Hefele (rechts vorne) und Maria Hahn machen seit Jahrzehnten die Klassenräume in der Grundschule der Aschbergschule Weisingen sauber.

Die Arbeit der Reinigungskräfte ist spannender, als viele glauben. Expertinnen aus dem Landkreis erzählen von den Herausforderungen ihres Berufs, eigenen Erfahrungen und Missgeschicken.

Manchmal hinterlassen Maria Hahn und Viktoria Hefele Nachrichten. Dann steht am nächsten Tag an der Tafel: „Der Fußboden ist kein Abfalleimer.“ Und wenn mal wieder die Hausschuhe quer über den Gang verteilt sind, dann finden sie die Buben und Mädchen im Mülleimer, der auf dem Lehrertisch steht, wieder. „Die sollen’s ja wissen“, sagt Viktoria Hefele und lacht. Ihre Kollegin ergänzt: „Und wenn wir jemanden erwischen, schnappen wir ihn uns.“ Die beiden Frauen sind eine Institution in der Grund- und Mittelschule am Aschberg in Weisingen. Seit Jahrzehnten reinigen sie montags bis freitags gemeinsam mit sechs weiteren Reinigungskräften die Räume - auch am heutigen Tag der Putzfrau. Ihr Gebiet: die Grundschule. Und da müssen die Frauen nicht nur Mülleimer ausleeren, Boden wischen und Toiletten auf Vordermann bringen. Da gibt es auch mal Läuse-Alarm oder den angeklebten Kaugummi. „Aber den gibt es glücklicherweise nicht mehr so oft“, erzählen sie.

Klassenzimmer sind kuscheliger

Und wenn doch: In ihren Putzwagen finden sich auch Spachtel und Desinfektionsspray. Denn, das erklärt Hausmeisterin Elisabeth Reitenauer, die Hygienevorschriften haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert. „Es ist vor allem viel mehr Schreibarbeit geworden“, sagt sie. Außerdem sind die Klassenzimmer, speziell in der Grundschule, heute „kuscheliger“. „Es gibt mehr Teppich, mehr Stofftiere und oft kleine Schränkchen“, erklärt Reitenauer. Manche Räume seien sehr zugestellt, das erschwere die Reinigungsarbeit zusätzlich. Die Hausmeisterin teilt ihr Reinigungspersonal für die Schule ein, sie kennt ihr Team. „Und das ist gut. Wir haben kaum Wechsel“, sagt sie. Das ganze Personal würde flexibel arbeiten und sei top eingespielt.

So auch Viktoria Hefele und Maria Hahn. Beide wohnen im Nachbarort Holzheim. Schon ihre eigenen Kinder haben in der Aschbergschule die Bänke gedrückt. Sie kennen die Schule – und ihre Pappenheimer. Bei einem Lehrer beispielsweise durften die Frauen die Spinnweben nicht entfernen, andere Lehrkräfte haben wiederum „zu viel Schnick-Schnack“ rumstehen. Insgesamt sechs Zimmer, die Toiletten und den Gang reinigen Hefele und Hahn. Jeden Tag, kurz nachdem die Schüler nach Hause rennen oder in die Mittagspause gehen, rücken sie mit ihren Wagen an. Wischen, Saugen, Kehren … jede weiß, was sie zu tun hat, jeder Handgriff sitzt. „Es ist ein Job, den man macht. Vor 35 Jahren hat sich das so angeboten, viel Wahl hatte man damals mit drei Kindern und ohne Auto nicht“, erzählt Viktoria Hefele. Und sie ist gerne in der Schule. Auch, weil man ganz nebenbei lernt. Oder zumindest staunt.

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Rechnen und schreiben

Maria Hahn erzählt lachend: „Wenn an der Tafel noch Matheaufgaben stehen, rechne ich und überlege, ob ich das noch kann.“ Der ständige Wechsel mit der Schreibschrift sei da schon schwieriger. Und es gibt noch einen Pluspunkt als Reinigungskraft in einer Schule. „Es sind nicht alle Stoffel. Es gibt sehr freundliche Kinder. Einer wünscht uns immer ‚Schönes Putzen’“, sagt Hefele und schnappt sich den nassen Wischmob. Wie jeden Tag. Und dass sich das regelmäßige Reinigen auszahlt, das gilt nicht nur für die berufstätigen Frauen und Damen in dieser Branche.

Elisabeth Decker, Ernährungs- und Hauswirtschaftslehrerin in Wertingen, sagt, dass es die Grundregel des Putzens ist: Wer regelmäßig reinigt, erspart sich letztlich viele Mühen. Denn wenn sich der Schmutz erst einmal in Textilien, am Waschbecken oder in der Dusche festgesetzt hat, wird es viel anstrengender und schwerer, ihn wieder loszuwerden. So bringt es Decker ihren Schülern in Wertingen bei. Eltern rät sie dazu, den Nachwuchs schon früh zu einem solchen Verhalten anzuregen. „Wenn man zum Beispiel nach jedem Duschen die Scheibe ‘abzieht’, muss man nicht irgendwann mühevoll den festgesetzten Kalk wegputzen“, sagt Decker.

Putzen habe viel mit den eigenen Ansprüchen zu tun. Das bedeutet, dass man sich im Voraus klar sein solle, wie viel Zeit man verwenden will und wie danach die Wohnung oder das Zimmer aussehen solle. Während die „Basisreinigung“ vergleichsweise schnell geht, wird es überproportional länger dauern, jeden Winkel und jedes Möbelstück blitzblank zu bekommen. Man müsse für sich eine eigene „Norm“ für die Sauberkeit finden, sagt Decker. Sie selbst legt viel Wert auf eine saubere Umgebung, deswegen putzt sie oft.

Staubsaugen ist wichtig

80 Prozent des Schmutzes im Haus sei lose, bestehe also aus Krümeln und Flusen. Deswegen sind Kehren und Saugen die wichtigsten Arbeiten für einen ordentlichen Haushalt. Damit diese Pflichten nicht zu Schmerzen oder gar Haltungsschäden führen, sollten Besen oder Breitwischgeräte verwendet werden, deren Stiele dem Verwender bis aufrecht etwa bis zur Schulter reichen. Auch beim Staubsaugen ist es laut Decker wichtig, einen ungefähr geraden Stand einzunehmen, um Rückenschmerzen zu vermeiden.

Putzarbeiten im Haushalt können außerdem akut gefährlich sein. Decker selbst ist nach dem Wischen schon einmal ausgerutscht und auf den Rücken gefallen – passiert ist ihr dabei zum Glück nichts Schlimmes. „Filzpantoffeln sind für diese Arbeit nicht gut geeignet“, sagt sie. Ein fester Stand sei das Wichtigste, um Stürze zu vermeiden. Das geht beim Schuhwerk los: Laut Decker eignen sich am besten Turnschuhe mit Profil. Besonders wichtig ist es in ihren Augen jedoch, eine Trittleiter zu benutzen, wenn man erhöhte Objekte und Oberflächen putzen muss.

Geheimtipp für Flecken

Decker hat noch einen Geheimtipp, um Flecken auf Textilien und Möbeln beizukommen: Hier sollte man ihr zufolge lieber Mineralwasser statt Leitungswasser benutzen, da ersteres kaum Kalk enthält und somit schönere Ergebnisse liefert. Ob „stilles“ Wasser oder sprudeliges, sei dabei egal.

Internationaler Tag der Putzfrau Den Tag der Putzfrau gibt es seit 2004. Dieser wurde von Gesine Schulz, einer bekannten Kinderbuch- und Kriminalromanautorin, ins Leben gerufen. Das Datum ist kein Zufall, es ist der Geburtstag ihrer erfunden Romanfigur Karo Rutkowsky, die als Putzfrau sowie Privatdetektivin in ihren Kurzkrimis agiert. Die Autorin möchte auf die Situation und die Bedeutung der Reinigungskräfte für uns alle hinweisen. Oft wird dem Reinigungspersonal an diesem Tag mit einer weißen Rose gedankt.

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