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14.03.2020

Mitreißende Darbietung im Schloss

Duo begeistert in Höchstädt

Die Zuhörer von Schuberts Liederzyklus „Die schöne Müllerin“ durften beim Konzert im Schloss Höchstädt wahrlich einen Leckerbissen stimmlicher und pianistischer Qualität genießen.

Andreas Hirtreiter (Tenor) hatte die Musik der Lieder, entsprechend ihrer Stimmungslage, von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt, phasenweise neu gestaltet und so eine „zweite Sichtweise“ zu Schuberts Original geschaffen. Hirtreiter scheute in seiner Komposition vor nichts zurück: Da mussten unter anderem Bach, Mozart, Beethoven, sogar die Beatles herhalten, um mal kontrastierend, mal kommentierend, die Gefühle von Liebe, aber auch Trübsal, Eifersucht und Todessehnsucht extrem auszuloten. Faszinierend die musikalische Gestaltung der im Liederzyklus immer wiederkehrenden Farbe grün mit kurzen Episoden von „grün, grün, grün sind alle meine Kleider“ oder aus My fair lady „es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen“; mutig, optimistisch und frech Hirtreiters Tangorhythmus im Lied „Mein“; angstvoll erregend die eingewobenen Klänge von Schuberts Erlkönig und brillant die herzergreifende pianistische Umspielung des „Tränenregens“.

Man kann nur Chapeau sagen zur grandiosen Leistung von Andreas Hirtreiter. Kompositorisch hat er Schuberts schöne Müllerin so fantastisch interpretiert, dass ein kurzweiliges und mitreißendes Programm entstand. Sängerisch lotete er alle Facetten menschlicher Zerrissenheit zwischen Liebe und Tod eindrucksvoll aus: Pianissimo mit tragender Stimme in höchsten Tönen, z. B. im Lied „Trockne Blumen“ war gepaart mit fundamentaler Mächtigkeit z. B. im „Jäger“. Die Konzertpianistin Barbara Bartmann, die schon viele renommierte Preise gewann und unter anderem bekannt ist durch „duoimPuls“ stand dem Tenorsolisten in der Virtuosität ihres Spiels in nichts nach. Passagen, die hinsichtlich ihrer Schwierigkeit für einen „Normalpianisten“ als nicht spielbar gelten, meisterte sie mit unglaublicher, bewundernswerter Präzision und Klarheit.

In stets passender, einfühlsamer Dynamik flogen ihre Finger über die Tasten des Instruments und entzauberten diesem in allen Nuancen schillernde Töne. Pianistin und Sänger ergänzten sich so perfekt, dass jedem Zuhörer einfach das Herz aufgehen musste. Zurecht nennt Hirtreiter sein Programm „Die schöne Müllerin in neuem Gewand“. Es ist ein wirklich neues Gewand, ohne Schuberts Original in Abrede zu stellen, im Gegenteil: ihm und Bartmann ist es gelungen, diesen Liederzyklus so zu interpretieren, dass jeder Zuhörer fasziniert war. (pm)

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