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Musik

18.04.2018

Mitreißende Werke zu Ehren Israels

Der Kammerchor Calypso Höchstädt wartete bei den Konzerten zum zwanzigsten Jubiläum mit einem großen Kammerorchester unter der Leitung des Dirigenten Tobias Schmid auf. Das Motto lautete: „Singen macht Spaß, Singen tut gut.“ Die Konzerte in Dillingen und Höchstädt waren beide ausverkauft.
Bild: Isolde Saur

Der Kammerchor Calypso Höchstädt veranstaltet zum Jubiläum zwei Konzerte. Die Stücke sind einfühlend und das Publikum honoriert die Leistungen mit ausgiebigem Applaus

Gleich mit zwei ausverkauften Konzerten gibt der Kammerchor Calypso Höchstädt zum zwanzigsten Jubiläum sich und den treuen Zuhörern die Ehre, unter dem Motto „Singen macht Spaß, Singen tut gut“ mit großem Kammerorchester unter der professionellen Leitung des Dirigenten Tobias Schmid aufzuwarten. Die ausgewählten Konzertsäle waren zunächst die Christkönigskirche in Dillingen und dann einen Tag später der Rittersaal im Schloss Höchstädt.

Zur Aufführung ist jeweils das Oratorium Israel Schalom von Klaus Heinzmann gekommen. Der deutsche Komponist gilt schon lange Zeit als ein Vertreter der christlichen Musikszene mit neuen geistlichen Liedern im Stil der Popularmusik. Mit großem Einfühlungsvermögen für jüdische Kultur und Musik hat er das Werk 1988 zum 40-jährigen Bestehen des Staates Israel komponiert. Einstudiert hat dazu den Kammerchor Marianne Rieder, das Orchester Heike Sirch und Tobias Schmid die Bläser der Stadtkapelle Wertingen.

Den Besucher erwartet eine kleine Broschüre, die die Vereinsgeschichte der vergangenen Jahre mit bebildertem Text darstellt und ein ausführliches Programm, das zusätzlich die ausführenden Gesangssolisten, den Sprecher Roland Angeli sowie den Tontechniker Christian Hof vorstellt.

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Hubertus Stelzer verschafft mit seinen Erläuterungen hilfreiche Informationen zum nicht einfach zugänglichen Inhalt und Werksverständnis des Oratoriums, da das Werk aus 27 aneinandergereihten Stücken besteht und ohne Pause gespielt wird. Die in Dillingen eingesetzte, parallel zum Programmablauf mitgeführte Bebilderung mit Dias verbessert die Anschaulichkeit und Assoziationen. Inhaltlich geht es in den gesungenen Liedern und gesprochenen Texten um die Geschichte des Volkes Israel als auch um die Worte und Taten des Juden Jesus von Nazareth, der so die Traditionen und Vorstellungen des jüdisch-christlichen Abendlands mitgeprägt hat.

Das Werk beginnt mit einer Introduktion, und schon da zeigt sich in einem groß angelegten Crescendo, wozu der gigantische Klangkörper in der Lage ist. Die tragende Grundstütze liefert durchgängig Marianne Rieder selbst am E-Piano. Sie wird zusätzlich unterstützt von Pauken und Schlagzeug, das, wo es nötig und passend ist, auch treibende rhythmische Akzente setzt. Melodisch unterstützt wird die Perkussion von einer Gitarre und zwei Kontrabässen. Gemeinsam sind sie durchsetzungsstark und bringen durch den Offbeat Bewegung in den Saal, die nie martialisch wirkt.

In der Geschichte Israels und im Besonderen in der Stadt Jerusalem liegen Macht, Glanz und Herrlichkeit, das Schaffen von Kultur sowie die brachiale Zerstörung leidvoll nah beieinander bis zum heutigen Tag. Akustisch vermitteln diese Zustände gekonnt mit ihrem Einsatz die Blechbläser aus Wertingen und treffen dabei das Publikum respektverschaffend mit voller Wucht.

Oft werden die Stücke instrumental mit einem sehr charakteristischen Instrument eröffnet. Das ist zum Beispiel das Fagott beim Urvater Abraham, die Querflöte bei David und die für Klezmer so typische Klarinette mit Schleifer bei Hava nagila. Nach der Einleitung setzen meist mit kultivierter Artikulation die Solosänger Jürgen Arnhardt oder die Sängerin Susanne Schwarz ein. Dann im Refrain mitunter im Kanon trägt der gesamte Chor mit begeisterten, gut trainierten und entwickelten Stimmen das komplette Klangbild im Tutti vor, in vielfältigen Nuancen und Schattierungen. Sie vermitteln die gefühlten Inhalte der Dramaturgie, soweit sie nicht extra im Klartext durch den Sprecher Roland Angeli vermittelt werden. Mit einer besonderen technischen Raffinesse warten die Violinen auf. Ein Bogentremolo kündigt in einer schwirrenden Atmosphäre das Ankommen des „Friedefürst“ an.

Das kurzweilige Gesamtergebnis kann sich bestens hören und erleben lassen. Der gigantische interpretatorische Aufwand hat sich mehr als gelohnt und wird dem Motto des Kammerchors gerecht. Schalom – als Grußformel ein semitisches Wort – hat im Hebräischen viele Bedeutungen, wie: Unversehrtheit, Heil, nicht nur Befreiung von Unheil und Unglück, sondern auch Gesundheit, Wohlfahrt, Sicherheit, Frieden und Ruhe.

Dafür gibt es zu Recht spontanen, überschäumenden Beifall, lang anhaltend, dann stehen die Zuschauer auch noch klatschend auf. Ein großer Jubel zum Jubiläum, jeweils sehr beeindruckend.

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