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Spektakel

12.08.2018

Mitreißender Ritt in die Vergangenheit

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2 Bilder
Das Mittelalterfest in Gundelfingen bot am Wochenende den zahlreichen Besuchern Spektakel, Musik und gutes Essen. Sein Ziel mit dem Schwert hat hier Hans von Wernau (Dieter Fundel aus Dietenheim) von der Gundelfinger Ritterschaft.
Bild: Brigitte Bunk

Der Historische Bürgerverein Gundelfingen taucht beim Mittelalterfest und beim Ferienprogramm in die Geschichte ein. Wer das alles erstmals von oben beobachtet.

 Jubelnd reckt Ulrich von Gundelfingen die Arme in die Höhe bei seiner letzten Runde durch die Arena. Das Publikum freut sich mit Eugen Hander, der den Ritter darstellt, und „belohnet den wahren Sieger des Turniers mit Handgeklapper“. Der vermeintliche Favorit Hans von Wernau konnte ihn beim „Tjost“ nicht mit seiner Lanze vom Pferd stoßen. So hat der Gundelfinger Ritter doch noch sein Recht erstritten, obwohl der Turnierherold Berthold I. von Neuffen zuvor so zählte, dass der andere gewinnen sollte. Die korrigierenden Rufe des Publikums beeindruckten ihn nicht. So hatte es auch der Marschall im Sinne, Albert von Neuffen, der Jüngste von fünf Kindern des Herolds, der eigentlich für Gerechtigkeit sorgen sollte.

Die Show mit sechs Rittern, die stolz ihre Wappen präsentieren, beim Kampf alles geben und ihre reiterischen Fertigkeiten zeigen, bringt bei den kleinen wie großen Zuschauern am Samstagabend die Emotionen hervor. Sie fiebern unter anderem mit, als die Mitstreiter mit der Axt einen Apfel spalten, bei der Sauhatz ein hölzernes Schwein mit dem Speer ins Herz treffen sollen, oder sie zählen eifrig mit, wie oft sich der eiserne Roland dreht. Ansonsten lassen sie sich von den Helfern des Historischen Bürgervereins verwöhnen und lauschen der mittelalterlichen Live-Musik.

Tagsüber zählten die Kinder, und zwar, ob sie alle sechs Stationen des Ferienprogramms durchlaufen hatten, das von Alexandra Gebhardt koordiniert wurde. Sowohl am Samstag als auch am Sonntag erkundeten die jungen Gundelfinger das mittelalterliche Lager auf der Bleiche. Zum Beispiel die Zelte der „Gefährten des Feuers“ aus dem Badischen, der Gundelfinger Ritter. Sie sahen die hochherrschaftlichen Schlafgemache und die der Knappen und lernten allerhand über das Ritterleben. Die Bayerischen Herzöge, die seit 1996 zum Historischen Verein gehören, erklärten ihnen beispielsweise, was alles zu einer Rüstung gehört. Etwa zwei Monate dauert es, bis ein selbst gemachtes Kettenhemd fertig ist, erklärt Achim Linder, besser gesagt, Achim von den Linden, bis die 15000 Kettenringe ineinandergeflochten und zusammengenietet sind. „Das wiegt dann zwischen zehn und 15 Kilogramm.“ Natürlich hatte die Leibwache von Herzog Ludwig IX. auch Säbel und Schwerter parat. Und einen großen gefüllten Badezuber. An einem kleinen Schießstand war Armbrustschießen angesagt. Die Kinder bastelten Arm- oder Stirnreife und töpferten. Sie wurden auf einem Pferd herumgeführt und die „Jäger vom Fluigaeck“ zeigten ihnen, wie Naturprodukte aufgebaut sind, zum Beispiel Blätter und Kräuter, aber auch verschiedene Felle, beispielsweise von Fuchs und Hase. „Das ist eine lehrreiche Sache“, sind sich Schatzmeister Lothar Gebhardt und Vorsitzender Walter Hieber vom Historischen Bürgerverein Gundelfingen einig. Der schaut nach dem Ritterturnier begeistert aufs Dach der Walkmühle. Denn der Storch, den er selbst aufgezogen hat, sitzt erstmals im Nest und beobachtet das bunte Treiben.

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Nach getaner Arbeit lassen sich die Ritter von Gundelfingen das von Godeberg zu Falkenstein alias Thomas Mangner aus Peterswörth gekochte Gulasch schmecken. „Keiner will im Mittelalter leben“, ist sich Eugen Hander, Zweiter Vorsitzender des Historischen Bürgervereins, im Klaren. „Das war für das niedere Volk nicht schön“, ergänzt Meik Krause aus Weißenhorn, der den Albert von Neuffen gibt. Doch ins damalige Leben einzutauchen bedeutet für sie bis zu sieben Mal im Jahr eine willkommene Auszeit vom Alltag. Während die Bayerischen Herzöge zum Beispiel bei den Heimattagen in Bopfingen anzutreffen sind, messen sich die Ritter bei Turnieren. Berthold I. von Neuffen alias Udo Eschenlohr aus Günzburg erklärt: „Jeder Ritter ist historisch belegt.“ Seit 30 Jahren beschäftigt er sich mit den geschichtlichen Hintergründen. Selbst gefertigt sind sein Gewand, die Fahne und Wappen, das schwarze Zelt, das so aussieht, wie es damals war. Für Walter Hieber ist es wichtig, die Kontakte zu den verschiedenen Gruppen zu halten. Denn in zwei Jahren steht das Europäische Nachtwächtertreffen in Gundelfingen an und die 50-jährige Städtepartnerschaft mit Beek in den Niederlanden.

Eindrücke vom Mittelalterfest bekommen Sie im Internet unter www.donau-zeitung.de/bilder

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