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Bissingen

05.09.2019

Molkerei Gropper produziert jetzt Bio-Wasser

So sieht das Rieser Urwasser aus. Es ist ein bio-zertifiziertes Wasser, das die Bissinger Molkerei Gropper herstellt.
Bild: Simone Bronnhuber

Die Bissinger Firma hat eine uralte Tiefenquelle entdeckt. Nach einem jahrelangen Verfahren steht das "Rieser Urwasser" bald in tausenden Aldi-Filialen.

Acht Minuten. In dieser Zeit stand der Molkerei auf dem gesamten Betriebsgelände kein Wasser zur Verfügung. Firmenchef Heinrich Gropper erzählt es und schüttelt den Kopf. Auch heute noch. Die Kommune Bissingen konnte an diesem Tag vor sieben Jahren die Wasserkapazitäten der Firma nicht abdecken. "Das darf einfach nicht passieren. Das ist schlimmer, als wenn der Strom fehlt. Deshalb ist die Entscheidung damals schlussendlich gefallen", sagt er. Diese, dass die Molkerei eine eigene Wasserversorgung braucht. Und damit hat das Bissinger Unternehmen den Grundstein für sein neuestes Produkt gelegt – das "Rieser Urwasser". Die Molkerei stellt eigenes Mineralwasser, das bio-zertifiziert ist, her. Gewonnen wird es aus der uralten Marienquelle, die auf dem Gelände entdeckt worden ist. Ab 9. September ist das Urwasser in mehr als tausend Aldi-Süd-Filialen in Bayern und Baden-Württemberg erhältlich.

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Molkerei Gropper: Neuer Geschäftszweig in Bissingen

Am Donnerstag stellte Heinrich Gropper mit einem ganzen Team an Experten das Urwasser zahlreichen Pressevertretern offiziell vor. Mit diesem Bio-Wasser schafft Gropper einen weiteren, neuen Geschäftszweig am Standort in Bissingen – und begibt sich auf komplettes Neuland. "Wir sind völlig unbeleckt an die Sache rangegangen. Aber manchmal ist das gar nicht schlecht. Man denkt dann einfach, einfach", sagt Heinrich Gropper. Und der Denkprozess war der Anfang eines langen, schwierigen Weges, wie er immer wieder betont. Mehr als fünf Jahre habe das komplexe Genehmigungsverfahren angedauert, um das Wasservorkommen nutzbar zu machen. Zahlreiche Behörden waren involviert, 48 Kriterien mit Hunderten von Einzeluntersuchungen mussten erfüllt werden, unabhängige Fachleute waren immer wieder vor Ort und die Molkerei musste auch Forschungsarbeit leisten. Die Vorschriften und Vorgaben seien noch viel, viel umfangreicher, wie er sagt. "Aber man muss machen und nicht reden. Das machen wir. Das wird auch für uns megaspannend, weil wir nicht wissen, wie es ankommt", sagt Heinrich Gropper.

"Rieser Urwasser" ist Mineralwasser, das bio-zertifiziert ist

Denn nicht nur, dass sich die Molkerei selbst mit dem Rieser Urwasser auf Neuland begibt. Es ist auch das erste Bio-Wasser, das es ab nächste Woche in einem Discounter zu kaufen gibt – in 1-Liter-Flaschen aus hundert Prozent recyceltem PET. Das Wasser gibt es im Sechserpack oder als einzelne Flasche zu erwerben – nicht in Plastik, sondern in Kartons verpackt. Ein Liter kostet laut Heinrich Gropper 69 Cent. Damit bewege man sich im Premiumsegment. "Wir wollten bewusst nicht im Kleinen, sondern auf großen Flächen testen", sagt er weiter. Dafür habe man schon vor der Kooperation mit Aldi Süd mögliche Kampagnen, Strategien und Designs ausgearbeitet sowie das Firmenlogo überarbeitet. "Da wussten wir noch nicht, ob und wer das Bio-Wasser in die Läden stellt. Aber manchmal braucht man auch ein Quäntchen Glück, und das hatten wir dann mit der Entscheidung bei Aldi." Und mit der Entdeckung der Marienquelle.

Bio-Wasser gibt es jetzt auch von der Molkerei Bissingen (von links): Zweiter Bürgermeister Stephan Herreiner, Heinrich und Nadine Gropper, Geschäftsführer Karl Klein und Geologe Mario Stadler.
Bild: Simone Bronnhuber

Denn nicht nur, dass die Wasserkapazitäten vonseiten der Kommune und anderer Wasserversorger – damals wie heute – nicht gedeckt werden konnten und können, wie Heinrich Gropper sagt. Hinzugekommen seien die immer steigenden Qualitätsansprüche an das Wasser. Anforderungen, die laut Gropper mit dem Wasser der Gemeinde nicht mehr erfüllt werden konnten. Zumindest für Produkte bestimmter Partner. "Auch, wenn wir da nur von Kommastellen hinter den Richtwerten für bestimmte Produkte reden", so der Chef. Deshalb fanden 2013 die ersten Probebohrungen auf dem Molkerei-Gelände statt, und zu aller Erstaunen sei das Wasser nur so gesprudelt – sogar aus eigenem Druck und ohne Brunnen. Natürliches, unbelastetes Wasser, das aus der seltenen Marienquelle stammt, kam hervor. Das Wasser ist mindestens 8000 Jahre alt und geht bis zur Schwäbischen Alb zurück. Durch den Schutz einer Kalksteinhöhle ist es besonders rein und ohne jegliche Farbstoffe.

Wasserschutz, Nachhaltigkeit und Umweltschutz

Das erklären am Donnerstag die Experten – Geologen und Fachberater für Mineralwasser und Biogetränke. Zwei Brunnen hat die Molkerei mittlerweile in einer Tiefe von rund 68 Metern daher erschlossen – nach allen vorgeschriebenen Richtlinien und Kriterien. "Ich habe gesagt, wenn wir das machen, dann nur mit vollständiger Transparenz. Das, was die Behörden verlangen, das machen wir", betont Heinrich Gropper. Dabei seien die Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz immer im Vordergrund. "Wir achten sehr darauf, dass die Wassermengen nicht strapaziert werden. Wir bemühen uns immer um Wasserschutz und haben schon seit Jahren zahlreiche Maßnahmen in unseren Abläufen, um das zu garantieren", so Gropper. Mit dem Rieser Urwasser wolle die Molkerei deshalb ein weiteres Zeichen in Richtung Nachhaltigkeit setzen, einen Beitrag zur Umwelt leisten sowie kostbare Ressourcen schützen. Dass es das tut, das bestätige das Bio-Mineralwasser-Siegel der Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser e.V.

Eine halbe Million Flaschen vom "Rieser Urwasser" abgefüllt

Ein Weg, der nicht nur langwierig, sondern auch kostspielig war. Gropper schätzt, dass allein das Genehmigungsverfahren 1,5 Millionen Euro gekostet habe. Zwei bis drei Millionen Euro kommen für die Technik hinzu. Die Abfüllung noch ausgeschlossen. "Aber diesen Spaß gönne ich mir", sagt Gropper mit einem Augenzwinkern. "Das quersubventioniere ich aus dem Unternehmen raus." Konkrete Kalkulationen gebe es auch nicht, er könne nichts prognostizieren. "Aber das ist es mir wert. Selbst, wenn das Urwasser nicht mehr verkauft wird: Die Marienquelle ist da, und das ist sie mir wert."

Mehr als eine halbe Million Bio-Wasserflaschen hat die Molkerei Gropper für die Erstbelieferung für Aldi Süd vergangene Woche abgefüllt. "Was auch kommen mag, kann ich abdecken. Wenn nicht, dann schaffen wir neue Kapazitäten", sagt der Chef.

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Die Diskussion ist geschlossen.

06.09.2019

Weil die Wasserkapazitäten ....."nicht gedeckt werden konnten und können" und weil "die steigenden Qualitätsansprüche an das Wasser" "mit dem Wasser der Gemeinde nicht mehr erfüllt werden konnten ("Zumindest für Produkte bestimmer Partner") fördert man (man stellt es nicht her - wie fälschlicherweise geschrieben - und produziert auch kein Bio-Wasser) mindestens 8000 Jahre altes Wasser aus 68 Metern Tiefe und wirft es dann in "mehr als tausend Aldi-Süd-Filialen" ("Was auch kommen mag, kann ich abdecken. Wenn nicht, dann schaffen wir neue Kapazitäten"), in Flaschen aus PET auf den Markt. Im Betrieb wird es offensichtlich nicht benötigt.

Mir erschließt sich nicht, dass man damit ein weiteres Zeichen in Richtung Nachhaltigkeit setzt, einen Beitrag zur Umwelt leistet und kostbare Ressourcen schützt.

Ich empfinde das Ganze als Raubbau am natürlichen Gut Wasser.

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06.09.2019

Ich verstehe echt nicht wieso so viele Leute Wasser in Flaschen kaufen. Wir haben in Deutschland so ein gutes Leitungswasser, dass meist bessere Qualität aufweist als das abgefüllte Wasser.

Man spart sich das schleppen und natürlich die überflüssigen kosten...aber gut, jeder kann das ja machen wie er möchte.

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06.09.2019

Das Leitungswasser ist super, ja. Nur wohnt nich jeder in einer Wohnung mit modernen Leitungen. Das Wasser wird in alten Bauten oft durch die alten Leitung belastet. Auch trinkt unser Volk sehr gerne mit Kohlensäure versetztes Wasser.

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06.09.2019

Wenigstens sind es Mehrwegflaschen aus 100% recycltem Plastik und keine Einwegflaschen, die in Kisten verkauft werden. Entscheidend für den Preis sind aber die Bestandteile an Magnesium, ...

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06.09.2019

Das sind Einwegflaschen.
Aldi vertreibt - sowie ich weiß - prinzipiell nur Einwegflaschen und Dosen, da sie nicht die Rücknahme Infrastruktur haben/möchten.

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06.09.2019

Stimmt, Pfand 25 ct. Na dann... ist der Inhalt vielleicht top, aber die Verpackung/Umweltaspekt ein Flopp. Reizt mich nicht, dass dann zu kaufen.

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05.09.2019

Biowasser in Petflaschen, wie passt das zusammen, keinen Cent würde ich dafür ausgeben, den auch die Mehrwegpetflschen geben bei Wärmeeintrahlung Plastik ans Wasser ab. Ob das im Sinne des Gründers ist?

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05.09.2019

„Wasserschutz, Nachhaltigkeit und Umweltschutz“

Wenn man versucht aus einer Quelle eine halbe Republik zu beliefern, dann hat das mit Nachhaltigkeit nichts zu tun.
Und auch die Umwelt profitiert nicht von den Transportwegen, Einwegflaschen und Verpackungsabfällen.
Auch habe ich beim lesen des Artikels einen kleinen Filmriss gehabt: die Begründung beginnt damit, dass die Molkerei kurzzeitig kein Wasser hatte, sich also eine Alternative Versorgung erschließen wollte. Und plötzlich ist man dabei die kompletten Aldi Süd Filialen zu beliefern?
Übrigens: Vor der EU hatte Deutschland eines der statthatten wasserrichtlinien der Welt, geltend für Quell und Leitungswasser. Mit der EU wurden die Richtlinien für Quellwasser vereinheitlicht und damit zum vorherigen deutschen Standard deutlich herabgesetzt. Für Leitungswasser blieb das nationale Gesetz.
Wir haben also heute die Situation, dass das Grundwasser aus der Leitung viel strenger geprüft wird, als das mit viel Verpackung und Produktion durch Land transportierte Flaschenwasser.

„Bio-Wasser“ einfach lächerlich, aber die Leute lassen sich einfach jeden schmarn andrehen.
Darauf ein frisches kühles Glas vom hervorgehenden Augsburger Leitungswasser!

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