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Serenade

11.07.2011

Musikalische Sektlaune

Nach einem gelungenen, Sektlaune verströmenden Konzert stieß das Künstlertrio (v.l.) Anton Klotzner, Annette Sailer-Heidel und Stellario Fagone nach zwei Zugaben auf das Wohl des begeisterten Publikums an.
Bild: Foto: Walter

Künstlertrio mit Opern- und Operettenmelodien umjubelt

Lauingen Als der Tenor den Kulminationspunkt seiner Canio-Arie aus dem Bajazzo erreicht hatte, sekundierte ihm ein Donnerschlag und Platzregen setzte ein. So behielt die rührige neue 1. Vorsitzende des Kulturvereins zur Förderung der Gesangs- und Streicherakademie mit ihrer Entscheidung recht, die Serenade vom Innenhof des Rathauses in den Festsaal zu verlegen. Zwar stand das Rapp-Piano im Freien schon bereit, doch Stellario Fagone von der Staatsoper München hatte nichts dagegen, seine Fingerfertigkeit am Blüthner-Flügel zur Geltung zu bringen.

Das sehr gut besuchte Konzert am vergangenen Samstagabend stand unter einem besonders guten Stern, brachten doch alle Mitwirkenden eine ansteckende Heiterkeit mit, eine Lust zum Musizieren, die sich in stimmlicher Akribie und Akrobatik ausdrückte. Den Zuhörern waren Arien aus Verdi- oder Puccini-Opern vertraut, sie goutierten trotzdem die unterhaltsamen Hinweise durch Stellario Fagone. Weil alles in der italienischen Originalsprache gesungen wurde, waren Einordnung und inhaltliche Kurzzusammenfassung erwünscht. Jedoch spielte das kaum eine Rolle, wenn Anton Klotzner tenorale Glut entfachte. Er kam, sang und siegte und eroberte die Herzen des vorwiegend weiblichen Publikums im Sturm. Er war von Anfang an in den dramatischen Szenen präsent und stattete diese mit Ausdruck, Leidenschaft und stimmlichem Furore aus („La donna è mobile“, „Nessun dorma“, „Celeste Aida“). Kaum zu glauben, dass der spät berufene Südtiroler aus Meran erst während seines Münchner Ingenieurstudiums sich zum Bariton und seit 2003 zum Tenor ausbilden ließ.

Bühnenwirksamkeit und stimmlicher Liebreiz

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Inzwischen betört er z.B. mit Spitzentönen auf der Operettenbühne in Vaduz oder singt beim Isarbrückenfest in München aus „La Traviata“. Anton Klotzner hat sich eine natürliche Ausstrahlung bewahrt, weiß seine komödiantische Vorliebe geschickt einzusetzen. Er kokettiert mit dem Publikum, charmant serviert er Operettenschlager, verleiht diesen seine künstlerische Note. Es wurde ein Wunschkonzert mit verzaubernden Melodiensträußen („Da geh ich zu Maxim“, „Dein ist mein ganzes Herz“).

Mit ihrem sängerischen Partner lief Annette Sailer-Heidel zur Höchstform auf. Auch für sie war es leicht, Bühnenwirksamkeit herzustellen. Es herrschte Wohllaut durch aufblühende Kantilenen, durch jubelnde, triste, aber stets mitreißende Melodien. Stimmlicher Liebreiz in „Oh mio babbino caro“, Legatokultur als Musetta in „La Bohème“, Arien-Verismo in „Chi il bel sogno“ oder natürlich, einfühlsam das „Vilja“-Lied und spritzig „Mein Herr Marquis“ aus der „Fledermaus“. Annette Sailer-Heidels lichter Sopran strahlte in den „klassischen“ Duetten und in der Operettenseligkeit mit einem Kollegen, der ihre Eleganz mit tenoralem Glanz unterstrich. Walzerlieder wie „Lippen schweigen“ oder „Tanzen möcht ich“ sowie „Komm in meinen kleinen Pavillon“ waren die musikalisch stimmigen, gelösten, freudige Zustimmung verbreiteten Ohrwürmer.

Als im Foyer der Sektkorken knallte, war das das Startzeichen für das Traviata-Trinklied, das die beiden temperamentvoll anstimmten. In die Sektlaune bezogen sie zu Recht Stellario Fagone mit ein. Am Blüthner-Flügel setzte er zuverlässig den Orchesterklang um, unterfütterte gekonnt die lyrischen Elemente des Gesangs und sekundierte mittragend die dramatischen Ausbrüche. In zum Teil virtuosem Dialog strukturierte Fagone klar, gewandt und in feiner Partnerschaft. Blumen und stehende Ovationen für das Künstlertrio.

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